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Champions-League-Sieger Kai, der Große – an ihm kommt Löw nicht mehr vorbei

Kai Havertz ist mit 21 Jahren schon auf dem Fußball-Olymp angekommen 
Fester Biss auf die Champions-League-Medaille: Kai Havertz ist mit 21 Jahren schon auf dem Fußball-Olymp angekommen 
© David Ramos / DPA
–Kai Havertz hat mit seinem Siegtor im Champions-League-Finale gezeigt, was für ein überragender Fußballer er ist. Spannend wird jetzt sein, welche Rolle ihm Joachim Löw in der Nationalelf gibt.

Man darf gespannt sein, welche Superlative die Medien noch für den 21-jährigen deutschen Fußball-Profi finden werden. Die britische Presse gab sich nach Kai Havertz' Siegtreffer im Champions-League-Finale von Porto schon mal große Mühe. Die Zeitung "The Guardian" verlieh dem früheren Leverkusener religiöse Kräfte: Das Angriffsspiel des FC Chelsea sei "erleuchtet von Havertz' makelloser Technik". Andere Medien schwärmten vom "heldenhaften" Auftritt, Havertz sei eine "Perle" und ein wahrhaft "freier Geist".

Der entscheidende Punkt dabei ist: Sie haben alle recht. Das pralle Lob für den Hochtalentierten, der schon in so jungen Jahren den Fußball-Olymp erklommen hat, ist gerechtfertigt. Wie schon in den Halbfinalspielen gegen Real Madrid hat Havertz im Endspiel seine außergewöhnliche Begabung bewiesen. Sein Tempo, seine Technik und seine Spielübersicht sind überragend. Im Finale in Portugal zeigte Havertz die ganze Palette seines Könnens als Teil eines perfekt eingestellten Teams.

"Dieser Kerl: Top-Mentalität"

Chelsea-Kapitän César Azpilicueta mischte sich in der Euphorie nach dem Schlusspfiff in ein TV-Interview Havertz' mit einem britischen Sender ein (wo Havertz eine Frage nach seiner hohen Ablösesumme mit dem f***_Ausdruck garnierte), und hob den Teamkollegen in den Himmel: "Dieser Kerl: Top-Mentalität!!!Er wird ein Superstar. Nein! Er ist es schon!" Dabei klopfte er ihm mehrmals auf die Brust, und die beiden kamen aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.

Dass Havertz' erstes Jahr bei den Londonern so einen Ausgang nehmen würde, war vor wenigen Monaten nicht unbedingt zu erahnen. Sein Start in der Premier League verlief holprig, zu selten zeigte er, den die Scouts schon als Zwölfjährigen jagten, seine Fähigkeiten. Der teuerste Transfer des Sommers (rund 80 Millionen Euro überwies Chelsea an Bayer Leverkusen) saß unter Trainer Frank Lampard häufig auf der Bank, im November ereilte ihn eine Covid-19-Infektion. Erst nach dem Trainerwechsel blühte Havertz richtig auf.

Spannend wird jetzt die Frage sein, wie Bundestrainer Joachim Löw mit dem frisch aus der Taufe gehobenen Superstar umgeht. Am Donnerstag werden die drei deutschen Chelsea-Profis (neben Havertz Timo Werner und Antonio Rüdiger) ins Trainingslager der Nationalelf nach Seefeld reisen. Bislang spielte Havertz bei Löw eine untergeordnete Rolle, doch spätestens mit den Leistungen der vergangenen Wochen wird es geradezu eine Pflicht des Bundestrainers sein, das Potenzial des Ausnahmespielers für das EM-Turnier abzurufen.

Stammplatz in der Nationalelf ist nicht sicher

Löw schickte vorsorglich ein paar lobende Worte an Havertz: "Dass Kai mit seinem Treffer das Finale für den FC Chelsea entschieden hat, ist eine märchenhafte Geschichte und zeigt seine enorme Qualität", sagte Löw. Doch die Zeit ist knapp. In nicht einmal zwei Wochen startet das letzte Turnier für die deutsche Elf mit dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich.

Dennoch hat Havertz in der DFB-Auswahl den Stammplatz nicht zwingend sicher. Durch die Rückkehr von Thomas Müller ist der Konkurrenzkampf zusätzlich verschärft. Beide spielen offensiv eine ähnliche Rolle, können aber genauso gut zusammenauflaufen. Weitere Puzzleteile in der Offensive sind Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner (Kevin Volland nicht zu vergessen). Die Kunst wird es nun sein, die richtige Mischung zu finden. Aber ein Havertz auf der Bank ist nicht vorstellbar.

Quellen: DPA, "Faz", "Bild", "Süddeutsche Zeitung", "Sportbuzzer", "The Guardian"


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