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FUSSBALL: Lorant denkt »ernsthaft« an Rücktritt

Werner Lorant denkt wieder einmal über einen vorzeitigen Abschied vom Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München nach.

Werner Lorant denkt wieder einmal über einen vorzeitigen Abschied vom Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München nach. »Es ist sehr ernst«, erklärte der 52-jährige Trainer am Montag auf dpa-Anfrage. Lorant, der noch einen Vertrag bis 2003 besitzt und eigentlich in diesen Tagen vorzeitig bis 2005 verlängern sollte, droht wegen anhaltender Fan-Proteste mit seinem Ausstieg zum Saisonende. »Der Krieg zwischen unseren Fans wegen der Stadionfrage geht mir auf den Keks. So mache ich nicht weiter«, sagte der Coach der Münchner Tageszeitung »tz«.

Zuschauerschwund

Anlass seines Zorns ist der sich zuspitzende Streit der Anhänger um eine Rückkehr ins Grünwalder Stadion. Präsident Karl-Heinz Wildmoser hält das Vorhaben für nicht machbar und plant einen Stadionneubau zusammen mit dem FC Bayern München. Daraufhin blieben immer mehr Fans in den letzten Wochen den Heimspielen ihres Clubs fern. Andere nutzten die Auftritte im ungeliebten Olympiastadion, um für ihre alte Heimat in Giesing zu demonstrieren.

»Ich erwarte, dass die Fans die Mannschaft unterstützen. Wir brauchen keine Fans, die im Stadion diskutieren. Die können wegbleiben«, erklärte der Trainer, der sich am Ende der Runde entscheiden will, ob er bleibt. Bis dahin gehe es ihm »nur um den Fußball«. Eine Lösung im Gerangel der zerstrittenen Fans sowie im Zank der Fans und ihres Vereins sieht er gegenwärtig nicht.

»Rücktrittsdrohungen« als Dauerzustand

»Schon vor einiger Zeit habe ich davor gewarnt, die Angelegenheit zu unterschätzen. Da hieß es immer, es sind ja nur 100 oder 150, die schreien und protestieren. Aber ich habe damals schon prophezeit, dass es immer mehr werden«, meinte der ehemalige Profi, der allerdings seine vorzeitige Demission in den acht Jahren seiner Vereinszugehörigkeit häufig ankündigte.

Im November hatte der bereits eng mit dem Trainer verbundene Präsident Wildmoser seinem Trainer den Rücken gestärkt und mit dem eigenen Ausscheiden geliebäugelt. Wildmoser verbat sich damals Kritik an seinem Fußball-Lehrer, der mit seinem Team eine Talfahrt in der Liga hinlegte. Nun gerät Wildmosers Vereinspolitik in der Stadionfrage beim eigenen Anhang immer stärker in die Kritik. Trainer und Präsident hatten ihr Schicksal bei dem Traditionsverein in der Vergangenheit wiederholt miteinander verknüpft.

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