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Fußball-Nationalmannschaft: Titanendämmerung im Nationalteam

Oliver Kahn droht die schleichende Entmachtung in der Nationalmannschaft. Nachdem Jürgen Klinsmann die Torhüter-Rotation angekündigt hat, ereilte den Torwart-Titan ein neuer Schlag.

Oliver Kahn hat sein Amt als Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft abgegeben. Die Nachfolge des Torhüters tritt Bayern-Kollege Michael Ballack an. "Ich habe mir einen Feldspieler als Kapitän gewünscht", sagte der neue Teamchef Jürgen Klinsmann im Quartier des DFB-Teams in Neu-Isenburg. Kahn wird Ballacks Stellvertreter. Ballack trägt am Mittwoch gegen Österreich die Kapitäns-Binde. Kahn war erstmals am 3. Juni 2000 im Spiel gegen Tschechien als Kapitän aufgelaufen.

Krach im DFB-Lager

Nach der Kritik von Sepp Maier an der angekündigten Torwart-Rotation in der deutschen Nationalmannschaft hat Jürgen Klinsmann ein erstes Machtwort gesprochen. Maier hatte in der Zeitung "Die Welt" die Entscheidung des Teamchefs kritisiert, Kahn nicht mehr als eindeutige Nummer eins zu setzen. Mit dieser Entscheidung sorge der neue Bundestrainer für Verunsicherung bei Oliver Kahn, bemängelte der 60-Jährige Maier. "Man muss wissen, wer die Nummer eins ist. Wenn ein Torhüter in Frage gestellt wird, kostet ihn das mental sehr viel Substanz. Deshalb verstehe ich die Entscheidung nicht", sagte der Weltmeister von 1974.

Mit drei Torhütern nach Wien

Klinsmann rüffelte noch vor der offiziellen Teamsitzung am Montagmorgen die öffentlichen Aussagen von Maier. "Das kann er intern sagen. Wir brauchen einen ganz engen Kreis, in dem ein absolutes Vertrauensverhältnis da ist", betonte Bierhoff. In der ersten Mannschaftssitzung machte Klinsmann auch allen Spielern deutlich: Wenn jemand sportlich Probleme habe, solle er sich zuerst an den Trainer wenden. Klinsmann hatte in Kahn, Jens Lehmann und Timo Hildebrand alle drei EM-Torhüter für das Länderspiel in Wien nominiert und für die nächsten Monate ein Rotationsverfahren im deutschen Tor angekündigt.

Drei Nachnominierungen

Dagegen nehmen die Personalsorgen weiter zu: Nationalspieler Miroslav Klose bangt um seinen Einsatz. Der Stürmer von Werder Bremen musste die erste Übungseinheit unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann verletzt abbrechen. Der 26-Jährige klagte über Beschwerden im Beckenbereich. Zuvor waren bereits die Abwehrspieler Arne Friedrich und Jens Nowotny verletzungsbedingt aus dem DFB-Quartier in Neu-Isenburg abgereist. Dafür hatte Klinsmann den Münchener Thomas Linke, Youngster Robert Huth vom FC Chelsea und den Gerald Asamoah, den zweifachen Schalker Torschützen vom Wochenende, nachnominiert.

Die voraussichtliche Aufstellung:

Kahn - Hinkel, Fahrenhorst, Baumann (Linke), Lahm - Borowski, Schneider, Ballack, Ernst - Brdaric (Podolski), Kuranyi

Carsten Heidböhmer, mit Material von DPA

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