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Hamburger SV: Siegenthaler wird doch nicht Sportlicher Leiter

Und wieder auf der Suche: Bundesligist Hamburger SV muss erneut Ausschau nach einem Sportlichen Leiter halten. Urs Siegenthaler sagte kurzfristig ab - dem Deutschen Fußball-Bund zuliebe

Urs Siegenthaler hat sich entschieden. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB), die Nationalmannschaft, Joachim Löw, gegen den Hamburger SV und einen unterschriebenen Arbeitsvertrag. Am kommenden Montag sollte der Schweizer beim Fußball-Bundesligisten als Sportlicher Leiter einsteigen, nur vier Tage vor Vertragsbeginn sagte er auf Druck des DFB ab. Was im Februar als viel beachteter Coup der Hanseaten begonnen hatte, endete sang- und klanglos in einer Presseerklärung. Der Hoffnungsträger fand den Ausstieg. Und der HSV steht wie so oft in den letzten Monaten wieder als blamierter Verlierer da.

"Wir bedauern diese Entscheidung sehr, denn wir waren von Urs Siegenthalers Ideen und Konzepten absolut überzeugt", sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann.

Noch auf der Informationsveranstaltung für Mitglieder vor zweieinhalb Wochen war der Name Siegenthaler einer der Trümpfe, um die aufgebrachten Fans wenigstens etwas zu beruhigen. Jetzt ist auch dieses Ass dahin. Siegenthaler erklärte seinen Abgang mit seiner Loyalität zu Joachim Löw, die ihm keine andere Wahl gelassen habe. "Aufgrund von mir nicht beeinflussbaren Umständen stand ich jetzt vor der Alternative einer Tätigkeit für den HSV oder den DFB", teilte er mit. Diese Entscheidung wurde ihm kurz vor seinem Arbeitsantritt aufgezwungen - oder er ließ sie sich gerne aufzwingen. In der Sport Bild sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach jedenfalls: "Eine Doppelfunktion wird nicht möglich sein."

Der DFB-Funktionär wurde von prominenten Vertretern der Liga unterstützt. "Eine Doppelbeschäftigung von Siegenthaler wäre der Liga schwer zu vermitteln", sagte Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball, der in Doppelfunktion auch DFB-Vizepräsident ist. Auch Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erklärte: "Die Liga ist klar der Meinung: Entweder arbeitet Siegenthaler für den DFB oder für den HSV."

Hoffmann nicht erfreut über Siegenthalers Entscheidung

Die Kurzfristigkeit dieser Meinungsbildung und der Weg über die Medien irritierten den HSV zusätzlich. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass Siegenthaler nun zu einer Entscheidung gewungen wurde", zürnte Hoffmann, "die Absicht, eine Funktion beim HSV zu übernehmen, ist seit Februar bekannt und mit den verantwortlichen Leuten beim DFB abgestimmt. Dass eine Doppelfunktion vier Tage vor Arbeitsbeginn ein unlösbares Problem darstellen soll, ist für mich nicht nachvollziehbar."

Bereits am 10. Februar hatte sich Siegenthaler für den Job in Hamburg entschieden, zwei Tage nach den zunächst gescheiterten Vertragsverhandlungen von Löw und dessen Funktionsteam mit dem DFB. Am 16. Februar wurde Siegenthalers Vertrag vom Aufsichtsrat des HSV abgenickt. Er sollte die Neuorganisation des Nachwuchsbereiches in die Hand nehmen, eine Spiel-Philosophie mitentwickeln, Stars und Talente entdecken und diese zum HSV lotsen.

Siegenthaler hatte seine berufliche Zukunft abgesichert. Nach dem dritten Platz in Südafrika und der Euphorie um die Nationalelf hatte sich die Situation aber wieder geändert. Plötzlich hatte die Weiterbeschäftigung von Löw höchste Priorität. Am 20. Juli unterschrieb der Schwabe für weitere zwei Jahre - da will er seine Mitstreiter natürlich im Team behalten. Siegenthaler saß in der Zwickmühle.

Wahrscheinlich waren beide Seiten im Innersten froh, dass der Dreijahresvertrag aufgelöst wurde. Denn richtig war Siegenthalers Rolle bei den Hanseaten ohnehin nicht mehr definiert. Bastian Reinhardt sitzt inzwischen als Sportchef im Vorstand und wäre Siegenthaler hierarchisch übergeordnet. Trainer Armin Veh hatte sich mit dem Schweizer auch noch nicht beschäftigt: "Er war im Urlaub, ich war im Urlaub." Diverse HSV-Jugendtrainer sollen über das forsche Auftreten des Schweizers geklagt haben.

"Wir werden die angestoßenen Maßnahmen fortsetzen", kündigte Hoffmann an: "Dafür sind wir mit Bastian Reinhardt und durch die mit Urs Siegenthaler getroffenen Personalentscheidungen in Nachwuchs und Scouting gut aufgestellt." Von einem prominenten Ersatz für Siegenthaler ist keine Rede mehr.

SID/dab / SID

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