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Hertha BSC: Berlins aufgeweichtes Ultimatum

Möglicherweise hat Weltmeister Luizao mit seinem "goldenen Tor" im Bundesliga-Duell beim FC Hansa seinem Trainer nicht nur für weitere drei Tage den Job gesichert, sondern auch eine Trendwende eingeleitet.

Dem ersten Endspielsieg von Huub Stevens folgten neue Spekulationen. Möglicherweise hat Weltmeister Luizao mit seinem "goldenen Tor" im Bundesliga-Duell beim FC Hansa seinem Trainer nicht nur für weitere drei Tage den Job gesichert, sondern auch eine Trendwende eingeleitet. "Wir müssen erst einmal die Reaktionen abwarten. Wir haben eine Vereinbarung, über die man sich gegebenenfalls noch einmal unterhalten kann", erklärte Berlins Manager Dieter Hoeneß am Sonntag und öffnete Stevens eine Hintertür. Obwohl das Ultimatum weiter steht, dass der Niederländer für seine Job-Garantie auch noch das Pokalspiel am Dienstag in Rostock gewinnen muss, scheint ein Ausscheiden nicht mehr das automatische Aus für Stevens zu bedeuten.

"Wir haben gewonnen, nicht ich habe gewonnen" "Darüber kann man reden, wenn die Rahmenbedingungen andere sind", betonte Hoeneß. Herthas erster Saisonsieg nach neun vergeblichen Anläufen rief bei den Verantwortlichen nicht nur Erleichterung, sondern vor allem neue Hoffnung hervor. "Wir haben gewonnen, nicht ich habe gewonnen", wollte Stevens unmittelbar nach dem 1:0 (1:0) in Rostock seine Gefühle verbergen. Da hatten die Fernsehkameras jedoch bereits die Freudentränen des 49-Jährigen eingefangen, als er alle seine Spieler und das gesamte Personal auf der Hertha-Bank umarmte.

Umdenken im "Fall" Stevens? Am Tag danach reagierte Stevens auf das möglicherweise aufgeweichte Ultimatum erneut ohne sichtbare Emotionen: "Das habe ich auch gehört. Aber wir haben eine Vereinbarung. Wir wollten damit keine Entlassung erzwingen, sondern einen Kreis durchbrechen." Dank des Siegtores des fast schon ausgemusterten Brasilianers Luizao (31.) und einer wesentlichen Steigerung des gesamten Teams könnte auch ein unglückliches Ausscheiden - beispielsweise im Elfmeterschießen - ein Umdenken im "Fall" Stevens bringen.

"Es deutet sich eine Trendwende an, das muss man verfolgen", meinte Hoeneß. Allerdings meinte Präsident Bernd Schiphorst: "Ich verstehe die ganzen Diskussionen nicht." Zum jetzigen Zeitpunkt habe er keine Lust, alle Möglichkeiten zu diskutieren. Man müsse nach dem Spiel am Dienstag sehen, was zu machen sei, meinte der Clubchef.

"Bis Dienstag passiert nichts"

Bis zur Pokal-Partie will Hoeneß jegliche Aktivitäten bei der Suche nach einem möglichen Nachfolger ruhen lassen. "Bis Dienstag passiert nichts. Das garantiere ich", versicherte er. Stevens muss die Begegnung nach dem Eklat in der Partie gegen Bayer Leverkusen allerdings möglicherweise aus der Tribünenperspektive verfolgen. Nach seiner Verurteilung vom DFB- Sportgericht zu einem Innenraum-Verbot für zwei Pflichtspiele und 15 000 Euro Geldstrafe muss der Niederländer am Montag zur mündlichen Einspruchs-Verhandlung erscheinen.

Gert Glaner und Jens Mende, dpa / DPA

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