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Nach rassistischen Aussagen: Tönnies bekommt von überraschender Seite Unterstützung

Schalke-Boss Clemens Tönnies muss dem Ehrenrat des Klubs Rede und Antwort stehen. Von dem Termin hängt ziemlich viel für ihn ab. Inzwischen ergreifen prominente Unterstützer von Tönnies das Wort. 

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies bekommt vor der Anhörung beim Schalker Ehrenrat wegen seiner Äußerungen über Afrikaner Beistand von alten Weggefährten. Von Anti-Rassismus-Organisationen wird der Unternehmer aber weiter scharf kritisiert. "Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren", sagte Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Stiftung Amadeu Antonio, der Deutschen Presse-Agentur. Für Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland bestätigten Tönnies' "höchst problematische Aussagen", dass "dieses kolonial-rassistische Bild von Afrika immer noch Bestand hat und Teil des Diskurses ist." 

Schalkes Trainer-Ikone Huub Stevens verteidigte Tönnies dagegen. "Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind - völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen - nie um die Farbe seiner Haut", schrieb der 65-Jährige, der den Fußball-Bundesligisten in der vergangenen Saison als Interimscoach vor dem Abstieg bewahrt hatte und auch im Aufsichtsrat sitzt, in einer Erklärung, über die die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Dienstagsausgabe) berichtet.

Gabriel nennt Rassisten-Vorwurf "Quatsch"

Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel teilte laut "WAZ" mit, "der Spruch" sei "garantiert daneben" gewesen. Den Schalke-Chef aber zum Rassisten zu machen, sei "absoluter Quatsch". Wer Tönnies kenne, "weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten." Ex-Bundesligatrainer Otto Rehhagel betonte nach Angaben der Zeitung, Tönnies "stets als ehrlichen und sehr sozial engagierten Menschen kennengelernt" zu haben. Als einen, "dem nur wichtig ist, wie sich ein Mensch verhält und nicht, woher er kommt".

Der Fleisch-Unternehmer Tönnies hatte in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte er. Später entschuldigte sich Tönnies für seine Äußerungen. Aus Sport und Politik kam deutliche Kritik.

Kubicki springt Tönnies bei

FDP-Vize Wolfgang Kubicki bezeichnete diese Aussagen als "drastisch", aber zulässig. Der Bundestagsvizepräsident sagte, die Darstellungen von Tönnies seien "vielleicht auch notwendig" gewesen, "um auf ein Riesendilemma der selbst ernannten Klimaaktivisten hinzuweisen. 1972 leben circa 4,5 Milliarden Menschen auf der Erde, heute sind es circa 7,5 Milliarden, die ernährt, untergebracht, beschäftigt werden und deren Mobilitätsbedürfnisse sicher nicht geringer sein werden als heute." 2100 seien es möglicherweise zwölf Milliarden Menschen.

Der 67-Jährige sagte "tagesspiegel.de", er verteidige "nicht den Ton der ziemlich drastischen Aussage von Clemens Tönnies. Das tut er ja selbst auch nicht. Ich verteidige die Meinungsfreiheit und wende mich gegen die moralische Impertinenz, mit der sofort die öffentliche Verfolgung bis hin zur Existenzvernichtung aufgenommen wird. Tönnies hat ein gravierendes Problem der Klimadiskussion benannt, das tatsächlich einer dringenden Beantwortung bedarf."

Quellen: DPA, tagesspiegel.de,

tkr / DPA

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