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Bundesliga im stern-Check : Muffensausen vorm FC Bayern bekommen - eine Abrechung mit den BVB-Schlaffis

Für BVB-Anhänger und neutrale Fans war der deutsche Clasico eine einzige Qual – das lag an desolaten Dortmundern, die dem "Spiel der Spiele" gegen die Bayern jegliche Spannung nahmen. Das ist ziemlich ärgerlich.

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 28. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Huub Stevens ist ein bemerkenswerter Trainer. Der Niederländer ist eine Schalker Ikone, wurde gar zum "Jahrhunderttrainer" gewählt. Die Frage ist nur, ob es eine gute Idee war, den "Knurrer von Kerkrade" zum Interimstrainer einer Mannschaft zu machen, die schwachbrüstig durch die Saison taumelt - und der er bislang auch kein Gewinner-Gen einimpfen konnte. In so einer miesen Phase passieren eben Dinge wie gegen Eintracht Frankfurt: Der Schiedsrichter pfiff in der 9. Minute der Nachspielzeit (!) einen berechtigten Elfmeter, den Luka Jovic zum 2:1-Siegtreffer verwandelte. Kommt auch nicht alle Tage vor. Danach benahm sich der 65-Jährige, zurückhaltend formuliert, nicht so gut. Erst knöpfte der "Knurrer" sich die Schiedsrichter vor, in den Katakomben beschimpfte er einen Journalisten: "Hör auf! Ich antworte dir nicht mehr. Weg! Du bist lächerlich", raunzte er. Schon nach der Pokal-Niederlage gegen Werder Bremen unter der Woche war er im Interview mit dem ARD-Reporter Jürgen Bergener derart angefressen, dass man sich für einen kurzen Moment Sorgen machte um das Wohl des Kollegen. Und auch um Stevens muss man sich Sorgen machen. Zuviel Aufregung ist einfach nicht gesund. Und das im Abstiegskampf.

Gewinner des Spieltages

Das sind die Bayern. Keine Frage. Mit 5:0 den Rivalen vorgeführt. Tabellenführung übernommen. Dann viel Bohei. Tolles Sieger-Foto aus der Kabine gepostet. Kovac beschwert sich über die angeblich so ungerechte Behandlung der Trainer durch die Medien. Hummels beschwert sich über die angeblich so ungerechte Behandlung durch die Medien. Danach verrückte Party im P1. Hummels trinkt nur stilles Wasser. Capital Bra rappt den Dieter-Bohlen-Hit-Kracher "Cheri Cheri Lady". Hoeneß hält das schon zuvor für "Schwachsinn". Rummenigge tritt bei "Wontorra" auf. Sagt einen knallharten Spruch in Richtung Kovac auf: "Es gibt keine Jobgarantie für Niemanden. Jeder muss bei Bayern München liefern." Etc, etc. Und am Ende werden die Bayern wahrscheinlich wieder Meister werden. Zum siebten Mal in Folge. Alles wie immer also.

Verlierer des Spieltages

So, jetzt wird es persönlich. Muss aber sein. Da freue ich mich als neutraler, aber sehr leidenschaftlicher Fußball-Fan auf den "deutschen Clasico". Sogar CNN berichtete im Vorfeld über "the german Bundesliga". Das hatten wir ja lange nicht, dass sich ein Team mit den Bayern auf AUGENHÖHE befindet. Den Titelkampf wieder spannend macht und die unter der bayerischen Dominanz leidende Liga aus dem Titelkampf-Siechtum erlöst, und in der Folge den ganzen deutschen Fußball, der ja international im Moment nicht so richtig dolle ist, wieder in ungeahnte Höhen führt. Und ich dachte, es wird ein spannendes Spiel. Mit zwei, drei Toren, gleichmäßig verteilt, mit Rudelbildungen und fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen. Ich hatte mich auf den roten Kopf von Uli Hoeneß auf der Tribüne gefreut, sollte Dortmund gewinnen. War wohl nix. Der Fußball-Abend war einfach nur öde. Die Langeweile im Titelkampf geht weiter. Sicher, die Bayern führen lediglich mit einem Punkt und es stehen sechs Spiele aus. Da kann noch viel passieren. Aber wer glaubt das? Die Bayern haben sich als wahrer Meister gezeigt. So einfach ist das. Und warum? Weil die BVB-Schlaffis Muffensausen bekommen haben in der großen Allianz Arena vor dem großen FCB. Weil sie überfordert waren, als sie im Saisonendspurt den endgültigen Beweis ihrer wieder erlangten Klasse abliefern sollten. Überfordert war offenbar auch der Trainer, als er an der Aufstellung getüftelt hat. Grundsätzlich aber werden solche Spiele im Kopf entschieden. Reus, Witsel, Delaney, Sancho, Piszczek - wo wart ihr? Götze durfte ja erst gar nicht mit ran. So, Dortmund, Mund abputzen. Wahre Sieger werden in der Niederlage geschmiedet. Dann eben in der nächsten Saison.

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

An so einem Spieltag muss man sich an den kleinen Schönheiten des Fußballs festhalten, zum Beispiel an dem Tor von Kai Havertz. Mit dem Treffer zum 2:1 gegen RB Leipzig ist ihm ein kleines Kunstwerk gelungen. Aus der Drehung halbrechts im Strafraum zirkelte er den Ball in einer Art Dreh-Bogenlampe stehend links an den Innenpfosten. Leider hat das Tor nichts gebracht. Es war brotlose Kunst im wahrsten Sinne des Wortes. Leipzig gewann am Ende mit 4:2. Die Sachsen steuern souverän auf Rang drei liegend auf die Champions League zu, während Leverkusen droht, das internationale Geschäft zu verspielen. Mentalitätsmäßig ähnelt das Team von Peter Bosz dem BVB.

Das Bild des Tages

Leverkusens Wendell fasst Leipzigs Marcel Sabitzer in den Mund.

Wendell drückt mit einem Finger Marcel Sabitzer die Lipper runter. War er wütend auf den Leipziger? Oder wollte er den Kollegen auf Karies untersuchen? Auf jeden Fall hat der Leverkusner Glück gehabt, dass Sabitzer nicht zugebissen hat.

DPA

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