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Iran: Mullahs wollen Matthäus

Bayern-Trainer ist er nicht geworden, dafür hat Lothar Matthäus jetzt ein neues Jobangebot: Der iranische Fußballverband will den Rekordnationalspieler als Nationalcoach verpflichten. Auch ein anderer Deutscher steht ganz oben auf der persischen Wunschliste.

Ein Deutscher soll es auf jeden Fall sein. Der iranische Fußballverband sucht dringend einen Trainer für die Nationalmannschaft und hat dabei ein klares Anforderungsprofil erstellt. Erstes Merkmal: Der künftige Lenker der iranischen Auswahl soll aus dem Land Beckenbauers kommen. Offensichtlich genießen deutsche Trainer in der Welt immer noch einen erstklassigen Ruf. Dass der Wunschkandidat ausgerechnet Lothar Matthäus heißt, ist wenig überraschend. Der Rekordnationalspieler war in Serbien, Österreich und Ungarn Trainer. Er hat also genügend internationale Erfahrung und genießt als Weltmeister und zweifacher Weltfußballer des Jahres höchste Anerkennung - zumindest im Ausland, wo man dem Kolumnisten der "Sportbild" offensichtlich mehr zutraut als in Deutschland.

Er wäre nun ein leichtes, sich darüber lustig zu machen, dass die Mullahs Matthäus wollen. Gerade ist er schon wieder nicht Bayern-Trainer geworden, sondern ausgerechnet sein Erzfeind Jürgen Klinsmann. Für alle Kritiker des Dampfplauderers ist es ein gefundenes Fressen, dass Matthäus ausgerechnet in den fernen Iran exportiert werden soll. Viele meinen wahrscheinlich, da gehöre er sowieso hin.

In Deutschland will ihn keiner

Es ist bezeichnend, dass der beste deutsche Fußballer der letzten drei Dekaden in der Heimat keine Anstellung als Trainer findet. Als Spieler war er geachtet und gefürchtet. Als Trainer will ihn in Deutschland keiner verpflichten. Der Franke hat es nie verstanden, auch außerhalb des Spielfeldes eine positive oder vorbildliche Rolle zu spielen. Sein öffentliches Ansehen stellt das genaue Gegenteil zum "WM-Helden" Klinsmann da. Matthäus ist der Angeber und Wichtigtuer, der zuviel redet. Sein Ruf in Deutschland ist nicht der beste. Mit Matthäus will nur die "Bild" etwas zu tun haben. Auf solche Typen scheinen sie aber im Mittleren Osten zu stehen. Neben Matthäus gäbe es auch einen zweiten deutschen Kandidaten, dessen Namen der Offizielle des iranischen Fußballverbandes nicht verraten wollte. In der persischen Presse wird gemunkelt, dass es sich um Christoph Daum handeln könnte, der letzte Woche ein Interview mit der Nachrichtenagentur Fars geführt hatte. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtet, es habe indirekte Gespräche mit Daum und Matthäus gegeben.

Peter Neururer auch auf der Liste

Da ist es kein Wunder, dass die Iraner zuvor mit einem anderen arbeitslosen, deutschen Trainer gesprochen haben, der gut in die Dampfplauderer-Riege passt: Peter Neururer. Der Sprücheklopfer mit Schnauzbart hatte sich erst jüngst als Bayern-Trainer angepriesen. Das war ironisch gemeint, passt aber gut zum Selbstverständnis dieses Mannes, der sich für einen der ganz großen hält. Leider als einziger. Ob Matthäus iranischer Nationaltrainer wird, ist offen. Die Iraner erklärten, dass sie einen Toptrainer aus dem Ausland verpflichten möchten.

tis

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