Italien-Fans Braune Gefahr aus der Fankurve


Jahrelang waren es vor allem die englischen und deutschen "Fußball-Fans", die in Europa für Angst und Schrecken sorgten. Jetzt haben auch die italienischen Schlachtenbummler das Reisen entdeckt. Gewalt und Rechtsextremismus haben eine neue Dimension erreicht.
Von Klaus Bellstedt

Wenn an diesem Mittwoch Italiens Nationalmannschaft ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro austrägt, wird es auf den Rängen höchstwahrscheinlich ruhiger zugehen als noch beim letzten Auftritt des Weltmeisters vor drei Tagen. Der Grund: Die Azzurri treten vor heimischem Publikum in der Region Apulien, genauer gesagt in Lecce an. Am Wochenende gab die Lippi-Elf ihr Gastspiel in Sofia. Das Match gegen die Bulgaren endete torlos 0:0, aber das interessierte hinterher niemanden. Wieder einmal waren es Teile der Fans der Blauen, die für einen echten Skandal sorgten. Ein Skandal mit Folgen, denn der italienische Verband reagierte auf die Ausschreitungen der Tifosi in Sofia umgehend.

Verbandspräsident Giancarlo Abete erklärte, dass keine Tickets für Partien in der Fremde mehr angefordert werden. Der Auftritt eines Teils der Tifosi in Bulgarien, für ganz Italien kam er einer echten Schande gleich. Was war eigentlich passiert? Schon am Nachmittag, also etliche Stunden vor dem Anpfiff, hatten rund 100 der politisch rechts stehenden Ultras in einer Bar gegen die mit der Linken sympathisierenden Fans von CSKA Sofia eine Schlägerei angezettelt.

Fan-Kultur im Wandel

Im Stadion fiel diese Gruppe Italiener dann erneut skandalös aus dem Rahmen. Sie rief faschistische Parolen "Duce, Duce!", intonierte die faschistische Hymne "Faccetta Nera" ("Kleines schwarzes Gesicht"), hielt entsprechende Transparente hoch und reckte den rechten Arm zum Römischen Gruß in die Höhe.

Immer häufiger wütet die im Jahr 2000 gegründete Gruppe der rechtsradikalen "Viking Italia" vor allem auf Auswärtsfahrten der italienischen Nationalmannschaft. Vor allem aus dem Grund, weil zuhause die verschäften Sicherheitsmaßnahmen langsam zu greifen beginnen. Das macht dann einfach keinen Spaß mehr. Die Fan-Kultur, in Italien auf Nationalmannschaftsebene ganz anders als in England oder auch Deutschland nie besonders ausgeprägt, hat sich jenseits der Alpen auch wegen des Gewinns der WM 2006 erheblich gewandelt. Waren es früher ein paar Versprengte, die ihr Team begleiteten, sind es nun nicht selten viele Tausend.

"Viking Italia" soll ausgerottet werden

Was die "Viking Italia" besonders gefährlich macht, ist ihre vorbildliche Organisation. Über die Jahre hat sich eine fast schon beängstigende Struktur mit mächtigen Rädelsführen an den Schnittstellen zu den Clubs herausgeschält. Die meisten Mitglieder kommen aus dem Nordosten des Landes. Das alles erinnert fast schon an die Mafia.

Der italienische Verband hat nun endlich eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Man möchte die Übeltäter möglichst schnell identifizieren und die "Viking Italia" mittelfristig ausrotten. Ob es allerdings reicht, den Auswärtsfans den Ticketkauf zu untersagen, bleibt abzuwarten. Beim nächsten Auftritt der Azzurri auf fremdem Territorium am 28. März 2009 in Montenegro wissen wir mehr.


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