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Löw bleibt Fußball-Bundestrainer "Die Entscheidung ist trotz der unbestrittenen Verdienste von Jogi Löw ein Armutszeugnis"

"Kein Job auf Lebenszeit": Joachim Löw bleibt dennoch Bundestrainer
"Kein Job auf Lebenszeit": Joachim Löw bleibt dennoch Bundestrainer
© Christian Charisius / DPA
Die Kommentare zur Entscheidung des DFB, Joachim Löw als Bundestrainer im Amt zu lassen, sind gespalten. Viele halten sie für richtig und sehen die EM 2021 als Bewährungsprobe. Andere werfen dem Verband Mutlosigkeit vor. Die Presseschau.

"Spiegel": "Alles, was Strahlkraft gehabt hätte, hätte nicht zur Verfügung gestanden: Kein Klopp, kein Tuchel, kein Nagelsmann, auch kein Flick. Das kann im nächsten Jahr schon anders aussehen. Eine Lösung mit einem international renommierten Coach aus dem Ausland traut man dem DFB ohnehin nicht zu. Was gar nicht unbedingt nur am Verband liegen muss, sondern mindestens genauso an den Beharrungskräften in der Öffentlichkeit. Die Entscheidung von heute ist keine des Aufbruchs. Es ist eine Entscheidung des Weiter so. Was der Witz an all dem ist: Vielleicht ist es am Ende sogar die richtige Entscheidung gewesen."

"Kicker": "Jede andere Entscheidung, als weiter auf Löw zu setzen, hätte zu diesem Zeitpunkt letztlich ohnehin überrascht und sich aktionistisch ausgenommen. Denn eine Niederlage, mag sie mit 0:6 gegen Spanien noch so extrem deftig ausgefallen sein, kann nicht alles radikal verändern, wenn es ein überzeugtes Ja zu einem grundsätzlichen Konzept gibt. Und eben dieser "Weg der Erneuerung der Nationalmannschaft", so heißt es im DFB-Kommuniqué, solle ohne jede Einschränkung beibehalten werden. (...) Löw und seine Helfer haben nun ein Vierteljahr Zeit, um darüber nachzudenken. Unverhandelbar ist, dass die Nationalmannschaft und ihr Bundestrainer positive Ergebnisse präsentieren müssen, schnellstens, also schon vor und noch mehr bei der EM. Sonst ist die 2006 gestartete Ära des 2014 weltmeisterlichen Fußballlehrers Joachim Löw nach dem kontinentalen Endturnier 2021 vorbei."

Joachim Löw hat das Leistungsprinzip aufgeweicht

"Süddeutsche Zeitung": "Löw ist ein hoch verdienter Mann, er hat dem Land 2014 den ersten WM-Titel eines europäischen Teams in Südamerika geschenkt. Er hat auch jetzt den Umbruch eingeleitet, die EM-Qualifikation sauber zu Ende gebracht und die Klubs in der heiklen Coronazeit seriös ins Boot geholt. Dennoch wirkt seine Bestätigung im Amt auch ein wenig wie die Aufweichung des Leistungsprinzips. Bundestrainer ist kein Job auf Lebenszeit, auch er muss sich stets dem Wettbewerb stellen - und so muss der selbst etwas unsortierte DFB nun damit leben, dass ein Trainer mit schlechten Umfragewerten ein Team mit schlechten Umfragewerten coacht. Löw nimmt den Doppel-K.o. der WM 2018 und des 0:6 in Spanien mit ins Frühjahr."

"Sport1": "Und es ist die richtige und vor allem vernünftige Entscheidung. Er hat sich die EM als weiteren Prüfstein auch verdient. Trotz all der Negativ-Highlights seit dem WM-Debakel. (...) Die EM 2021 wird der ultimative Gradmesser für ihn. In der DFB-Pressemitteilung wird von der Erwartungen einer "begeisternden EM", von "erfolgreichen Spielen und Ergebnissen" geschrieben. Bleiben diese aus, ist für Löw ohnehin Schluss."

"Bild": "Die Entscheidung ist trotz der unbestrittenen Verdienste von Jogi Löw ein Armutszeugnis für den größten Verband der Welt und beweist einmal mehr die eklatante Führungsschwäche. (...) Auch die Nationalelf hat weniger ein Qualitäts-Problem, sondern viel mehr ein Trainer-Problem. Löw hat die 2. Chance leider vergeigt, die er nach der WM-Blamage zu Recht bekommen hat. Sein Kredit ist aufgebraucht. Er wirkte zuletzt müde, ratlos und reagierte auf Kritik abgehoben. Für einen gesichtswahrenden Rücktritt, mit dem er vorbildlich Verantwortung übernommen hätte, fehlte ihm offenbar die Kraft oder die Einsicht. Oder beides."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "An einem desaströsen Spiel sollte man einen Bundestrainer nicht messen. So versuchte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag seine Entscheidung für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Joachim Löw zu begründen. Und ließ dabei geflissentlich außer Acht, dass das erschütternde 0:6 gegen Spanien nicht der Grund, sondern der Anlass für die große Kritik am Weltmeister-Coach ist. An der Führungslosigkeit auf und neben dem Spielfeld ließen sich die großen, nun seit Jahren unübersehbaren Schwächen Löws exemplarisch erkennen. Ihm ist auch der zweite Umbau der Nationalmannschaft nicht gelungen. Er schaffte es nicht, den Widerstandsgeist der Mannschaft mit seiner Ansprache zu wecken noch mit taktischen Entscheidungen den Zusammenbruch zu verhindern."

tis

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