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Hoffenheim-Coach: Nagelsmann hat den Bayern-Code geknackt - aber könnte er München auch trainieren?

Julian Nagelsmann hat die Bayern zweimal in Folge geschlagen und er hat Hoffenheim in die Europa League geführt. Prompt wird er als künftiger Bayern-Coach gehandelt. Aber ist er schon so weit?

Julian Nagelsmann Bayern

Julian Nagelsmann vor dem Anpfiff gegen Bayern auf der Hoffenheimer Bank

Wie macht er das nur? Julian Nagelsmann, 30 Jahre alt, ist seit anderthalb Jahren Trainer in Hoffenheim - und hat schon viel erreicht. Erst rettete der die TSG vor dem Abstieg, in der vergangenen Saison führte er sein Team zurück in den internationalen Fußball und nun: Die letzten zwei Mal in Folge hat er sogar gegen die gewonnen, drei Mal hintereinander nicht verloren. Schon seit längerem wird er als zukünftiger Bayern-Coach gehandelt. Es kann gut sein, dass der Mann aus dem bayerischen Landsberg ab der nächsten Saison an der Säbener Straße trainiert.

Nagelsmann gilt als typischer Vertreter der modernen Trainer-Generation. Einer, der auf alles auf und neben dem Platz genau achtet. Dass er ein Meister in Taktik und Analyse ist, versteht sich von selbst. Aber ist der Mann schon so weit, dass er dann mit 31 Jahren einen der besten Klubs der Welt übernehmen kann? Wo steht der Trainer Nagelsmann aktuell?

Julian Nagelsmann überrascht von Bayerns Taktik

Am Samstag war der Hoffenheimer Trainer auf jeden Fall erst einmal überrascht vom Auftreten der Bayern. Ancelotti ließ und Franck Ribéry auf der Bank, Vidal fehlte nach seinem Einsatz für die chilenische Nationalelf ebenfalls. Doch auch mit einer stark veränderten Elf schürten die Bayern den Gegner in den ersten dreißig Minuten mit erdrückendem Pressing, präzisem Passspiel und perfekter Raumdeckung ein. Schon nach zehn Minuten reagierte Nagelsmann mit einer Taktikumstellung, die allerdings zunächst kaum Besserung brachte. Das Positive an der Hoffenheimer Leistung in dieser Phase war, dass sie sehr gut verteidigte und kaum Bayern-Chancen zuließ.

Der Führungstreffer fiel in der 27. Minute - nachdem Mats Hummels nach einen schnellen Einwurf der Gastgeber geschlafen hatte. Auch beim Treffer zum 2:0 nach der Pause, ebenfalls wieder durch den bestens aufgelegten Mark Uth, sah die Bayern-Abwehr nach einem verlorenen Zweikampf von Thomas Müller nicht gut aus. Was die Hoffenheimer in beiden Situationen auszeichnete, war ihre Kaltschnäuzigkeit und Effektivität. Viel mehr Chancen hatten sie nicht im Spiel. Die Bayern waren die meiste Zeit überlegen. Ihr Problem war, dass sie trotz ihrer Überlegenheit kaum Torchancen herausspielten.

Konstant hohes Niveau und wenig Fehler

Nagelsmanns Verdienst ist es, dass er eine Mannschaft geformt hat, die konstant auf ein hohem Niveau spielt und sich kaum Fehler leistet. Bieten sich Gelegenheiten wie gegen pomadige Bayern, schlägt seine Mannschaft zu. Gegen schwächere Gegner ist die TSG kreativ und ballsicher genug, um das Spiel zu dominieren. Gegen stärkere Gegner setzt Nagelsmann auf das Prinzip Nadelstiche. Das hat bislang gut funktioniert.

Dass Nagelsmann ein junger Trainer ist, dem es noch an Erfahrung mangelt, und der längst nicht am Ende seiner Entwicklung ist, haben hingegen die Spiele in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Liverpool gezeigt. Mit demonstrativen Selbstbewusstsein waren die Hoffenheimer in die beiden Partien gegangen. Im Hinspiel dominierten sie tatsächlich. Doch am Ende gewann Liverpool in mit 2:1. Nagelsmanns Team erging es an diesem Abend so wie den Bayern am Samstag.

Lehrstunde gegen Liverpool

Trotz der Fehler in der Defensive waren nach der Niederlage selbstbewusste Töne zu hören, obwohl eine Heimpleite im Europa-Pokal naturgemäß schwer umzubiegen ist. Man bekam den Eindruck, dass sie sich in Hoffenheim ein wenig größer fühlten, als sie es sind.


Dass Rückspiel bestätigte die Einschätzung: führte Hoffenheim vor. Nach furiosen 30 Minuten Power-Angriffsfußball in bester Klopp-Manier und drei Toren war die Partie entschieden. Hoffenheim wirkte an der Anfield Road auf der großen Bühne Champions League überfordert. Vielleicht hatte der junge Trainer sein Team zu stark geredet. Die Niederlage war eine herbe Enttäuschung - das war Nagelsmann anzumerken: "Wir haben in keiner Sekunde das gemacht, was wir geplant hatten. So war es früh entschieden," gab der Coach zu.  

Da hatte ein junger, begabter Trainer von einem erfahreneren Coach eine Lehrstunde erhalten, die sich gewaschen hatte. Hoffenheim und Nagelsmann fielen nach der großartigen Saison mit Platz vier aus allen Champions-League-Träumen. Jetzt starten sie ein Etage tiefer:  In der Europa Legaue heißt der Gegner am Donnerstag Sporting Braga. und seine Mannschaft nehmen den Wettbewerb hoffentlich ernst. Dann werden sie es weit bringen.

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