Klose-Krise Meister-Junge trifft, Sorgenkind spielt


Sechs Tore haben die deutschen Spieler gegen San Marino geschossen, keiner der Treffer ging auf das Konto von Miroslav Klose. Trotzdem lässt Jogi Löw den derzeit gehemmten und gelähmten WM-Torschützenkönig auch am kommenden Mittwoch gegen die Slowakei auflaufen.

Unmittelbar nach der schwachen und torlosen Vorstellung gegen die Fußball-Nobodys aus San Marino stellte Bundestrainer Joachim Löw dem kriselnden Miroslav Klose eine Einsatzgarantie aus. "Er spielt von Anfang an", sagte der Bundestrainer und versuchte die alle im Team nervenden Fragen über die Formschwäche des WM-Torschützenkönigs zu beenden. Gegen die Slowakei erhält Klose am Mittwoch erneut den Vorzug vor Doppel-Torschütze Mario Gomez. Doch beendet sind die Diskussionen um Deutschlands Angreifer Nummer eins erst dann, wenn seine sportliche Zukunft geklärt ist und wenn er wieder trifft.

Enttäuschung bei Klose

"Wenn man 6:0 gewinnt und kein Tor macht ist es klar, dass man als Stürmer ein bisschen verärgert ist", erklärte ein enttäuschter Klose. Er weiß, was ihm am meisten fehlt: "Ich bin Stürmer: Tore." Gegen San Marino nutzte er beste Möglichkeiten nicht, doch demonstrativ ließ Löw seinen Führungsspieler über 90 Minuten auf dem Platz; Balsam für die geschundene Seele des Bremers. "Das habe ich gebraucht, mal wieder 90 Minuten zu proben", gestand der 28-Jährige, der am Ende der Nach-WM-Saison einen sehr betrübten Eindruck macht. Ganz anders als Aufsteiger Gomez, der nach zwei Länderspielen drei Tore auf seinem Konto hat. «Ich hatte schon viel Selbstvertrauen nach dieser Saison, jetzt habe ich noch mehr», sagte der Angreifer von Meister Stuttgart, den selbst eine lange Verletzungspause nicht aus dem Tritt brachte.

"Ich bin froh, dass ich Waffen wie Gomez und Helmes in der Hinterhand habe", sagte Löw, der sicher ist, dass Klose bald wieder zum Scharf(tor)schützen wird. Es wäre so wichtig für den Bremer, am Mittwoch mit einem Erfolgserlebnis und mit Klarheit über seinen Arbeitgeber in der neuen Saison in die Sommerpause zu gehen. «Es ist noch nichts entschieden», verriet Löw nach einem intensiven Gespräch mit dem Familienvater. Klose, dessen Wechsel zum FC Bayern in diesem Sommer weiter Thema ist, könnte Werder 2008 ablösefrei verlassen. Bei einem vorzeitigen Abschied könnten die Hanseaten noch eine fette Ablöse einstreichen.

Millionen-Poker läuft

Bayern hat Interesse, Bremen ist einem Wechsel auch nicht mehr abgeneigt - der Millionen-Poker läuft und belastet augenscheinlich den sensiblen Angreifer. "Ich weiß selber wie das ist, wenn man sich Gedanken über andere Sachen macht, die wichtiger sind", sagte der deutsche Torschütze vom Dienst, Kevin Kuranyi, und plauderte möglicherweise Kabinen-Interna aus. "Die Situation in Bremen ist schwer. Deswegen wird er bestimmt versuchen, den Verein zu wechseln."

Klose selbst schweigt zu den Wechsel-Gerüchten. "Nächste Frage", "Falscher Ansprechpartner" - lauten seine stereotypen Aussagen zu dem so brisanten Thema, das viele nervt. "An Miros Stelle würde ich mich ganz klar zu allen Dingen äußern, dann wäre alles vom Tisch", sagte Club- und Nationalmannschaftskollege Torsten Frings. "Wir können ihn zwar super gebrauchen, aber nach dem ganzen Theater um seinen Wechsel denke ich nicht, dass er unbedingt weiter für Werder spielen möchte. Wenn das so ist, dann soll er halt gehen."

Gomez ist "geil" auf Tore

Während die Klose-Krise andauert, trifft Kuranyi munter weiter und Jungspund Gomez ist sowieso "geil" auf Fußballspielen. "Es ist zur Zeit so, dass mir die Bälle auf den Fuß fallen", sagte der 21 Jahre alte Stuttgarter, der sich klaglos in die Rolle des Bankdrückers fügt. "Ich habe zwei Spiele gemacht, Miro spielt schon sieben Jahre auf höchstem Niveau für Deutschland. Da gibt es nichts zu rütteln."

Christian Kunz und Jens Mende/DPA DPA

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