Knie-Operation Deislers WM-Traum brutal geplatzt


Sebastian Deisler kann wegen einer Knorpelverletzung am Knie nicht an der Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Bayern-Manager Hoeneß sprach von einem "Riesenschock".

Sebastian Deislers Kindheitstraum von der Fußball-Weltmeisterschaft ist zum zweiten Mal brutal geplatzt. Eine Knorpelverletzung am rechten Knie setzt die unfassbare Leidensgeschichte des Nationalspielers vom FC Bayern München fort und zwingt ihn zu einer Pause von sechs Monaten. "Das ist ein Riesenschock für uns alle, für den FC Bayern sowie die Nationalmannschaft ein Riesenverlust", klagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Für Deisler, der schon die WM vor vier Jahren wegen einer Knieverletzung verpasst hatte, ist es die insgesamt fünfte schwere Verletzung an diesem Gelenk und gefährdet einmal mehr seine Karriere.

Was mit einem harmlosen Trainingszweikampf am Dienstag in München begann, endete am Wochenende in Vail mit der niederschmetternden Diagnose "Knorpelabsprengung am rechten Knie". Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Sonntag mitteilte, ist Deisler schon vom Kniespezialisten Richard Steadman in den USA operiert worden. Nach Auskunft von Nationalmannschafts- und Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verlief der Eingriff ohne Komplikationen. Deislers Vater leistete seinem Sohn in den USA Beistand. In der nächsten Woche soll der 26 Jahre alte Fußball-Profi nach München zurückkehren.

Klinsmann: "Handicap für die Nationalmannschaft"

Betroffenheit herrschte beim FC Bayern und der Nationalmannschaft, in der der 36-malige Auswahlspieler (3 Tore) bei der Heim-WM eine wichtige Rolle spielen sollte. "Das tut uns unglaublich leid für Sebastian. Der Verlust ist ein großes Handicap für die Nationalmannschaft", sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Assistenztrainer Joachim Löw war schockiert: "Das ist tragisch für ihn."

Fünf Mal hatte sich Deisler schwere Verletzungen am rechten Knie zugezogen, sechs Mal war er dort operiert worden. Die bis zum neuen Unfall letzten Eingriffe rührten aus einem Vorfall am 18. Mai 2002. Im letzten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft vor der WM in Südkorea und Japan verletzte er sich gegen Österreich (6:2). Zwei Mal musste Deisler deshalb operiert werden, schon damals war vom drohenden Karriereende die Rede.

Eindrucksvoll hatte sich Deisler, den auch schon jede Menge leichtere Verletzungen plagten, wieder in die Nationalmannschaft und in das Team des FC Bayern gekämpft, ehe ihn Depressionen erneut zurückwarfen. Im Herbst 2003 war er mehrere Wochen zur Behandlung im Max-Planck-Institut in München, im Oktober 2004 reiste er vor dem Champions-League-Spiel aus Turin vorzeitig ab.

Hoffnung auf Südafrika

Mehrfach betonte Deisler den für ihn herausragenden Stellenwert einer WM im eigenen Land. Nach nun zwei gescheiterten Teilnahmen bleibt dem Mittelfeldakteur praktisch nur noch die Hoffnung auf das Turnier 2010 in Südafrika.

Nationalmannschaftskollege Christoph Metzelder, selbst vom Verletzungspech verfolgt, konnte besonders gut mitfühlen. "Es ist tragisch, dass es ausgerechnet Basti trifft. Wir beiden saßen bei der Nationalmannschaft oft zusammen und haben uns dabei gesagt, schlimmer kann es für uns nicht mehr kommen", drückte der Defensivspieler sein Bedauern aus.

In einem Telefonat versuchte Bayern-Trainer Felix Magath Deisler aufzubauen. "Ich habe kurz mit ihm gesprochen und gesagt: Kopf hoch. Aber er ist natürlich sehr geknickt und muss die Nachricht erst einmal verarbeiten", erklärte der Trainer auf der Vereins- Internetseite "fcb.de".

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker