Kommentar Lachnummer in Europa


92 Tage vor Beginn der WM steht der deutsche Fußball vor dem Exitus. Und das nicht nur wegen Klinsmann. Ausgerechnet das Flaggschiff der Bundesliga hat das Ansehen des Gastgeberlandes nun weiter beschädigt.
Von Klaus Bellstedt

Schluss, aus, vorbei: Der deutsche Fußball ist nach dem peinlichen Ausscheiden der Bayern auf höchster europäischer Ebene ab sofort nicht mehr existent. Weggewischt von Italienern, einfach ausradiert nach dem Motto: "Bundesliga? Nie gehört, war das nicht die höchste dänische Spielklasse?" So unbedeutend waren wir schon lange nicht mehr. Und das 92 Tage vor Beginn der WM im eigenen Land. Gute Nacht Deutschland!

Wir wussten, dass die Schande von Florenz kein Ausrutscher war, wir schimpfen deshalb auf den Bundestrainer und sein Team noch heute, eine Woche nach der 1:4-Pleite im wichtigen Testspiel gegen Italien. Nicht nur weil die Bayern jetzt mit dem gleichen Ergebnis gegen den AC Milan verloren haben, sondern auch, weil sie eine beinahe identisch-unterirdische Leistung ablieferten, müssen wir den Prügelsack jetzt wieder öffnen. Jener Sack, in dem schon alle "Klinsmänner" stecken, kann guten Gewissens weiter aufgefüllt werden. Rein mit den Sagnols und Ismaels, den Makaays und Ballacks (pardon, der steckte ja schon drin). Und dann? Sie wissen schon... es trifft immer den Richtigen.

Rumpeln im Kollektiv

Bei den grün-weißen Champions-League-Ausscheidern von der Weser verhält es sich anders als beim Rekordmeister: Werder muss man ein Kompliment für die Vorstellung gegen Juventus Turin machen. Das Team ist letztlich auch unglücklich ausgeschieden. Aber die Bayern, sie haben sich blamiert, so wie die Bremer vor einem Jahr beim 2:7 gegen Olympique Lyon. Für Werder Bremen war damals das Erreichen des Achtelfinales schon ein Erfolg und die Rekordpleite alsbald abgebucht.

Die Mannschaft von Felix Magath, (der bei der Analyse der 1:4-Niederlage übrigens jeglichen Realitätssinn vermissen ließ), wollte indes in diesem Jahr zeigen, dass sie eine ganz große Nummer in Europa ist. Im Vorfeld wurde oft schon vom Champions-League-Sieg gesprochen. Das Team sei eigentlich besser als jenes, das 2001 die "Königsklasse" gewann, hieß es. Mitnichten! Der FCB rumpelte im Kollektiv gegen ein keineswegs meisterliches Milan ins Verderben.

Das Wohl des deutschen Fußballs

Eigentlich sind in diesen Alles-oder-Nichts-Matches die "Alpha-Männchen" gefragt. Auf sie kommt es dann besonders an. Oliver Kahn konnte einem hinter dieser Schülermannschaft-Defensive Leid tun. Und Michael Ballack? Die Begegnung im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion offenbarte zum wiederholten Mal: Ab einem bestimmten Level versagen seine Führungsspielerqualitäten. Ballack ist kein Spieler von Weltklasseformat. Das steht allerdings nicht erst seit dem 1:4 fest.

Der von Oliver Kahn beschworene "Geist von Mailand" wurde am Mittwochabend zum "Rohrkrepierer von San Siro". Und die Bayern müssen jetzt zur Strafe dem HSV und Schalke 04 im Uefa-Cup in ihren hochattraktiven Spielen gegen Rapid Bukarest sowie US Citta di Palermo die Daumen drücken. Es geht schließlich um das Wohl des deutschen Fußballs.


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