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Kommentar zum Hoeneß-Rückzug: Bei Bayern entsteht ein großes Vakuum

Uli Hoeneß tritt von allen Ämtern beim FC Bayern zurück. Der sportlichen Erfolgsmaschine Bayern München kann das erstmal nichts anhaben. Doch langfristig droht ein Vakuum.

Ein Kommentar von Felix Haas

Nein, da muss man Fans und Spieler der übrigen 17 Bundesligisten enttäuschen: Der FC Bayern München bekommt keine Punkte abgezogen. Er wird auch nicht in eine andere Liga strafversetzt. Das Titelrennen der Bundesliga bleibt nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß genauso langweilig wie an den bisherigen 24 Spieltagen dieser Saison. Es ist "lediglich" der Präsident, der ins Gefängnis muss - nicht Philipp Lahm, Franck Ribery oder Trainer Pep Guardiola. Die Konkurrenz sollte sich erst gar keine Hoffnungen machen. Kurzfristig wird die Bayern-Maschine einfach weiterlaufen – Hoeneß-Urteil hin oder her.

Allerdings erfährt Hoeneß gerade am eigenen Leib, was es bedeutet, hoch zu fliegen und tief zu fallen. Und auch der FC Bayern steigert mit jedem Sieg seine Fallhöhe. Eine Saison ohne Niederlage? Verteidigung des Champions-League-Triumphs? Sportlich alles nie dagewesen. Für die derzeitige Bayern-Mannschaft aber absolut möglich. Wenn nun Hoeneß, der Patron, der Macher, nach dem Rücktritt vom Präsidentenamt nur noch von außen zuschaut, droht dann nicht doch auch dem FC Bayern ein tiefer Fall?

Vertragsverlängerungen stehen an

Es reicht ein Blick auf die Vertragsdaten im Kader, um zu erkennen, dass nicht alles von selbst laufen wird beim Triple-Sieger. In naher Zukunft stehen entscheidende Vertragsverhandlungen an. Lahm? Neuer? Schweinsteiger? Guardiola? Haben alle bis 2016 unterschrieben. Schon ab der kommenden Saison werden vermutlich erste Gespräche nötig. Wegweisende Entscheidungen sind gefragt.

Uli Hoeneß hat sein Erbe bereits geregelt. Matthias Sammer führt sportlich Regie. Karl-Heinz-Rummenigge ist Vorstands-Boss. Beide Positionen sind exzellent besetzt. Und doch: Die Gefahr ist groß, dass Hoeneß langfristig ein Vakuum hinterlässt.

Hoeneß personifiziert den Verein, er war bis zuletzt an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt. Hoeneß war es, der Guardiola davon überzeugte, die Trainingshütchen an der Säbener Straße aufzustellen und nicht in Manchester. Noch im Februar tütete Hoeneß einen 110-Millionen-Euro Deal mit der Allianz ein. "Jetzt ist der Verein ganz oben", sagte er danach. Wenn es ernst wurde, kümmerte sich Hoeneß eben selbst.

Hoeneß im Hintergrund

Was also passiert, wenn sich Guardiola in zwei Jahren dazu entscheiden sollte, wie nach seiner Zeit bei Barcelona ein Sabbatjahr einzulegen? Dann kann Hoeneß nicht einfach im Restaurant auftauchen, einen Wein mit Guardiola trinken und ihn vom Gegenteil überzeugen. Das müssen dann Sammer und Rummenigge alleine regeln. Hoeneß bleibt nur die Option im Hintergrund zu wirken, zu beraten, Entscheidungen zu beeinflussen. Verantwortlich kann er nicht mehr sein.

Die Fans werden ihrem Präsidenten als erfolgreichem Clubboss nachtrauern. Doch große Sorgen müssen sie sich auch nicht machen. Hoeneß hinterlässt den besten FC Bayern, den es je gab. Die Fallhöhe mag enorm sein. Aber so tief fallen wie der Präsident kann der Club nicht. Selbst wenn die ein oder andere Vertragsverhandlung stocken sollte: Eine Durststrecke ohne Titel müssen die Bayern bis auf weiteres nicht fürchten. Dazu läuft die Bayern-Maschine dann doch zu gut – auch ohne Hoeneß.

Ein Kommentar von Felix Haas

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