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Länderspiel in Wolfsburg: Rassistische Ausfälle gegen Sané beim Länderspiel – Fan schildert Szenen mit Tränen in den Augen

Beim Länderspiel der DFB-Elf gegen Serbien soll Leroy Sané rassistisch beleidigt worden sein. Basketball-Journalist und Podcaster André Voigt hat das schlimme Erlebnis in einem Facebook-Video geschildert.

Leroy Sané

Leroy Sané debütierte im November 2015 in der deutschen Nationalmannschaft

Getty Images

Nationalspieler Leroy Sané wurde während des Länderspiels gegen Serbien offenbar von einzelnen Zuschauern rassistisch beleidigt. Der Basketball-Journalist André Voigt hat im Stadion in der Nähe dieser Zuschauer gesessen und in einem bewegenden Video auf Facebook geschildert, wie er die Szenen erlebt hat. 

"Hinter uns saßen – und das ist ja beim Fußball öfter so, dass man Leute hat, die nicht wegen Fußball, sondern wegen Getränken dahinkommen – drei Jungs, die waren gut dabei, haben in der ersten Halbzeit einfach viel Scheiße erzählt. Man hat im ganzen Block gemerkt, dass es rumort und keiner Bock auf die hatte. In der zweiten Halbzeit ging es dann in eine ziemlich kranke Richtung. Wenn Leroy Sané am Ball war, war vom Neger die Rede. Gündogan war auf einmal der Türke. Aber immer wieder Neger, Neger, Neger", schildert Voigt, der mit seiner Familie im Stadion war, die Situation. "Irgendwann habe ich mich dann umgedreht und gefragt, ob eigentlich alle drei Rassisten seien oder nur der eine, der die ganze Zeit Neger sagt." 

Achtung kein Basketball: Ich könnte kotzen.

Gepostet von André "Dré" Voigt am Mittwoch, 20. März 2019

Voigt, der unter anderem Chefredakteur des Basketball-Magazins "Five" ist, erzählt weiter: "Das Krasse war (...) vor allem dieses totale Fallenlassen jeglicher Menschlichkeit. Auf einmal war es hinter mir wie auf einem AfD-Parteitag. Da ging es dann los mit: 'Unsere Frauen werden vergewaltigt und das ist okay für einen wie Dich. Beim G20-Gipfel brennen die Autos und das ist okay für Dich.'"

Auch Nachfrage des stern erklärte Voigt, dass er solche Szenen zuvor noch nicht miterleben musste: "In diesem Maße noch nicht. Natürlich gibt es solche Sprüche immer mal wieder zu hören, aber so massiv noch nie. Das hatte eine neue Qualität." 

Während der Journalist die Szenen in seinem Video schilderte, wurde er immer emotionaler. Und erzählt weiter: "Keiner hat in diesem Block was gesagt und es ging weiter mit 'Heil Hitler' und so. Das hat sich durchgezogen bis das Spiel vorbei war. Und Du sitzt da mit Deiner zweijährigen Tochter und fragst Dich: 'Wo geht das hin? Und warum sagt keine Sau irgendwas?' Das schockt mich fast noch mehr, als dass es solche Idioten gibt."

Dem stern gegenüber führte Voigt die Situation noch weiter aus: "Es herrschte Schweigen. Erst gegen Ende der Partie gab es mal ein 'Haltet doch endlich mal das Maul und schaut das Spiel' - aber das bezog sich nicht auf das, was gesagt wurde, sondern auf die 90 Minuten Dauerbeschallung. Zwischendurch gab es dann auch Zuspruch für die Aussage, dass ja einiges schief läuft, wenn man nicht mal mehr 'Ziegeunerschnitzel' sagen darf." 

Video endet mit einem Appell an die Zuschauer

Am Ende seines Videos kann Voigt die Tränen nicht mehr zurückhalten und appelliert an seine Zuschauer: "Wenn Ihr so etwas erlebt, sagt einfach was. Wenn nie einer was sagt, geht das immer so weiter." Innerhalb von zwölf Stunden sahen den Clip auf Facebook 50.000 Menschen, er sammelte über 2000 Reactions und wurde 800 Mal geteilt. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass er "nur" gut 13.000 Facebook-Follower hat.

"Und jetzt kommt der Hass", schrieb Voigt am Donnerstagnachmittag, nachdem ihn offenbar einige erzürnte Nachrichten erreicht haben. Doch Fakt ist: Das Echo auf seinen Auftritt ist überwiegend positiv. Viele Nutzer, auch auf Twitter, bedankten sich für seine Zivilcourage und brachten ihre Fassungslosigkeit über die rassistischen Beschimpfungen zum Ausdruck.

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