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DFB-Pressekonferenz Löw zu Rücktritt: "Ist der richtige Zeitpunkt, den Stab weiterzugeben"

Joachim Löw in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt
Joachim Löw in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt
© Arne Dedert / DPA
Auf einer Pressekonferenz hat Bundestrainer Joachim Löw seine Beweggründe für den Rücktritt nach der EM 2021 erklärt. Mit von der Partie waren Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Fritz Keller, die über die Suche nach einem Nachfolger informierten.

Es war der erste öffentliche Auftritt von Bundestrainer Joachim Löw nach seiner Ankündigung, nach der Europameisterschaft im Sommer zurückzutreten: Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt (ab 13.30 Uhr) sprach der 61-Jährige über die Hintergründe der Entscheidung. Mit dabei waren DFB-Direktor Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Fritz Keller. 

Der nach der WM-Pleite 2018, einer weiteren Ernüchterung bei der Premiere der Nations League und natürlich vor allem nach dem jüngsten 0:6-Desaster gegen Spanien arg angeschlagene Löw hat mit seinem angekündigten Abschied nach der Euro im Sommer überrascht – und den DFB unter Zugzwang gesetzt. Der Verband bekam das postwendend zu spüren: Jürgen Klopp als Nachfolgekandidat Nummer eins, den sich viele Fans wünschen würden, erneuerte seine Absage.

Die wichtigsten Aussagen:

Fritz Keller: "Joachim Löw läutet mit seiner Entscheidung eine neue Ära ein. Ich bin der Meinung: zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin tief dankbar". Keller betont, wie wichtig es ist, dass Löw mit seiner Entscheidung dem DFB viel Zeit lässt, um einen Nachfolger zu finden: "Wir haben alle Zeit der Welt, das ist eine sehr gute Situation für uns." Keller glaubt fest, dass Löw eine "großartige" EM spielen werden, zumal der angekündigte Rücktritt bei den Spielern "einen Kick" auslösen werde.

Joachim Löw: "15 Jahre als Bundestrainer sind natürlich eine lange Zeit im schnelllebigen Fußballgeschäft. Ich persönlich bin sehr dankbar für diese Zeit und gegenüber meinem Arbeitgeber. Ich hatte immer das Vertrauen und die Rückendeckung. Ich bin den Menschen dankbar, die ich immer um mich herum hatte. Wir waren immer füreinander da". Mit diesen Worten leitet Löw seine Erklärung ein. Er sei "stolz" auf die gemeinsamen Erfolge: "Wir haben viele tolle Momente gehabt". 

Die Niederlage gegen Spanien sei nicht der Grund für die Abschiedsankündigung gewesen: " Im letzten Jahr, schon unabhängig von dem Spanien-Spiel, in der Zeit der Pandemie hatte man Zeit zum Nachdenken“, sagte Löw. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass "für mich persönlich, jetzt nach dem Sommer und der EM der richtige Zeitpunkt ist, den Stab weiterzugeben". Die Entscheidung sei vor wenigen Woche gefallen.

Den von ihm eingeleiteten Personalumbruch in der Fußball-Nationalmannschaft verteidigt Löw, unabhängig von seiner Person. "Ich habe immer gesagt, die Mannschaft braucht Zeit und Raum. Das soll nicht daran scheitern, dass der Trainer auf seinem Stuhl klebt“, sagte Löw. Sein Nachfolger müsse ausreichend Zeit haben, die Aufgabe Richtung 2024 anzugehen. "Es ist eine Zeit der Erneuerung und der Veränderung und der Bewegung", sagt Löw. Ein Heimturnier könne wie bei der WM 2006 im ganzen Land viel "erzeugen und bewegen."

Oliver Bierhoff: "Die Nachricht hat mich wie ein Blitz getroffen", sagt der Nationalmannschaftsdirektor. Bierhoff nennt die Zusammenarbeit in den vergangenen 15 Jahren "sehr vertrauensvoll", man habe immer "sehr offen miteinander gesprochen". Das sei "unsere Stärke" gewesen. Bierhoff sagt ausdrücklich, dass er weiterhin an die Fähigkeiten des Trainer glaube: "Er wäre auch der Richtige gewesen."

Zu kommenden Abschied: "Jogi zu feiern, da wird nicht ein Abend reichen oder eine Grußrede."

Zur Nachfolge: "Wir haben absolut keine Zeitnot. Es ist eine wichtige Entscheidung. Wir werden uns die Zeit nehmen, die notwendig ist. Wir werden uns diese Entscheidungen gut durchdacht überlegen. (...) Man hatte einen solchen Fall immer im Hinterkopf. Man war in den letzten Monaten nicht immer tatenlos. Jetzt geht es ans Eingemachte", sagte Bierhoff.

"Wir haben das Glück, dass wir in Deutschland gute Trainer haben, wir haben gute deutsche Trainer auch im Ausland, und wir haben gute Trainer im DFB." Er werde aber in nächster Zeit keine Kandidaten kommentieren oder Zwischenstandsmeldungen zu geben, sagte Bierhoff. "Wir werden unsere Entscheidung nicht nach Umfragewerten treffen." Ausgeschlossen wurde von Bierhoff, dass man erstmals in der DFB-Geschichte einen ausländischen Trainer engagieren werde. "Ich sehe die Chancen als gering, was ich auf dem Markt sehe“, sagte Bierhoff. Man sollte unter diesen Umständen "einen deutschen Trainer haben".

tis, mit DPA

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