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Maik Franz im Interview: "Ich ignoriere Mario Gomez"

Eintracht Frankfurt will sich im DFB-Pokal gegen den FC Bayern (ab 20.30 Uhr im stern.de-Liveticker) für die knappe Niederlage in der Liga revanchieren. Im Interview spricht Frankfurts Abwehr-Raubein Maik Franz über Bayern-Schwalben, seinen "Intimus" Mario Gomez und sein Rüpel-Image.

Haben Sie die Niederlage in München schon verdaut?
Sie war extrem ärgerlich, auch weil Schiedsrichter Drees nach unserem 1:0 Alex Meier auf dem Weg zum 2:0 zurückgepfiffen hat - obwohl das kein Abseits war. Aber insgesamt hat Bayern verdient gewonnen.

Sie persönlich haben bis zum 2:1-Siegtor von Daniel van Buyten sehr gut gespielt.
Ja, da stand ich einen Schritt zu weit weg. Aber du kannst dich nicht nur auf ihn konzentrieren, weil die Bayern noch andere Spieler haben, die die entscheidende Situation fahren können. Unser Vorstandschef Heribert Bruchhagen hat das gut gesagt: dass überall nur von van Gaal gesprochen wird und wie toll er das gemacht hat. Aber kein Wort wird darüber verloren, dass der Schiri bei Meier die entscheidende Situation falsch gesehen hat. Obwohl wir die schlechtere Mannschaft waren, hätten wir in München gewinnen können - und dann hätte keiner gesagt, super van Gaal, sondern alle super Frankfurt, und bei Bayern hätte der Baum gebrannt.

Sie hatten mal wieder Streit, diesmal mit Thomas Müller.
Ich habe ihm gesagt, dass er seine Schwalben lassen soll. Er hat eine große Zukunft vor sich, aber da hat er eine Seite gezeigt, die er nicht nötig hat.

Sie sind auch kein Unschuldslamm und haben sich vor 18 Monaten im KSC-Dress mit dem damaligen Stuttgarter Mario Gomez gezofft. Haben Sie sich mit ihm, der Sie wegen Ihres harten Einsteigens "Arschloch" nannte, ausgesprochen?
Nein, er ignoriert mich, ich ignoriere ihn. Ich habe mir da nichts vorzuwerfen. Der Einzige, der was dazu hätte sagen können, wäre er gewesen. Das hat er nicht. Das Thema ist abgehakt. Er ist ein sehr guter Stürmer ...

... auf den Sie am Mittwoch direkt treffen könnten, weil Sie wohl wieder Innen verteidigen.
Das kann passieren, und ich würde mich darauf freuen, weil es schön ist, wenn man sich mit guten Spielern messen kann. Gegen Gomez zu spielen wäre ein schönes Duell, bei dem es bestimmt auch richtig zur Sache gehen wird.

Hat Ihnen die Geschichte mit Gomez geschadet?
Das war schon extrem. Vor allem für mein Umfeld. So bekam meine Mutter, sie ist Lehrerin, in der Schule gesagt, sie solle mal ihren Sohn erziehen. Und ich habe wegen der Sache mein Image weg. Mittlerweile finde ich das gar nicht so verkehrt. Durch so eine Situation kann man reifen. Es hat mich als Fußballer weitergebracht.

Sie kokettieren auch mit Ihrem Image als Raubein und sind auf Ihrer Homepage unter www.iron-maik.de zu erreichen - dem Spitznamen, den Ihnen die KSC-Fans gegeben haben.
Ist doch witzig. Wenn man schon in so eine Richtung gedrängt wird, kann man das ja auch für sich nutzen. Ich bin stolz, dass ich neun Jahre Profi bin. Es gibt Zauberer und Schönspieler, aber auch Kämpfer wie Bayern-Kapitän Mark van Bommel. Der führt die Mannschaft und hat eine ganz andere Ausstrahlung. Es ist für die Teams wichtig, solche Spieler zu haben.

Wie würden Sie Ihre Spielweise beschreiben?
Aggressiv, denn ich bin Verteidiger. Außer Per Mertesacker und Serdar Tasci sowie früher Franz Beckenbauer gibt es in Deutschland keine Abwehrleute, die alles spielerisch lösen. Muss man sich denn für seine aggressive Spielweise rechtfertigen? Ich versuche auch, durch emotionale Gesten aufzurütteln. Wegen dieser Spielweise hat mich Frankfurt verpflichtet. Auch der HSV, Köln und Hannover waren an mir interessiert.

Trauern Sie einem Engagement beim Titelaspiranten aus Hamburg nicht nach?
Nein, ich bin rundum zufrieden. Vielleicht hätte ich in Hamburg ja nur auf der Bank gehockt. Frankfurt hatte sich schon unter Ex-Coach Friedhelm Funkel sehr um mich bemüht. Ich fand das cool, weil ich zu einem Traditionsverein wollte. In Karlsruhe hatte ich gemerkt, wie schön es sein kann, wenn in der Stadt Fußball gelebt wird.

Wie groß sind die Chancen, die Bayern zu schlagen?
Da geht was. Bayern ist zwar Favorit, aber wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wir sind definitiv eine gute Mannschaft. Das wird kein Spaziergang für die Bayern werden. Dass sie zu schlagen sind, haben Mainz, der HSV und Bordeaux gezeigt.

Das Interview haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden. Es führte Jürgen Heide.

FTD

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