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Arsenal-Star in Topform: Der beste Özil, den es je gab

Jahrelang war Mesut Özil ein begnadeter Fußballer, den in regelmäßigen Abständen eine seltsame Lethargie erfasste. Inzwischen hat er sich zu einem Spieler entwickelt, an dem sich eine ganze Mannschaft aufrichtet. Jüngster Beleg: Sein Traumtor gegen Rasgrad.

Mesut Özil

Mesut Özil nach seinem Tor für Arsenal London in der Champions League gegen Razgrad

Die spanische Sportzeitung "Marca" geizt selten mit Superlativen, aber wenn sie von einem "der besten Tore der Champions-League-Geschichte"schreibt, muss schon was Besonderes passiert sein. Und besonders war Mesut Özils Siegtor für den FC Arsenal gegen Ludogorez Rasgrad ohne Frage: Wie er Keeper Borjan überlupfte, noch zwei Verteidiger so schwindelig spielte, dass es an Jay-Jay Okochas legendären Treffer gegen Oliver Kahn erinnerte, und wie er schließlich lässig zum 3:2 einschob und damit den hart erarbeiteten Sieg der "Gunners" sicherte - das war fußballerische Magie, gepaart mit Führungskraft und Siegeswille.

Spätestens seit dieser Saison sehen wir einen neuen Özil. Es lässt sich nicht anders sagen: Er ist erwachsen geworden. Er übernimmt Verantwortung, reißt seine jüngeren Teamkollegen mit. Mit 28 Jahren sehen wir den besten Özil, den es je gab. Das größte Talent seiner Generation war zeit seiner Karriere ein Versprechen, das aber allzu oft von einer seltsamen Lethargie erfasst wurde und in Melancholie zu versinken drohte. Noch bei der WM 2014 gehörte Özil zu den wenigen Problemfällen in der deutschen Mannschaft und musste mit viel Vertrauen von Bundestrainer Joachim Löw und der Unterstützung seiner Mitspieler durchs Turnier geschleift werden.

Mesut Özil spielt jetzt wie ein richtiger Mann

In London galt Özil lange als überragender Vorlagengeber, der jedoch regelmäßig abtaucht, wenn es ernst wird. Dieses Image gehört inzwischen der Vergangenheit an, und das hat er sich eindrucksvoll erarbeitet. Er hat seine Ernährung umgestellt, das Training optimiert und etwas Gewicht verloren.

Wettbewerbsübergreifend hat Arsenal die letzten sieben Spiele gewonnen, angeführt von einem Özil mit ganz breiter Brust. Der schüchterne, verspielte Junge von einst spielt jetzt wie ein richtiger Mann. Davon zeugte schon seit Hattrick im Hinspiel gegen Rasgrad, davon zeugt auch sein gestriges Siegtor und die Vorlage zum Ausgleich - davon zeugt aber vor allem die neue Konsequenz in seinem Spiel, die Özil aber in gewohnter Bescheidenheit nicht zum Thema macht: Nach seinem Dreierpack gegen Rasgrad lobte er über Twitter lieber die "brillante Teamleistung" beim 6:0. Ohnehin redet Özil lieber nicht über seine Entwicklung, sondern lässt die starken Leistungen für sich sprechen - bemerkenswert für einen Superstar, der in der Vergangenheit oft als Sündenbock für bittere Niederlagen herhalten musste.

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Coach Arsène Wenger ist einer der größten Özil-Fans und einer seiner größten Kritiker. Manchmal tut er deshalb starke Leistungen seines Mittelfeldstrategen als Selbstverständlichkeit ab. Immer wieder hat Wenger in der Vergangenheit zudem mehr Torschüsse von Özil gefordert. Dies scheint er endlich beherzigt zu haben, denn in den letzten Wochen trifft er, wie er will.

Auch das Siegtor gegen Rasgrad sah Wenger erst skeptisch: "Bei seinem Tor dachte ich zunächst nicht, dass er die optimale Entscheidung trifft, weil er den Ball schon eher hätte ins Tor schießen können. Doch als der Ball im Netz war, wusste ich: Ja, das war die optimale Entscheidung." Die trockene Einsicht der Trainerlegende: "Spieler wie Özil treffen immer die richtige Entscheidung."

Den Wert für die Mannschaft immens gesteigert

Dessen ist sich Özil selbst so bewusst wie nie. Der "kreativste Spieler der Premier League" (Sky News) war in seinen Aktionen nie selbstbewusster als heute. "Er bringt Dinge im Spiel jetzt zu Ende“, lobt Arsene Wenger. "Was er seinem Spiel hinzugefügt hat, sind die Läufe in den Sechzehner." Seinen Wert für die Mannschaft hat er damit noch einmal immens gesteigert. Es heißt gerne, dass es im modernen Fußball kaum noch Führungsspieler gebe. Das stimmt so nicht: Zwar gibt es tatsächlich nicht mehr diese rustikale Spezies der Führungsspieler von früher, die alles mit dem Ellenbogen geregelt haben. Aber den Führungsspieler an sich gibt es noch. Er ist bloß ein anderer Typ als früher. Eben ein Typ wie Mesut Özil.

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