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Michael Ballack: "Setze mir keine Fristen"

Es bleibt dabei: Bayerns Mittelfeldstar lässt sich im Vertragspoker nicht in die Karten schauen. Zumindest eines ist jetzt aber klar - in diesem Jahr wird keine Entscheidung mehr fallen.

Michael Ballack hat sein Schweigen gebrochen, doch die Zukunft des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft beim FC Bayern München bleibt vorerst völlig ungewiss. Um lukrative Angebote aus dem Ausland prüfen zu können, will der Mittelfeldstar nicht vor Januar entscheiden, für welchen Verein er nach der Fußball- Weltmeisterschaft 2006 spielen wird. "Ich möchte mir zeitlich keinen Druck machen und vorher auch keine Fristen setzen. Ausländische Vereine dürfen erst dann mit mir sprechen", sagte Ballack bei einer kurzfristig von ihm selbst einberufenen Pressekonferenz am Mittwochnachmittag in München.

Der 29-Jährige hielt sich dabei in dem nun weiter verlängerten Vertragspoker alle Optionen offen. "Es wäre schon ein Traum von mir, im Ausland zu spielen. Aber der FC Bayern ist ein toller Verein, der einem natürlich alles bietet." Einen Konflikt mit seinem derzeitigen Arbeitgeber sieht er nicht: "Alles, was Karl-Heinz Rummenigge gesagt hat, ist völlig in Ordnung, und wurde mir auch vorher so mitgeteilt", sagte Ballack zum zurückgezogenen Vertragsangebot des FC Bayern. Im kalten November-Regen hatte Ballack nach seinem Schweigen am Vortag die Presse auf dem Gelände des FC Bayern eilig versammeln lassen. Vor dem Bayern-Logo wollte er sich bei seinen Aussagen aber nicht filmen lassen. Mit dem öffentlichen Statement reagierte Ballack auf den Rückzug des Vertragsangebots durch den FC Bayern am Montagabend. Beim deutschen Rekordmeister war danach die Zeit der wilden Spekulationen angebrochen. Von Präsident Franz Beckenbauer bis Torwart Oliver Kahn: Alle wurden nach ihrer Meinung gefragt. Und mögliche Nachfolger von Hamburgs Rafael van der Vaart bis Barcelonas Deco ins Spiel gebracht.

ManU bekräftigt Interesse

Ballack selbst versuchte derweil, der Diskussion über seinen möglichen Abschied aus Deutschland die Schärfe zu nehmen. "Ich habe jetzt noch keine Entscheidung getroffen. Das ist alles, und ich denke, das kann man auch verstehen. Es ist eine wichtige Entscheidung in meinem Leben", sagte Ballack. Auch nach den deutlichen Worten aus der Bayern-Führungsriege um Vorstandschef Rummenigge kann sich Ballack ein Bleiben in München vorstellen: "Es ist so, dass ich mich wohl fühle in München. Vielleicht verlängere ich den Vertrag. Ich habe Bayern nie abgesagt", sagte er. Im Ausland kämen für Ballack angeblich nur zwei Vereine in Frage, beteuerte der angeblich von Real Madrid, Manchester United sowie AC und Inter Mailand umworbene Star. In England berichteten am Mittwoch mehrere Zeitungen von einem vermeintlichen Angebot von Manchester United mit einem Jahresgehalt von angeblich neun Millionen Euro. Genau diese Summe - 36 Millionen Euro für einen Vierjahresvertrag - soll auch das am Montag zurückgezogene Bayern-Angebot beinhaltet haben. Energisch wehrte sich Ballack gegen den Vorwurf, finanzielle Fragen in den Mittelpunkt zu stellen. Entsprechende Medienberichte bezeichnete er als "Polemik, die da gegen mich betrieben wird".

Van der Vaart auf der Liste

Am Mittwoch nahm Ballack nach seiner im Länderspiel am Samstag in Frankreich erlittenen Oberschenkelzerrung wieder nicht am Training des FC Bayern teil und ließ sich stattdessen behandeln. Ein Einsatz in der Bundesliga-Partie des Tabellenführers am Samstag bei Arminia Bielefeld ist damit weiter fraglich. Unsicher ist auch noch die Reaktion der Bayern-Fans auf Ballack, der auch Pfiffe ertragen könnte. Erstaunlich versöhnliche Worte schlagen Ballack aus der Bayern-Führungsriege entgegen. "Nein, die Tür bleibt offen. Wenn er morgen käme und sagt, dass er bleiben will - wunderbar", sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung. "Es wird nicht leicht einen gleichwertigen Nachfolger zu finden". Die Liste vermeintlicher Ersatz-Kandidaten ist allerdings lang und die Gerüchteküche kräftig am Brodeln.

HSV-Star van der Vaart schickte erstmal eine präventive Absage: "Geld ist kein Argument, ich will Spaß haben. Und den habe ich beim HSV", sagte er der Hamburger Morgenpost. Sollten die Bayern aber tatsächlich die Fühler nach ihm ausstrecken, dürfte sich die Einstellung des Niederländers wie bei vielen anderen Profis zuvor wohl ändern. Mittlerweile schalten sich auch die Geldgeber der Bayern in die Diskussion ein und sprechen sich gegen die von Trainer Felix Magath ins Spiel gebrachte interne Lösung aus: "Michael Ballack kann man nur mit einem Weltstar ersetzen. Er ist so ein dominierender Spieler, dass man einen Kracher holen muss, einen Topspieler aus dem Ausland, um die Mannschaft auf Niveau zu halten", sagte der Vorstandschef von Bayern-Sponsor adidas, Herbert Hainer, der zudem stellvertretender Aufsichtsratschefs der Vereins-AG ist, der Sport-Bild.

DPA

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