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Streit in der Corona-Krise: Nach Aufstand von Fans und Ex-Spielern: FC Liverpool schickt Mitarbeiter nicht in Zwangsurlaub

Der FC Liverpool wollte auf Staatskosten rund 200 Mitarbeiter vorerst beurlauben - die Entscheidung hat der Klub nun zurück genommen, weil es heftigen Protest gab. Fans und Ex-Spieler waren auf die Barrikaden gegangen.

Da war alles noch in Ordnung: Jürgen Klopp Mitte Februar während des Spiel gegen Norwich City

Da war alles noch in Ordnung: Jürgen Klopp Mitte Februar während des Spiel gegen Norwich City

DPA

Die heile Welt des FC Liverpool ist vorerst nicht zerbrochen. Am frühen Montagnachmittag veröffentlichte der Vorsitzende Peter Moore einen Brief auf der Homepage des Vereins, in dem er mitteilte, dass der Klub die rund 200 Mitarbeiter nun doch nicht in den Zwangsurlaub schicke. Moore entschuldigte sich bei den Fans, die die Maßnahmen zuvor scharf kritisiert hatten. "Wir glauben, dass wir letzte Woche zum falschen Schluss gekommen sind", schrieb Moore, "das tut uns wirklich leid."

Der Grund für den Ärger war, dass der amtierende Champions-League-Sieger ein Programm der Regierung zur Rettung von Arbeitsplätzen nutzen und 80 Prozent des Lohns für die zwangsbeurlaubten Mitarbeiter vom britischen Staat kassieren wollte - ein Notprogramm der Regierung in den schweren Zeiten der Corona-Krise. Den Rest des Gehalts wollte der Klub aufstocken. Ähnlich hatten es bereits die Ligarivalen Tottenham Hotspur, Norwich City, Newcastle United und AFC Bournemouth gemacht.

Massive Kritik von Ex-Spielern

Seit der Beschluss bekannt geworden war, hagelte es massiv Kritik. Nicht nur unter den Anhängern war die Wut groß, auch Ex-Spieler wie Jamie Carragher oder Dietmar Hamann kritisieren ihren Ex-Verein scharf: "Jürgen Klopp hat seit Beginn der Pandemie viel Mitgefühl gezeigt. Und dann ist alles vergessen. Armselig, LFC!", schrieb Carragher  auf Twitter. "So war das Hilfsprogramm nicht gemeint. Das ist entgegen den Werten und der Moral, die ich von diesem Klub kenne", kritisierte Dietmar Hamann, der mit Liverpool 2006 die Champions League gewann.

Auch ein Mitarbeiter meldete sich anonym zu Wort: "Der Klub bezeichnet die Mitarbeiter als Familie. Ich fühle mich nicht wie ein Familienmitglied. Warum nutzt ein Klub, der mehr als 100 Millionen Pfund umsetzt, ein Regierungsprogramm für seine Mitarbeiter, wenn andere Unternehmen es mehr brauchen?", sagte er der BBC. Unverständnis herrschte besonders, weil der FC Liverpool bis zur Corona-Krise wirtschaftlich blendend dastand. Erst im Februar hatte der Tabellenführer der Premier League einen Gewinn von 42 Millionen Pfund (etwa 50 Millionen Euro) verkündet. Der Umsatz stieg demnach um umgerechnet rund 92 Millionen Euro auf 627 Millionen Euro.

Jürgen Klopp und der FC Liverpool bedanken sich bei den Corona-Helfern

Liverpool leidet wie alle Klubs finanziell

Moore erklärte in seinem Brief, Liverpool werde nun nach Alternativen suchen, um die Coronavirus-Krise zu überstehen. Allerdings warnte er auch vor "nie da gewesenen" Verlusten für den Verein. "Auch wenn wir vor dieser Krise in einer gesunden Position waren - unsere Einnahmen sind weggefallen, während unsere Ausgaben bleiben", betonte er. Man werde sich deshalb auf verschiedene Szenarien vorbereiten.

Trainer Jürgen Klopp meldete sich in der Angelegenheit nicht zu Wort. Die Zeitung "Daily Mail" meldete aber am Montag, dass sich Jürgen Klopp und einige seiner Kollegen in der Premier League zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärt haben. Wegen der Coronavirus-Krise und der Zwangspause im englischen Fußball laufen seit Tagen Gespräche zwischen den 20 Vereinen und ihren Trainern.

Quellen: "BBC", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", DPA

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