HOME

Nationalmannschaft: Ballack vermisst Kahn

Das unsägliche Torwart-Theater in der Nationalmannschaft berührt auch die Feldspieler. Kapitän Ballack schlägt sich auf Oliver Kahns Seite.

Von Klaus Bellstedt

Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack hat sich einen Tag vor dem Testspiel des DFB-Teams im Bremer Weser-Stadion gegen Südafrika erstmals öffentlich zum andauernden Hickhack in der Torhüterfrage geäußert. Der Mittelfeldspieler übte auf der abschließenden Pressekonferenz damit indirekt Kritik an Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Der hatte unlängst die Entscheidung getroffen, in den Testspielen bis zum Beginn der WM abwechselnd entweder Oliver Kahn oder Jens Lehmann in den Kader zu berufen. Der Keeper von Arsenal London spielte am letzen Samstag beim 0:2 gegen die Slowakei und wird auch am Mittwoch gegen die Südafrikaner das Tor der Deutschen hüten, während Kontrahent Kahn zur gleichen Zeit im heimischen München weilt.

Ballack will mit Klinsmann sprechen

"Nach einem verlorenen Spiel wie dem gegen die Slowakei wäre es optimal, wenn Olli jetzt hier wäre. Das muss ich ganz ehrlich sagen", meinte Ballack, der auch die verletzungsbedingte Abstinenz von Thorsten Frings bedauerte. Die teilweise herbe Medienschelte nach der Blamage von Bratislava nahm der Mittelfeldspieler des FC Bayern relativ gelassen zur Kenntnis: "Wir haben eine derart junge Struktur in unserem Kader, da ist es normal, wenn man auch mal ein Spiel verliert. Und dann kommt eben Kritik auf." Umso wichtiger sei es dann, erfahrene Spieler wie Kahn an Bord zu haben.

"In so einer psychologisch schwierigen Situation wäre besonders die Anwesenheit von Olli Kahn wichtig", unterstrich der Kapitän noch einmal und kündigte im gleichen Atemzug an, ein Vier-Augen-Gespräch mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann über dieses sensible Thema führen zu wollen. Fast ein wenig erschrocken über seine offenen Worte ruderte Ballack prompt etwas zurück: "Natürlich entscheidet am Ende immer der Bundestrainer." Kahns Widersacher und ewigen Rivalen im Kampf um die Nummer eins im deutschen Tor, Jens Lehmann, erwähnte er übrigens mit keiner Silbe.

"Besitzen noch nicht die Klasse

Für das Testspiel gegen die Südafrikaner kündigte Michael Ballack eine Leistungssteigerung seiner Mannschaft an. "Wir haben uns fest vorgenommen, ein besseres Spiel als gegen die Slowakei abzuliefern, noch dazu vor eigenem Publikum. Wir wollen druckvoller und mit mehr Überzeugung nach vorne spielen." Gleichzeitig sei das Team aber noch längst nicht so gefestigt, dass es vor neuerlichen Rückschlägen sicher sei, stellte der Vizeweltmeister von 2002 klar. "Wir besitzen einfach noch nicht die Klasse, um kontinuierlich auf höchstem Niveau zu spielen. Das ist ein Prozess und an dem arbeiten wir."

Wissenscommunity