HOME

Nationalmannschaft: Bierhoff warnt vor "Kapitäns-Gerangel"

Trotz vieler warmer Worte sitzt Michael Ballack zwischen allen Stühlen: Weder in seinem Verein noch in der Nationalmannschaft wird er so richtig gebraucht. Teammanager Oliver Bierhoff glaubt an ein Comeback des Ex-Kapitäns – warnt aber zugleich vor Machtkämpfen im DFB-Team.

Es ist eine der spannendsten Fragen des kommenden Fußballjahres: Wird das Comeback von Michael Ballack gelingen, und wird der bis vor kurzem noch einzige deutsche Fußball-Weltstar die hoch gelobte "Boy Group" um Jungstars wie Mesut Özil und Thomas Müller als Kapitän durch die EM-Qualifikation führen? Teammanager Oliver Bierhoff glaubt fest an eine Rückkehr des 34-Jährigen, warnt zugleich vor internen Machtkämpfen. "Es wird im Miteinander auch wichtig sein, zu zeigen, dass es nicht um ein Kapitäns-Gerangel geht", sagte Bierhoff im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA zum Kampf um die Spielführerbinde zwischen Amtsinhaber Ballack und dessen derzeitigem Vertreter Philipp Lahm.

"Aufgrund seiner Persönlichkeit und seines Namens wird es bei Michael Ballack aber immer wieder Diskussionen geben, ob er Kapitän ist oder nicht", prophezeite Bierhoff: "Er steht immer im Fokus." Seinen ehemaligen Mitspieler Ballack betrachtet der einstige DFB-Kapitän "auf gar kein Fall" als Verlierer des Jahres. "Er hatte enormes Pech", meinte der Manager angesichts der zwei schweren Verletzungen des Bundesliga-Rückkehrers. Bierhoff erwartet, dass sich der 98-malige Nationalspieler 2011 "wieder herankämpfen" wird und zumindest noch die 100 Länderspiele vollmachen wird: "Davon bin ich überzeugt!"

Stammplatz für Ballack?

Für Ballack dürfte es jedoch schwer werden, seinen Stammplatz zurückzuerobern. "Im defensiven Mittelfeld haben Schweinsteiger und Khedira gespielt, teilweise auch Toni Kroos. Auch Simon Rolfes kommt zurück, der zudem ein Konkurrent in Leverkusen ist", verdeutlichte Bierhoff. Der Konkurrenzkampf sei leistungsmäßig "für alle von Vorteil", müsse aber "zum Wohl des Teams kanalisiert werden".

Denn die Geschlossenheit der verjüngten Mannschaft betrachtet Bierhoff als eine besondere Errungenschaft im WM-Jahr. Bierhoff lobte ihr Auftreten "als eine Einheit, die Freude vermittelt, attraktiven Fußball spielt, für Integration und ein Miteinander steht".

Wie wichtig Zusammenhalt ist, hat der Manager am eigenen Leib verspürt. Die zu Jahresbeginn gescheiterte Vertragsverlängerung mit dem DFB berührte auch das Binnenverhältnis zwischen Löw, Co-Trainer Hans-Dieter Flick, Torwart-Coach Andreas Köpke und ihm. "Unsere Geschlossenheit, die nie zuvor auf so eine Probe gestellt wurde, war eine schöne Erfahrung und Bestätigung", hob der Manager hervor.

"Von zweiten oder dritten Plätzen wird man nicht satt"

Die gemeinsame Vertragsverlängerung bis zur Europameisterschaft 2012 entsprang der "Überzeugung, dass wir als Team zusammengehören und füreinander einstehen". Ein Bündnis für immer müsse es aber nicht sein. "Es wird nicht immer nur den Trainer Joachim Löw mit dem Manager Oliver Bierhoff geben und umgekehrt", erklärte Bierhoff.

Seit der WM beschränkt sich der 42-Jährige ganz auf seine Aufgaben als Manager des A-Teams. Aus den Zwistigkeiten zwischen Löw und Sportdirektor Matthias Sammer um die U 21-Auswahl hält sich Bierhoff dagegen heraus: "Da wurde ich oft als Schwarzer Peter vorgeschoben, weil sich in sportlichen Entscheidungen auf anderen Ebenen nicht geeinigt werden konnte. Ich konzentriere mich auf die Arbeit mit der Nationalmannschaft - und die läuft außerordentlich gut."

Allerdings verspürt Bierhoff ebenfalls die wachsende Sehnsucht nach einem Titelgewinn. Nach dem knappen Scheitern bei den WM-Turnieren 2006 und 2010 (jeweils Dritter) sowie der EM-Endrunde 2008 (Niederlage im Finale) sei "eine Ungeduld da, einen Titel zu holen", so der Teammanager. "Von zweiten oder dritten Plätzen wird man auf Dauer nicht satt."

Klaus Bergmann/DPA / DPA

Wissenscommunity