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Nationalmannschaft: Kahns Problem mit den Fußball-Frauen

Nach dem Frankreich-Debakel der deutschen Nationalmannschaft übt sich die Fußball-Prominenz in Kritik und Durchhalte-Parolen. Oliver Kahn lässt seine Wut an den Fußball-Frauen aus.

Nach dem Frankreich-Debakel der deutschen Nationalmannschaft übt sich die Fußball-Prominenz je nach persönlichem Befinden in Durchhalte- oder Weltuntergangs-Parolen. Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Klaus Augenthaler und Uli Hoeneß sehen in der Lehrstunde vom Samstag kein alarmierendes Zeichen. "Wir haben ein Spiel auf bittere Art verloren - aber noch lange nicht die EM in den Sand gesetzt", urteilte Beckenbauer in seiner Montags-Kolumne für die "Bild"-Zeitung.

Derweil brach Kapitän Oliver Kahn, der am Samstag kommentarlos die Arena "AufSchalke" verlassen hatte, sein Schweigen. "Ich habe immer gesagt, dass uns nicht Spiele gegen zweit- und drittklassige Mannschaften weiterbringen, sondern dass wir uns mit den Weltbesten messen müssen", meinte der Torhüter des FC Bayern: "Da können die Spieler am Besten sehen, wo ihre persönlichen Defizite liegen. Dazu war das Frankreich-Spiel perfekt." Das Problem bei den Franzosen sei gewesen, "dass wir den Fans den Eindruck vermittelt haben, als würden wir hoffen, dass es bald vorbei ist"

Kahns verbale Grätsche gegen den Frauen-Fußball

Ein Problem sieht der Bayern-Keeper auch in den ewigen Vergleichen mit der Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. "Was haben die mit uns zu tun?", fragte Kahn während eines Interviews mit der "Bild"-Zeitung genervt. "Die haben tolle Leistungen gebracht, im Rahmen ihres Sports, ihres Sports wohlgemerkt - gegen Stuttgarts B-Jugend haben sie verloren. Wie soll man sie da mit uns Männern vergleichen?" Die "Golden Girls" hatten 34 Tage nach dem WM-Triumph am Samstag beim 13:0-Rekordsieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal eine brillante Vorstellung gezeigt.

Mehr Laufbereitschaft gefordert

"Man wusste doch vorher, dass Frankreich eine Klasse zu hoch ist. Trotzdem brauchen wir keine Angst vor der EM zu haben. Es tut sich was in Deutschland", meinte Bayer Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler. Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß forderte die Nationalspieler zu mehr Laufbereitschaft auf, sieht langfristig aber im Hinblick auf die EM ebenfalls Perspektiven: "Wenn man etwas mehr Respekt und Vorbereitung hat, dann kann man auch gegen große Gegner bestehen."

"Man sollte das nicht dramatisieren. Wichtig ist, große Nationen bei einem Turnier zu schlagen", urteilte Ex-Bundestrainer Berti Vogts, der am Mittwoch mit der schottischen Mannschaft gegen die Niederlande um das EM-Ticket kämpft: "Ich wette, die Holländer wären froh, wenn sie Sonntag gegen Frankreich 0:3 verloren hätten. Dann wären sie nämlich schon bei der WM dabei."

"Wir sind keine führende Fußball-Nation mehr. Das muss man so hinnehmen", befand Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs. Seine These wird bestätigt durch die Rangliste des Weltverbandes FIFA und die Setzliste für die EURO 2004, in denen der DFB keine erstklassige Rolle mehr spielt. Bei der Auslosung der EM-Gruppen am 30. November in Lissabon wird Deutschland nur als Außenseiter eingestuft. Sollten sich Spanien und die Türkei am Mittwoch in den Relegationsspielen noch durchsetzen, landet die Völler-Elf sogar nur in Topf 3, sonst neben Italien und England in Topf zwei. Die Gruppenköpfe bilden Gastgeber Portugal, Titelverteidiger Frankreich sowie Schweden und Tschechien.

Absturz in der FIFA-Weltrangliste

In der am Mittwoch erscheinenden neuen FIFA-Weltrangliste droht dem Vize-Weltmeister sogar der Absturz aus den Top Ten. Im Vorjahr noch auf Rang vier wurde der DFB zuletzt nur noch als Siebter hauchdünn vor Italien, Mexiko, der Türkei und Tschechien geführt.

Bis zur EM in Portugal bestreitet die deutsche Mannschaft zwar noch sechs Testspiele. Aber nur am 17. Februar in Rotterdam gegen den Weltranglisten-Fünften Niederlande hat die Völler-Elf die Chance, die Pleitenserie von acht Niederlagen in Serie gegen Top-Ten-Teams zu beenden. Danach geht es gegen Belgien (16.), Rumänien (21.), Malta (128.), Schweiz (43.) und Ungarn (67.).

dpa, Jochen Knecht / DPA

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