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Nationalmannschaft: Löw plant "Berliner Rede"

Bisher kannte man sie nur vom Bundespräsidenten, nun hält auch Bundestrainer Joachim Löw eine "Berliner Rede". Vor dem Spiel gegen England in der Hauptstadt will er seine harte Gangart allen Spielern deutlich machen. Das heißt vor allem: Keine Diskussionen mehr in der Öffentlichkeit.

Dem verletzten Michael Ballack droht der Ausfall im Klassiker gegen England. Doch mit oder ohne den geläuterten Kapitän: Joachim Löw will nach den Querelen um Ballack und Torsten Frings das letzte Länderspiel des Jahres nutzen, um mit einer Grundsatzrede sein Personal nochmals auf gemeinsame Richtlinien und seine Regeln einzuschwören. "Es ist mir wichtig, diese Thematik anzusprechen und dabei auch gewisse Dinge auf dem Weg zur WM 2010 vorzugeben", sagte Löw dem Fachmagazin "kicker". Zu diesen grundsätzlichen Ausführungen, bei denen es vor allem auch um den öffentlichen Umgang miteinander gehen dürfte, will Löw in Absprache mit den Vereinen auch alle verletzten Spieler bitten - inklusive Ballack.

Der Aufruhr seiner Führungskräfte hatte Löw über Wochen beschäftigt. Nach den per Diktum beendeten Auseinandersetzungen mit den Routiniers Ballack und Torsten Frings will sich der Bundestrainer im Duell gegen den Erzrivalen von der Insel aber wieder auf sportliche Belange konzentrieren können. Dabei ist die Ungewissheit über den Einsatz seines Kapitäns für Löw vor dem Länderspiel-Klassiker am 19. November nicht das einzige Fragezeichen. Fast ein halbes Dutzend Nationalspieler plagt sich mit Blessuren. Zu den angekündigten personellen Experimenten für den letzten Auftritt im EM-Jahr am Mittwoch kommender Woche wird Löw so fast gezwungen.

Wer fährt nach Südafrika?

Der vom DFB-Chefcoach an diesem Donnerstag berufene Kader könnte so auch einen Fingerzeig dafür geben, wer auf den Weg Richtung WM 2010 in Südafrika in den engeren Planungen des Bundestrainers vorkommt. "Das gibt uns die Möglichkeit, dem einen oder anderen Spieler, der jetzt nicht gespielt hat, eine Chance zu geben", hatte Löw für die Partie am 19. November im Olympiastadion angekündigt.

Mit Spannung wird erwartet, ob Löw den zuletzt wegen mangelnder Form aussortierten Christoph Metzelder zurückholt. Für den verletzen Links-Verteidiger Philipp Lahm wird ein Ersatz gesucht. Der Wolfsburger Marcel Schäfer wird als möglicher Neulings-Kandidat gehandelt. Im Angriff ist für den nach seiner Flucht aus Dortmund für immer suspendierten Kevin Kuranyi der Leverkusener Stefan Kießling wohl erster Nachrücker. In der Baustelle-Mittelfeld drängt sich der Neu-Münchner Tim Borowski auf - und wäre ein weiterer Konkurrent von Löw-Kritiker Frings.

Löw will reden

Sollte Ballack nach der Operation an beiden Füßen am 17. Oktober doch noch nicht wieder zur Verfügung stehen, wird er nicht nur wegen der Löw-Ansprache in Berlin anwesend sein. Eine Berlin-Reise sei aus "atmosphärischen Gründen" ratsam, hieß es aus dem Umfeld des Spielers. Der DFB-Kapitän soll nach seiner ausgeräumten Kritik an Löw im Nationalmannschaftskreis Präsenz zeigen und damit dort seinen Führungsanspruch untermauern.

Ein Mitwirken Ballacks gegen England wäre nur möglich, wenn der 32-Jährige für seinen Arbeitgeber FC Chelsea im Ligapokal am Mittwoch gegen Burnley oder am Samstag in der Liga bei West Bromwich Albion zum Einsatz kommt. Bislang hieß es aus England allerdings, dass der deutsche Legionär erst in der Champions League bei Girondins Bordeaux am 26. November sein Comeback gibt - eine Woche nach dem Länderspiel.

Was ist mit Ballack?

Am Montag machte der Club auf seiner Homepage keine Aussagen zu Ballacks Gesundheitszustand. Eigentlich hatte der DFB-Kapitän nur zwei Wochen mit dem Training aussetzen sollen. Über "Komplikationen" im Heilungsverlauf sei aber nichts bekannt, hieß es aus Ballack-Kreisen.

Gebraucht wird Ballack in Berlin in jedem Fall für den anstehenden Prämien-Poker. Zwei Tage vor dem Spiel soll der Mannschaftsrat mit Ballack als Leitwolf mit DFB-Chef Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Teammanager Oliver Bierhoff über die Prämien für eine erfolgreiche WM-Qualifikation verhandeln.

DPA/jef / DPA

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