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Pressestimmen

Pleite in Frankreich: "Die große Krise, die den deutschen Fußball überzieht, trägt Löws Namen"

Die deutsche Presse sieht nach der Niederlage gegen Frankreich Hoffnung, aber auch noch einen weiten Weg aus der Krise. Frankreich feiert derweil vor allem Matchwinner Antoine Griezmann.

DFB

Das DFB-Team mit Joshua Kimmich musste erneut eine Niederlage einstecken. Im Vordergrund freut sich Frankreichs Doppeltorschütze Antoine Griezmann

DPA

Für Bundestrainer Joachim Löw ist 2018 das schlechteste Jahr seiner Karriere als Chef der Nationalmannschaft. Auch gegen Frankreich setzte es eine - wenn auch unglückliche - Niederlage. Der Weg aus der Krise scheint noch weit, die Kommentatoren sehen aber auch Hoffnungsschimmer:  

Deutschland

"Süddeutsche": Es gelang längst nicht alles, der Gegner war exzellent, aber die DFB-Elf ließ erkennen, dass sie sich zu jeder Sekunde für dieses Fußballspiel interessierte. Es ergab sich ein intensiver Schlagabtausch, bei dem es den Deutschen aber manchmal zu schnell ging. Nach einem umstrittenen Elfmeter gingen die Franzosen, wieder durch Griezmann, in Führung. Der neue Weltmeister rettete die Führung gegen den alten Weltmeister ins Ziel, knapper immerhin, als alle erwartet hatten.

"Bild": Eine Niederlage, die uns doch irgendwie Hoffnung macht! Bundestrainer Jogi Löw kann die Diskussion um seine Person beruhigen. Deutschland verliert 1:2 gegen Weltmeister Frankreich. Schon die sechste Pleite in 2018. Aber diesmal sah's lange sehr gut aus. Das war die beste Pleite des Jahres!

"Spiegel Online": "Eine Niederlage gegen die Franzosen wird jetzt schon als Erfolg angesehen. Das kann man als Indiz werten, wie sehr der Aktienkurs der Nationalmannschaft vom Weltmeister bis zum möglichen Nations-League-Absteiger innerhalb von vier Monaten gefallen ist. Andererseits war dieser Abend nach dem Auftritt von Amsterdam zumindest ein sportlicher Fortschritt. (...() Als die Équipe Tricolore den Druck erhöhte, wurde das DFB-Team zaghaft, ängstlicher und ängstlicher, es ging nur noch darum, möglichst Tore zu verhindern. Und der Status dieser Mannschaft ist derzeit so, dass dies dann auch nicht gelingt."

"Kicker": Ob Paris nachhaltig die Geburtsstunde einer neuen deutschen Mannschaft ist, wird sich zeigen. Zunächst einmal hat sich dieses Team weitere Chancen verdient. Der Verjüngungsprozess, das zeigte die Partie gegen Frankreich, ist alternativlos. Gerade noch rechtzeitig hat der allzu lange an seiner Weltmeister-Achse festhaltende Löw die Zeichen der Zeit erkannt.

"FAZ":  Der Weg zurück an die Weltspitze bleibt weit. Gute Torchancen wurden wieder nicht genutzt, und der schöne Schwung, den die jungen Spieler in der ersten Halbzeit mitbrachten, ging nach der Pause immer mehr dahin.

"Sport1": Die deutsche Nationalmannschaft hat mit frischem Personal und einem überzeugenden Charaktertest ihren Trainer Joachim Löw vorerst aus der Schusslinie genommen. Zwar musste sich die DFB-Auswahl nach einer couragierten Vorstellung vor den Toren von Paris am Ende unglücklich Weltmeister Frankreich 1:2 (1:0) geschlagen geben, bot dabei aber über weite Strecken ihre beste Leistung seit langer Zeit.

Frankreich

"L'Equipe": Griezmann und Les Bleus bezwingen Deutschland und fliegen davon. Von einer deutschen Mannschaft kalt erwischt, die einen guten Start hinlegte und die klare Absicht zeigte, alles zu tun, um aus ihrer Krise zu kommen, hatten die Blauen diesmal die Ressourcen, um die Situation zu drehen. 

Eine erste Halbzeit nicht auf dem Niveau eines Weltmeisterteams. Ein Mangel an Kontrolle über den Ball und die Ereignisse. Aber dann Charakter, um sich durchzusetzen.

"Le Monde": Nachdem er bereits der Henker der "Nationalmannschaft" (auf Deutsch) beim 2:0-Sieg der Tricolore im Euro-Halbfinale 2016  in Marseille war, erzielte der 27-Jährige (Griezmann, die Redaktion) erneut zwei Tore gegen Münchens Torwart Manuel Neuer.

"Le Parisien": Die französische Mannschaft hat "die beste Mentalität der Welt, einen Griezmann, der in Schlüsselmomenten trifft, einen Top-Torhüter und eine Armee von Hunden unter der Führung von Kanté, die zum Opfer bereit ist. Das Ganze ist ein Team, mit einem inspirierten Deschamps. Es ist jeden Tag der 15. Juli. 

Spanien

"AS": Ein Doppelpack von Griezmann bringt Frankreich unter die besten Vier der Nations League und einen Tsunami über "die Mannschaft", die nach der Niederlage in Holland erneut stolperte. Die große Krise, die den deutschen Fußball überzieht, trägt Löws Namen. 

"Marca": Griezmann versenkt Deutschland. Frankreich siegt dank eines umstrittenen Elfmeters, aber es ist genug, um die Hölle von Löws Deutschland zu verlängern. Der deutsche Niedergang dauert an.

"La Vanguardia": Der Weltmeister hat sein solides Spiel, das vor drei Monaten in Russland so beeindruckend war, verloren. In einer Zeit, in der mehr über den Ballon d'Or als über alles andere gesprochen wird, sind Einzelpersonen in einem Team entstanden, das dafür bekannt ist, in erster Linie ein Kollektiv zu sein."

England

"Guardian": Antoine Griezmann traf zweimal in der zweiten Halbzeit, als Frankreich einen Rückstand drehte, Deutschland besiegte und den Druck auf Joachim Löw erhöhte. Deutschland schien zuvor die gewünschte Antwort auf die 0:3-Niederlage gegen Holland am Samstag zu geben, als Kroos einen frühen Elfmeter verwandelte.

"The Sun": Löws "12-jährige Amtszeit als König des deutschen Fußballs scheint sich dem Ende zu nähern."

Norwegen

"Aftenposten": Nach dem Umkehrsieg der Franzosen ist Deutschland Gruppenletzter. Nach drei von vier Spielen haben sie nur einen Punkt, Frankreich führt mit sieben Punkten, während die Niederlande nach zwei Partien drei Punkte haben. Das heißt, die Deutschen haben ihr Schicksal vor dem Heimspiel gegen die Niederlande nicht mehr in der Hand. Für die stolze Fußballnation könnte es mit einem Abstieg in die B-Division enden.

Schweiz

"Blick": Trotzdem ists gut, was die Deutschen bieten, die wohl beste Leistung des schlecht bis unterirdischen Jahres 2018. Das Endergebnis? 2:1. Es muss die Deutschen besonders schmerzen - sie, denen über Jahre auch durchschnittliche Leistungen genügten, um zu siegen. Sie verlieren gegen Franzosen, deren Bestform weit vom Gezeigten entfernt ist. (...) Und jetzt? Jogi Löw dürfte der couragierte Auftritt reichen, um ihm Amt zu bleiben.

"Tages-Anzeiger": Deutschland steht hingegen dem Abstieg in die Liga B sehr nahe. Und der Druck auf Löw wird nach der sechsten Niederlage in diesem Jahr nochmals grösser werden. Sechsmal in einem Jahr hatte Deutschland in seiner Historie bislang noch nie verloren.

Österreich

"Kronen-Zeitung": Am Ende also zwei umstrittene Elfmeter auf beiden Seiten, ein schönes Tor von Griezmann, und unterm Strich: Deutschland spielte besser als bisher, nur selbst das war zu wenig gegen den Weltmeister.

"Kurier": Für Joachim Löw wird es nicht leichter: Nach dem 0:3 gegen die Niederlande zeigte sich Deutschland in Paris verbessert, am Ende setzte es gegen Frankreich aber die zweite Niederlage in der Nations League.

 

Nach 0:3 Niederlage:  "Neuanfang, jetzt!" – so vehement fordern Twitternutzer Jogis Rücktritt
rös, mit dpa

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