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Meinung

Erdoğan-Einladung: Özil umarmt den Autokraten aus Ankara? Lasst ihn einfach

Mesut Özil, der Superstar aus Gelsenkirchen, lädt Recep Tayyip Erdoğan zu seiner Hochzeit ein - und wieder schlägt ihm der Hass entgegen. Dass der Fußball-Profi mit dem Autokraten flirtet, macht ihn nicht sympathisch - aber es ist konsequent.

Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan

Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan

DPA

Vermutlich hat Mesut Özil ohnehin nie vorgehabt, nach seinem Fußball-Leben eine zweite Karriere als politischer Kommentator zu beginnen - spätestens jetzt wäre sie vorbei. Laut der türkischen Zeitung "Hürriyet" hat sich der Arsenal-Profi mit Recep Tayyip Erdoğan am Istanbuler Flughafen getroffen und ihn zu seiner Hochzeit eingeladen. Und angeblich soll der Ex-Nationalspieler den türkischen Präsidenten auch noch gebeten haben, sein Trauzeuge zu werden. Offenbar ist es zwischen ihm und dem Autokraten aus Ankara etwas Ernstes. Die Entscheidung wird ihm wohl nicht mehr Freunde in der Heimat bescheren, aber sie ist immerhin konsequent.

Lange hat sich niemand für Özils Treffen interessiert

Es dürfte jetzt das sechste oder siebte Treffen der beiden in den vergangenen zehn Jahren gewesen sein. Özil hat die Begegnungen nie an die große Glocke gehängt, lange hat sich auch niemand dafür interessiert. Bis vergangenes Jahr, als der Nationalspieler zum Sündenbock für die verpatzte Weltmeisterschaft gemacht wurde - auch wegen dieses Bildes mit Erdoğan aus dem Mai. Özil sprach später davon, dass eben zwei Herzen in seiner Brust schlagen würden, ein deutsches und ein türkisches, und Erdoğan sei der höchste Repräsentant des einen Heimatlandes. Er würde es genauso wieder machen, schrieb er damals.

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Nun hat er es nicht nur wieder gemacht, er hat sogar noch einen draufgesetzt. Sympathischer macht das Özil nicht. Erdoğan lässt Gegner und Oppositionelle wegsperren, die Presse unterdrücken, und wenn etwas nicht so läuft, wie er will, dann sind stets aus dem "Ausland gesteuerte Verschwörer" am Werk - es ist der typische Dreisprung jedes Diktators. Özil ficht das nicht an. Sportler sei er und kein Politiker, sagt er. Vielleicht ist seine Einladung an Erdoğan auch eine Art Zeichen nach dem ganzen Zwist der vergangenen Monate: Wenn mich Gelsenkirchen nicht mehr will, gehe ich eben mit Ankara. Das wäre schade. Aber ihm deshalb das Deutschsein absprechen? Nein!

Schröder turtelt mit Wladimir Putin herum

12 bis 15 Prozent der Deutschen würden derzeit die AfD wählen - auch nicht gerade eine Partei, bei der man darauf wetten würde, dass sie gänzlich auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Ex-Kanzler Gerhard Schröder turtelt seit Jahren mit Wladimir Putin herum - der ebenfalls nicht als Kämpfer für Freiheit und Demokratie bekannt ist. Das was Deutschland von Russland oder der Türkei unterscheidet: Hier ist es erlaubt, auch unappetitliche Ansichten und Hochzeitsgäste zu haben. Zum Glück.

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