HOME

Parviz Ghelichkhani: "Fussball macht den Mullahs Angst"

Irans Sportlegende Parviz Ghelichkhani über das Länderspiel der Deutschen in Teheran, furchtlose Fans und wie das Regime seine Stars knebelt.

Das Interview mit Parviz Ghelichkhani führten Steffen Gassel und Bernd Volland

Herr Ghelichkhani, am Samstag spielt die deutsche Nationalelf gegen den Iran. Unterstützt das deutsche Team nicht indirekt das Regime, indem es zum Länderspiel nach Teheran fährt?

Natürlich werden die Mullahs den Besuch der Deutschen auch als Erfolg für sich ausschlachten. Trotzdem ist das Spiel eine große Hilfe für das Volk. Solche Sportereignisse geben den Menschen Gelegenheit, sich zu versammeln, in aller Öffentlichkeit Spaß zu haben. Das islamische Regime hat den Iranern vor allem eines beschert: Trauer. Der Fussball hat im Iran deshalb auch eine politische Dimension: Er durchbricht den offiziellen Trauerkult. Er gibt den Menschen einen Anlass, für ein paar Stunden die Regeln zu vergessen.

Hatten die Mullahs nach der Revolution 1979 nicht versucht, den Sport kleinzu- halten?

Das stimmt. Einige Ayatollahs wollten sogar verbieten, in kurzen Hosen zu spielen. Wissen Sie, was passiert ist? Selbst an Aschura, dem schiitischen Trauerfest, haben die Menschen auf den Vorplätzen der Moscheen kleine Tore aufgestellt und nach dem Beten gekickt. Zwar durfte das Nationalteam nicht spielen, dafür gründeten die Spieler Stadtteilteams. Ein paar Jahre später war der offizielle Fußball zurück.

Warum hatten die neuen Herrscher denn solche Furcht vor dem Fußball?

Erinnern Sie sich noch, was 1997 los war, als sich der Iran in letzter Minute gegen Australien für die WM qualifizierte? Die Menschen tanzten auf den Straßen, Frauen rissen sich die Kopftücher herunter. Diese Demonstration der Freude war zugleich eine Demonstration gegen die Mullahs. Die Revolutionswächter, die Pasdaran, standen daneben und konnten nichts tun. Die Mullahs können ein ganzes Land unter Druck setzen, alles kontrollieren. Aber wenn 100 000 Zuschauer bei einem Fußballspiel zusammenkommen, haben sie keine Chance. Diese Menschenmenge hat viel mehr Kraft und Macht als die iranische Studentenbewegung, weil es sich um einfache Menschen handelt. Fußball macht den Mullahs Angst.

Der Fußball ist nicht totzukriegen?

Ja, also versuchen die Mullahs, ihn zu nutzen. Heute stecken sie viel Geld in die Sportförderung. Und sie kontrollieren die Vereinsarbeit. Pasdaran werden als Manager und Trainer eingesetzt, um die Ideologie unter den Sportlern zu verbreiten. Bei einem Spiel in Indonesien mussten die Mitglieder der Jugendauswahl in der Hotellobby antreten und sich rhythmisch auf die Brust klopfen - ein schiitisches Trauerritual. Und das Nationalteam wurde vor einem Spiel in Kuwait vom Trainer genötigt, kollektiv auf dem Rasen zu beten. So will das Regime die Athleten auf Linie trimmen. Die Mullahs wissen: Kritische Sportler sind besonders gefährlich für sie.

Woran liegt das?

In Ländern der Dritten Welt haben Sportler eine Vorbildfunktion, ihr Wort zählt mehr als in westlichen Ländern. Deshalb haben diktatorische Regime solche Angst vor ihnen und setzen sie unter Druck.

Wie geschieht das?

Zum Beispiel, indem die Geheimdienstleute Spieler in irgendein Haus bringen und sie tagelang mit verbundenen Augen verhören. Da wird einem schnell klar, was man darf und was nicht. Das habe ich Anfang der 80er Jahre am eigenen Leib erfahren. Diese Dinge haben sich bis heute nicht geändert. Manchmal werden auch einfach die Familien der Spieler unter Druck gesetzt oder Gelder einbehalten.

Ist es nicht schwer, Sporthelden zu verfolgen, die die Öffentlichkeit liebt?

Ach, schauen Sie sich die Fälle von Schriftstellern an, die verschwinden und später ermordet aufgefunden werden. Diese Menschen waren ja auch populär. Vor 20 Jahren wurde sogar einer der besten Spieler, die der Iran je hatte, hingerichtet: Habib Khabiri. Alles ist möglich.

Viele Iraner spielen im Ausland, so Vahid Hashemian beim FC Bayern und Mehdi Mahdavikia in Hamburg. Wie schafft es das Regime, diese Spieler zu kontrollieren?

Da gibt es durchaus Möglichkeiten. Denken Sie nur an Vahid Hashemian...

...den Bayern-Stürmer. Er verzichtete kürzlich darauf, für seinen Verein in der Champions League in Tel Aviv zu spielen. Offiziell hatte er plötzlich Rückenschmerzen.

Aber jeder weiß: Die Mullahs wollen nicht, dass Iraner gegen die zionistischen Feinde aus Israel antreten. Ich bin mir sicher, das Regime hat Hashemian unter Druck gesetzt. Er weiß: Seine Familie lebt im Iran, und natürlich will er sein Geld auch in der Heimat investieren. Er will ja auch mal wieder zurückkehren. Das Geld, das Sportler im freien Europa verdienen, macht sie erpressbar. Wenn Hashemian in Israel gespielt hätte, wäre er später im Iran wahrscheinlich verhaftet worden.

Wie läuft dieses Unter-Druck-Setzen ab?

Entweder es wird freundschaftlich geregelt über die offizielle Verbindung zwischen dem iranischen Fußball-Verband und dem FC Bayern. Oder jemand vom Geheimdienst, der sich dem Spieler mal vorgestellt hat, meldet sich und sagt ihm, was erwartet wird. Daraufhin sagt ein Hashemian dann, dass er Rückenschmerzen hat. Auch iranische Spielervermittler geben gute Ratschläge des Geheimdienstes weiter, das hat mir neulich ein Spieler erzählt.

Können Sie diese Dinge beweisen?

Nein, aber jeder weiß, was läuft. Auch im Iran, obwohl es nicht offiziell gesagt wird. Und das Regime beweist so seine Macht.

Stehen die Spieler im Ausland ebenfalls unter Beobachtung des Geheimdienstes?

Ohne Zweifel. Stellen Sie sich vor, Hashemian gibt dem stern ein Interview und erzählt diese Sachen! Das darf nicht passieren. Deshalb wird genau geschaut, wer ins Ausland gehen darf. Als mich zur Schah-Zeit Bayern München verpflichten wollte, rief mich ein Mitarbeiter des Informationsministeriums an und sagte, sie hätten im Iran eine Zeitung schreiben lassen, dass ich nie dauerhaft mein Heimatland verlassen würde. Da blieb mir nichts anderes übrig, als zurückzukehren. Das jetzige Regime ist noch eine Stufe schlimmer.

Doch nun spielen viele Iraner im Ausland.

Die durften gehen, als die Reformisten mehr Macht erringen konnten. Aber die letzte Parlamentswahl haben die Konservativen gewonnen. Nun gehen weniger Spieler ins Ausland, das Klima zu Hause ist kälter und unsicherer geworden.

Um so mehr Bedeutung dürfte der Auftritt der deutschen Elf bekommen. Werden die Menschen wieder auf den Straßen feiern?

Das glaube ich nicht. Die Iraner wissen: Die Reformer sind geschwächt, und die Europäer pflegen aus wirtschaftlichen Interessen gute Kontakte zum Regime. Auch vor diesem Hintergrund sehen sie den Besuch der Deutschen. Das Volk ist desillusioniert. Vor sechs Jahren bei der WM waren die Feiern verbunden mit der Hoffnung, dass sich etwas ändern würde. Diese Hoffnungen haben die Menschen nicht mehr.

Interview: Steffen Gassel/Bernd Volland / print

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(