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P. Köster: Kabinenpredigt Glückwunsch zur Meisterschaft! Warum der FC Bayern kaum aufzuhalten ist

Joshua Kimmich vom FC Bayern im Spiel gegen Schalke 04
Joshua Kimmich vom FC Bayern im Spiel gegen Schalke 04
© Alexander Hassenstein/Bongarts / Getty Images
Wer gehofft hatte, der FC Bayern würde es nach dem Triple locker angehen lassen, sah sich getäuscht. Die neue Saison steht ganz im Zeichen bayrischen Titelhungers, sagt stern-Stimme Philipp Köster.    

Es lief gerade erst die 71. Minute des Eröffnungsspiels der Fußball-Bundesliga, da wurde der Titelkampf dieser Spielzeit streng genommen schon wieder beendet. Es stand bereits 6:0 für die Münchner Bayern gegen eine völlig überforderte Schalker Elf, da trieb Joshua Kimmich den Ball in der eigenen Hälfte energisch voran, zweimal schallte sein energischer Ruf "Leroy!" durch die Allianz Arena. Der Angesprochene setzte sich in Bewegung, bekam den Diagonalpass mustergültig in den Lauf gespielt und überwand mühelos Schalke-Keeper Ralf Fährmann. Das 7:0 durch Leroy Sané zeigte Gier, Motivation, Teamgeist, Spielwitz und Präzision in Vollendung und zerstörte endgültig ein paar stille Hoffnungen, die die Konkurrenz vor dem Restart der Bundesliga gehegt hatte.

Dass die Bayern es nach dem Triple-Sieg ruhiger angehen lassen würden. Dass sich der Weggang von Thiago als Kreativspieler bemerkbar machen würde. Dass der Kräfteverschleiß der verkürzten Sommerpause sichtbar würde. Oder dass im nationalen Wettbewerb mit angezogener Handbremse gespielt werden würde. Stattdessen machte der FC Bayern da weiter, wo er im Sommer in der Champions League aufgehört hatte, mit einer Mischung aus spielerischer Dominanz und aggressivem Pressing, mit ungeheurer Spielfreude und enormer Laufbereitschaft. Das war bisweilen einfach nicht zu verteidigen, so sehr sich die sicherlich motivierten Schalker auch mühten.  

Auf Strecke hat der FC Bayern die Bundesliga sportlich durchgespielt

Natürlich war der Auftritt der Schalker gruselig. Die Truppe war mit dem unschönen Rucksack von saisonübergreifend 17 sieglosen Bundesligapartien angereist und ließ genauso wie schon im Frühjahr über weite Strecken Bundesligareife vermissen. Amateurhaftes Abwehrverhalten, dazu noch beim Stand von 5:0 ein merkwürdiger Offensivdrang, ganz so, als ginge da doch noch was, das ärgerte nicht nur Coach David Wagner: "Das war naiv". Und trotzdem mischte sich in die Verwunderung über die tölpelhaften Schalker rasch die Ahnung, dass an diesem Freitagabend auch besser formatierte Mannschaften untergegangen wären.

Und aus der Ahnung wurde dann am Ende des Kicks Gewissheit, dass der FC Bayern auch dieses Jahr ganz souverän Meister werden wird. Was nicht an der Konkurrenz liegen wird. Lucien Favre ist es in Dortmund, das lässt zumindest der Auftakt gegen Gladbach vermuten, gelungen, die produktive Routine der Mannschaft mit jugendlicher Begeisterung aufzufüllen. Und RB Leipzig wird den Weggang von Timo Werner so kompensieren, dass der Klub sich in der Bundesligaspitze halten wird. Aber beide Mannschaften haben nicht ansatzweise die Klasse, um den FC Bayern zu gefährden. Den einen oder anderen Nadelstich werden diese Klubs vielleicht setzen können, auf die Strecke hingegen hat der FC Bayern die Bundesliga sportlich durchgespielt. 

Natürlich liegt das ursächlich an den großen Unwuchten des internationalen Fußballs, vor allem an der auf bizarre Art auseinanderklaffenden Verteilung der TV-Gelder, die dafür sorgt, dass sich mit gesamten Personaletat eines Klubs wie Aufsteiger Arminia Bielefeld gerade mal einer der Bayern-Stars finanzieren lässt. Hier für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, ist keine sozialistische Umverteilung, wie Bayern-Altpräsident Uli Hoeneß neulich polterte, sondern unverzichtbar, um den Wettbewerb nicht völlig zum Erliegen kommen zu lassen. Aber solche Reformen werden ohnehin erst in ein paar Jahren helfen – in der laufenden Saison wartet auf die Liga im Titelkampf Langweile.     

Und es könnte sogar noch bitterer kommen als in der letzten Saison, als im Spätherbst zumindest kurz die Illusion eines Titelkampfs aufkam. Aber die dysfunktionale Beziehung zwischen Niko Kovač und der Mannschaft, die für ein paar unansehnliche Partien gesorgt hatte, hat sein Nachfolger Hansi Flick in eine Atmosphäre gewandelt, in der der Eindruck entsteht, dass diese Mannschaft, in der zahlreiche Youngster inzwischen tragende Rollen spielen, erst ganz am Anfang einer Erfolgsgeschichte stehen. Da bedurfte es gar nicht der deprimierenden Nachricht, dass der FC Bayern auf dem Transfermarkt nochmal aktiv werden wird. Ein Flügelstürmer wird wohl noch kommen, dazu ein Rechtsverteidiger.

Aber ungeachtet weiterer Verstärkungen ist kaum vorstellbar, dass der FC Bayern noch brillanter aufspielen kann als gegen den FC Schalke. Und deshalb, vielleicht ein bisschen früh, herzlichen Glückwunsch zur deutschen Meisterschaft 2020/21.

fs

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