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P. Köster: Kabinenpredigt: Die Verantwortung der Fußballprofis: Verzichtet auf Euer Gehalt!

Damit der Profifußball die Coronavirus-Krise übersteht, müssen Klubs, Sponsoren und Fans handeln – und die Fußballprofis, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Robert Lewandowski vom FC Bayern München

Robert Lewandowski vom FC Bayern München gilt als einer der Topverdiener im deutschen Fußball – auch er sollte wegen der Coronavirus-Krise auf einen Teile seines Gehaltes verzichten, meint stern -Stimme Philipp Köster

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Robert Lewandowski, Manuel Neuer, Marco Reus und all die anderen Bundesligaprofis –sie haben in diesen krisenhaften Tagen und Wochen eine große Chance. Gemeinsam könnten sie erkennen, dass sie auch ihren Teil dazu beitragen können, dass der Fußball einigermaßen unbeschadet aus dieser Krise herauskommt. Dieser Teil besteht nicht nur in Appellen und guten Wünschen via Instagram, sondern im Verzicht. 

Solidarität in Zeiten des Cornavirus

Die Profis könnten sich zusammenschließen und erklären, dass sie allesamt auf 15 Prozent ihres Gehalts verzichten. Das Geld würde dann in einen rasch zu bildenden Solidarfonds eingezahlt, der insbesondere den kleinen Klubs zu Gute käme, die durch die Einnahmeausfälle in existentielle Nöte geraten. Ein solcher gemeinsamer Lohnverzicht wäre ein großartiges Zeichen der Solidarität und des Zusammenhalts – und würde ein für alle Mal all jene widerlegen, die in den Profis nur wandelnde Ich-AGs sehen, die ausschließlich auf die eigene Karriere und das eigene Bankkonto starren.

Natürlich sollen die Profis nicht die finanzielle Last nicht alleine trage. Das wird ohnehin nicht gehen, zwischen 850 Millionen und einer Milliarde Euro entgangene Einnahmen bei einem Abbruch der Saison kann niemand allein stemmen, nicht einmal annähernd. Um die schlimmsten Schäden zu mindern, werden die großen und finanzstarken Klubs, ob Bayern, Dortmund oder Mönchengladbach, ebenso in den Solidarfonds einzahlen müssen. Das wird am Montag, wenn sich die Klubs zur Vollversammlung treffen, sicher für harte Auseinandersetzungen sorgen. Am Ende aber werden sich die Schwergewichte an der Bundesligaspitze zur Erkenntnis durchringen, dass ein funktionierender Ligabetrieb der Kern aller Geschäfte ist – und deshalb keiner der Profiklubs in die Insolvenz stürzen darf. 

Sicher wird der eine oder andere Klub auch staatliche Hilfe und Kredite in Anspruch nehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Viele Sponsoren haben bereits angekündigt, nicht auf die Einhaltung der Vereinbarungen pochen zu wollen. Und auch die Anhänger werden die Klubs unterstützen müssen. Darum wiederum muss man sich nicht sorgen: Wer die Fans kennt, weiß, dass den meisten gar nicht in den Sinn kommt, Geld für bereits erworbene Tickets zurückzufordern. Ganz im Gegenteil, als virtuelle Eintrittskarten verkleidete Spenden stehen hoch im Kurs.

So oder so muss der Profifußball jetzt zeigen, dass sie mit Weitsicht handeln können. Wer jetzt nur auf sein eigenes Konto starrt, wird am Ende dafür viel teurer bezahlen, wenn nämlich der Profifußball nicht wieder auf die Beine kommt. Und das bedeutet eben auch: Die Spieler müssen auch ihren Teil dazu beitragen, nicht in vier oder acht Wochen, sondern jetzt. Sie können es und müssen es nur wollen. Tun sie es nicht, wird der Vertrauensverlust ins kickende Personal nahezu irreparabel sein. Die Spieler haben in den letzten zwanzig Jahren wie niemand anderes vom Boom des Profifußballs profitiert – nun ist es Zeit, etwas zurückzugeben. Und es wäre zu raten, dass sie das nicht unter Zwang tun, nicht gedrängt von Funktionären oder der Öffentlichkeit. Sondern gemeinsam und entschlossen und mit dem Bewusstsein, etwas für alle zu tun, die den Fußball lieben. 

Natürlich wünschen wir uns alle, dass der Ball so bald wie möglich wieder rollt. Dafür müssen wir alle jetzt handeln, die Klubs, die Sponsoren, die Fernsehsender, die Fans – und die Profis.

wue

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