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P. Köster: Kabinenpredigt: Wechsel perfekt! Wechsel gescheitert! Modeste - der Mensch, die Ware, das Geschäft

Der absurde Poker um Kölns Stürmer Anthony Modeste zeigt: Im Profifußball geht es inzwischen zu wie auf dem Viehmarkt! Die Anhänger sollten das Theater nicht mitmachen. Fordert stern-Stimme Philipp Köster.

Modeste Wechsel Köln

Modeste umjubelt in Köln - als Mensch, nicht als Anlageobjekt auf zwei Beinen

Die Sommerpause läuft noch, da ist der FC Bayern den ersten Pokal schon los. Früher sorgte der Rekordmeister aus München nämlich stets für die beste Unterhaltung in der fußballlosen Zeit, in diesem Jahr jedoch gebührt diese Auszeichnung eindeutig dem 1.FC Köln und seinem Stürmer Anthony Modeste.

Summen - normal nur noch im System Fußball

Seit vor ein paar Wochen der chinesische Oberklasseklub Tianjin Quanjian mit einer zweistelligen Millionenofferte für den französischen Stürmer um die Ecke kam, gab es all das zu bestaunen, was den modernen Profifußball so schillernd und absurd zugleich aussehen lässt: Mit 35,7 Millionen Euro eine absurde hohe Ablösesumme, eine ganze Armada zwielichtiger Berater, halbgare Steuertricks, dazu ein Stürmer, der nie weg wollte, aber schon beim neuen Klub zum Medizincheck vorbeischaute, und natürlich jede Menge halbgare Boulevardmeldungen, die teils im Stundentakt den Transfer mal als gescheitert, mal als fix und dann doch wieder als gescheitert vermeldeten - und das natürlich stets exklusiv.

Dass Klubfunktionäre wie Kölns Manager Jörg Schmadtke in diesem grotesken Theater mitspielen, kann man ihnen nicht übelnehmen. Was bleibt ihnen anderes übrig? Und auch eine Debatte darüber, ob 35,7 Millionen Euro für einen Spieler wie Modeste gerechtfertigt sind oder nicht, ist wenig ergiebig. Denn klar ist ja: Innerhalb des geschlossenen Systems Profifußball mag der Markt diese Summe hergeben. Außerhalb des Irrsinns, der sich heute Profifußball nennt, sind 35 Millionen Euro eine obszöne Summe, nicht mehr und nicht weniger.

Dass das nicht weiter auffällt, liegt einerseits daran, dass der Modeste-Transfer im internationalen Vergleich eher bescheiden daherkommt. In England werden vergleichbare und höhere Summen schon für mittelmäßige Defensivleute aufgerufen. Und auch in Deutschland bekommt auch niemand mehr Schnappatmung, wenn etwa Mathias Ginter für stolze 17 Millionen von Dortmund nach Gladbach wechselt. Ganz unschuldig sind übrigens wir Anhänger auch nicht. Wir beklagen uns ja gerne und zu Recht über die immer dreistere Ökonomisierung des Sports. Gleichzeitig vertreiben wir uns aber gerne die Sommerpause mit wochenlangen Debatten über Ablösesummen und Gehälter, ganz so, als wäre Fußball nur eine Variante eines Börsenspiels. Spieler tauchen in diesen Diskussionen nicht mehr als Menschen auf, sondern als finanzielle Positionen, reduziert auf Faktoren wie Marktwert, Ausstiegsklausel und Vertragsdauer.

Kölner feieren ihren verlorenen Sohn Modeste

Wie zynisch inzwischen über die Kicker diskutiert wird, wird immer dann besonders augenfällig, wenn ein Spieler nur noch ein Jahr unter Vertrag steht. Dann fordern Anhänger die Klubfunktionäre ultimativ auf, den Spieler möglichst rasch zu verhökern, schließlich würde er in einem Jahr keine Ablöse mehr einbringen. Ganz so, als wären Spieler nur eine spezielle Form von Aktien, die es noch rechtzeitig gewinnbringend abzustoßen gilt. Ein fast humoriger Nebenaspekt: Erstaunlicherweise sind diejenigen, die so kühl kalkulierend daherreden, zumeist in Personalunion auch jene, die lauthals Vereinstreue einfordern und das Söldnertum beklagen, wenn Spieler von sich aus auf die Idee kommen, den Klub zu wechseln. Dann sind ökonomische Aspekte plötzlich nebensächlich, dann soll der Spieler aber mal Charakter beweisen und den Vertrag verlängern.

Wie es anders geht, haben die Fans des 1.FC Köln gezeigt, als sich Anthony Modeste zwischendurch mal beim Training zeigte. Die Anhänger begrüßten den Stürmer wie einen verlorenen Sohn - trotz des ganzen Theaters. Modeste war hier zuallererst Mensch und nicht Ware. Das war zwischendurch schon fast in Vergessenheit geraten.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.