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Pokal-Halbfinale: Bayern-Falle auf dem Schlamm-Acker

Mit Respektlosigkeit will der FC St. Pauli die Bayern vom möglichen Double weggrätschen. Bester Verbündeter: der berüchtigte Stoppelacker am Millerntor. Die Kiezkicker freuen sich auf die "Ballacks, Makaays oder wie die Vögel alle heißen".

Mit den schlechtesten Bodenverhältnissen Hamburgs und einer gehörigen Portion Respektlosigkeit will der FC St. Pauli dem übermächtigen FC Bayern das Double vermasseln. Was den kampferprobten Hanseaten schon auf einem Schlamm-Acker gegen Hertha BSC und in einer Schneeballschlacht gegen Werder Bremen gelang, wollen sie am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) im Pokal-Halbfinale wiederholen.

"Wir freuen uns auf die Ballacks, Makaays oder wie die Vögel alle heißen", sagt Trainer Andreas Bergmann, für den das "Spiel des Jahres" nach dem abgeschriebenen Aufstieg in die 2. Bundesliga gerade recht kommt. "Wir wollen ein Ding bewältigen, das eigentlich utopisch ist."

Über auf dem Acker

Der FC Bayern ist gewarnt, trainiert seit Tagen auf dem schlechtesten Trainingsplatz und hat als Devise für den Rest der Saison "Kämpfen für Olli" ausgegeben. "Er hat den Kopf frei für Pokal und Meisterschaft. Wir wollen zwei Titel holen", sagte Trainer Felix Magath am Dienstag über den Gemütszustand von Nationaltorhüter Oliver Kahn. Magath kann aus dem Vollen schöpfen: Der am Schambein verletzte Michael Ballack wird ebenso wie der angeschlagene Lucio am Millerntor dabei sein. Auch Stürmer Claudio Pizarro, der am Montag wegen eines Infekts behandelt wurde, ist einsatzbereit.

"Wenn wir leichtfertig hingehen und glauben, wir könnten das spielerisch lösen, werden einige Bauklötze staunen", warnt Trainer Magath, der weiß, dass Regionalligisten schon lange unter Profibedingungen trainieren. "Das ist eine Truppe, die von den körperlichen Voraussetzungen mit allen Bundesligisten mithalten kann", behauptet Magath, der die Norddeutschen durch seinen Co- Trainer und ehemaligen St. Pauli-Coach Seppo Eichkorn beim 0:1 am Wochenende in Jena unter die Lupe nehmen ließ.

St. Pauli muss ran, der Verein braucht das Geld

Nach zuletzt schwachen Auftritten in der Regionalliga Nord ist der Pokal für den Ex-Bundesligisten ein enormer Image-Gewinn. Durch den erstmaligen Einzug ins Semifinale hat sich der Kultclub sogar weitgehend entschuldet. Und mit kreativen Aktionen versucht der Stadtteilverein sein Konto noch aufzubessern. So wurden die letzten 50 der begehrten Eintrittstickets nur als Lebens-Dauerkarten für 3910 Euro verkauft.

Bei Erreichen des Endspiels am 29. April in Berlin winkt manchem Regionalliga-Spieler mit der Gesamtprämie die Verdoppelung des Jahreseinkommens. Bisher kassierte jeder 20 000 Euro, dann kämen noch einmal 13 000 hinzu. "Das Gehalt eines Bayern-Spieler würde unseren Jahresetat decken", meinte Bergmann, der von seinen Profis fordert, "mutig und leidenschaftlich" in die Zweikämpfe zu gehen. "Einfach nur Bock haben und dann ran an den Speck, die Bayern haben auch nur zwei Beine", lautet Bergmanns kämpferische Devise. Nicht nur einmal hat er an das legendäre 2:1 vom 6. Februar 2002 erinnert, als St. Pauli den frisch gebackenen Weltpokalsieger in der Bundesliga weggeputzt hat.

Britta Körber und Christian Kunz/DPA / DPA

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