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DFB-Pokal: "Größte Sensation seit Christi Geburt": Saarbrücken feiert Elfmeter-Held Batz und träumt von Berlin

Es war ein historischer Fußball-Abend in der saarländischen Hauptstadt. Der 1. FC Saarbrücken schlägt Fortuna Düsseldorf und steht als erster Viertligist der DFB-Pokal-Historie im Halbfinale. Ganz Fußballdeutschland schaut dabei auf einen Mann: FCS-Keeper Daniel Batz, der im Elfmeterschießen zum Helden wurde.

Daniel Batz Saarbrücken DFB-Pokal

Wuchs im Elfmeterschießen über sich hinaus: Saarbrückens Torwart Daniel Batz

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Dass der DFB-Pokal seine eigenen Gesetze hat, ist als Redensart im Fußball bekannt. Doch die Mannschaft des Regionalligisten 1. FC Saarbrücken bewies am Dienstagabend, dass der Spruch mehr als eine plakative Fußball-Phrase ist. Die Saarländer setzten sich nach einem dramatischen Elfmeter-Krimi mit 7:6 (1:1) gegen Fortuna Düsseldorf durch und stehen als erster Viertligist in der Geschichte des DFB-Pokals im Halbfinale.

Nach dem Spiel brachen bei den Saarbrückern alle Dämme, viele Spieler und Verantwortliche hatten Tränen in den Augen. Doch von Bescheidenheit oder gar Ehrfurcht vor der eigenen Leistung ist keine Spur zu sehen. Stattdessen träumen die Spieler von der ganz großen Sensation und wollen nach Berlin.

Saarbrückens Bollwerk hält lange – Zaka gleicht spät aus

Wie bereits in den vorherigen zwei Runden überzeugte Saarbrücken mit viel Kampf und Einsatz und machte es der Fortuna schwer, einen Spielrhythmus zu finden. Zwar hatten die Rheinländer viel Ballbesitz und einige Gelegenheiten in der ersten Hälfte, konnten diese Überlegenheit aber nicht wirklich nutzen. Hennings scheiterte an FCS-Keeper Daniel Batz (9. Minute) und eine Minute später parierte der der Schlussmann einen Distanzschuss von Jean Zimmer. Die Gastgeber agierten stattdessen aus einer sicheren Defensive heraus und lauerten auf Konter. In der 31. Minute schlug Saarbrücken dann zu: Der ehemalige Fortune Kianz Froese setzte sich im Mittelfeld durch und hatte anschließend das Auge für Tobias Jänicke, der freistehend vor Florian Kastenmeier einschob. Danach lief Düsseldorf immer wieder an, brachte es auf insgesamt 74 Prozent Ballbesitz. Doch der Bundesligist scheiterte ein ums andere Mal an den kompakt stehenden Saarbrückern oder an dessen Torwart Daniel Batz, der später zum Helden der historischen Pokal-Nacht werden würde.

Lange sah es so aus, als würde die Abwehr des 1.FC Saarbrücken halten. Doch als die Sensation in Greifnähe war, schlug Zaka spät nach einer Ecke zu und glich per Kopf für Düsseldorf aus (90. Minute). Es ging in die Verlängerung, in der Düsseldorf es nicht schaffte, das Spiel endgültig zu drehen. Die Entscheidung musste also im Elfmeterschießen fallen.

Daniel Batz wird zum Helden der DFB-Pokal-Nacht

Dort hielt Keeper Daniel Batz vier Elfmeter - auch das hatte es seit Beginn der Datenerfassung noch nicht gegeben. Einen weiteren hatte Batz schon im Spiel gegen Rouwen Hennings pariert (83.). "Fünf Elfmeter - das ist mehr, als ich vorher in meiner ganzen Karriere zusammen gehalten habe", sagte der 29-Jährige, der 2012 ein Bundesliga-Spiel für den SC Freiburg absolvierte, und kündigte vor dem Party-Start an: "Bier vertrage ich nicht so gut. Ich vertrage mehr die Longdrinks. Aber ich werde nicht schlafen."

Vor dem Halbfinale, das am Sonntag ausgelost wird, fürchtet das Gründungsmitglied der Bundesliga niemanden mehr. "Wir haben Bock auf mehr. Wenn man im Halbfinale ist, will man auch ins Endspiel", sagte Torschütze Tobias Jänicke. "Wir wollen unsere Reise fortsetzen", sagte Kwasniok lächelnd: "Wir müssen uns einfach wieder ins Elfmeterschießen retten."

Wegen Free-TV-Statuten: Verlegung nach Mainz?

Bis weit in den Mittwochmorgen hinein feierte der Regionalligist seinen historischen Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. "Das hier ist einfach geiler Scheiß", sagte Trainer Lukas Kwasniok: "Ich habe weinende Erwachsene gesehen, die schon schwere OPs über sich ergehen lassen mussten und viele Schlachten geschlagen haben." Und nun hofft das Saarland auf den ganz großen Coup. Auch der aus Saarlouis stammende Bundesaußenminister Heiko Maas träumt von einem Endspiel am 23. Mai mit dem großen Underdog. "Der Wahnsinn", twitterte der SPD-Politiker: "Ich erwarte euch in Berlin!" Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gratulierte mit den Worten: "Super Leistung. Glückwunsch!" Und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier twitterte, flankiert von drei Emojis: "Saarländer halt."

Ihr Halbfinale wollen die Saarbrücker unbedingt im kleinen alten Stadion in Völklingen austragen - in dem Wissen, dass auch die für Profi-Clubs ungewohnten Bedingungen mit mobilen Flutlichtmasten und fehlender Tribünenseite das Pokal-Märchen ermöglichten. Auf den Hinweis, dass die Partie wegen der Anforderungen für die Live-Übertragung im Free-TV wohl in Mainz stattfinden müsse, sagte Torschütze Jänicke: "Dann kommt halt kein Fernsehen."

fk / Holger Schmidt / DPA

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