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Hooligans und Polizei: "Geht es so weiter, gibt es bald den ersten Toten"

Stuttgarter Hooligans locken Polizisten in einen Hinterhalt. Die Beamten müssen Warnschüsse abgeben. Gewerkschaftler Rainer Wendt sieht eine mögliche weitere Eskalation und kritisiert Politik und DFL.

Fans des VfB Stuttgart haben bei Randalen vor und nach dem Heimspiel gegen Hertha BSC (0:0) zwölf Polizisten verletzt. Im Interview mit der "Welt" spricht der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, von wöchentlicher Lebensgefahr für Polizisten und sieht eine mögliche weitere Eskalation. "Ich habe das Gefühl, dass erst reagiert wird, wenn es den ersten Toten gibt. Und ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann ein Kollege in höchster Not so von der Schusswaffe Gebrauch macht, dass es den ersten Toten gibt", sagt Wendt.

Gewaltbereiche Fans erreiche man nur mit "Justiz und Knast". Er wünsche sich eine Ausweitung der polizeilichen Befugnisse. Wer auffällig werde oder den Anweisungen der Polizei vor dem Stadion nicht nachkomme, solle direkt in Gewahrsam genommen werden können. Auch als Gefährder bekannte Fans sollen bundesweit vor den Stadien in Gewahrsam genommen werden können. Und dass, "ohne dass man sich den Vorwurf gefallen lassen müsse, hier die Menschenrechte zu verletzen".

Auch die DFL und Bundesliga-Vereine kritisiert Wendt. In den "Champagner-Etagen des Fußballs" werde man ohnehin nur sagen, die meisten Fans seien doch friedlich. Dabei sehe er einen Wandel des "Volkssports Fußball" zum Sport "Wir prügeln uns mir der Polizei". Die Fanprojekte der DFL würden die gewaltbereiten Stadiongänger ohnehin nicht erreichen.

Polizei in Hinterhalt gelockt

Am Freitagabend hatte eine Gruppe aus rund 80 Menschen eine Streife in Stuttgart in einen Hinterhalt gelockt, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Polizei am Samstag. Einer der Beamten habe drei Signalschüsse abgegeben, um Kollegen auf die Situation aufmerksam zu machen. Die Angreifer seien geflüchtet. Die beiden Streifenpolizisten erlitten den Angaben nach Wunden am Kopf durch geworfenen Steine, einer musste im Krankenhaus genäht werden.

Schon vor Beginn des Spiels hätten Beamte Gästefans auf dem Weg zum Stadion vor Stuttgarter Anhängern schützen müssen, sagte ein Sprecher. Die Polizisten seien von fliegenden Flaschen und Böllern verletzt worden. Zudem hätten die Randalierer an gut einem Dutzend Streifenwagen Seitenspiegel ab- oder Fenster eingeschlagen. Der Schaden gehe in die Tausende.

fin/tis mit Material von DPA

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