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Post für Podolski: Poldi, mach die Schatulle auf!

Jeden Tag gibt es "neue" Meldungen über Lukas Podolski: Mal geht er zum HSV, dann wieder zum AS Rom. Über allem aber steht das Gebuhle seines Herzclubs aus Köln. Das alles nervt eigentlich nur noch, weil nichts Konkretes dabei ist. Dabei liegt die Lösung doch so nah.

Von Klaus Bellstedt

Lieber Lukas,

das mal schnell vorneweg: Ich bin ein großer Fan von Dir. Man kann nur ein großer Fan von Dir sein. Dafür gibt es soviele gute Gründe: Du hast den besten linken Fuß der Welt. Keiner streichelt die Kugel mit links so schön wie Du. Aber es ist auch die Kombination aus Gefühl und Kraft. Klar ist ja wohl, dass keiner solch einen Wumms im linken Schlappen hat wie Du.

Na gut, was das Spielverständnis betrifft, gibt's bei Dir noch Nachholbedarf, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und das Laufen wirst Du auch nicht mehr lernen. Du bist ein fauler Sack auf dem Platz, Lukas. Und wenn schon! Das Sommermärchen hast Du mitgeschrieben, und für Deine Humba mit den deutschen Fans bei der EM nach dem Sieg über Portugal in Basel lieb ich Dich ein Leben lang. Was Dich sonst noch so einzigartig macht? Du bist ne echte kölsche Jung, trägst Dein Herz auf der Zunge. Deine Interviews sind nie unfallfrei, aber sie sind authentisch, fast schon legendär.

Gut, Dein Wechsel zu den Bayern hat mir als Nordlicht, also als halber Rheinländer, weh getan. Sympathiepunkte hat er aber natürlich nicht gekostet. Im Gegenteil: Deine "Banklehre" bei den Münchnern tat mir in der Seele weh, Samstag für Samstag habe ich mit Dir gelitten. Tiefstes Mitleid stieg bei mir um Punkt 15.30 Uhr hoch, wenn auf dem Spielberichtsbogen mal wieder Dein Name nicht in der Startelf stand. Ich dachte mir, der Poldi ist ja nicht dumm. Der ist zwar sicher keine Intelligenzbestie, aber der regelt das schon. Der wird bei Uli. H. vorstellig und bettelt zur Winterpause um die Vertragsauflösung. Hoeneß ist zwar ein Hardliner, aber er ist menschlich ne Glatte eins. Mit dem Bayern-Manager hättest Du das regeln können.

Das neue Jahr ist jetzt eine Woche alt. Und ich muss Dir sagen, lieber Lukas, ich bin derzeit nicht mehr so gut auf Dich zu sprechen. Genauer gesagt: Du nervst mich nur noch. Jeden Tag gibt es neue Meldungen über Dich. Das genau ist das Problem. Über Dich, nie von Dir selbst. Vorgestern hieß es, Du gehst zum HSV. Gestern plötzlich berichtest Du vom Interesse des AS Rom. Mal ehrlich, Lukas. Was willst Du denn bei den Pfeffersäcken von der Elbe? Du passt doch gar nicht zu den piekfeinen Hamburgen. Stell Dir nur mal vor: Du mit HSV-Boss Bernd Hoffmann im Büro... da krieg ich ne Gänsehaut. Ich bitte Dich, Du in Rom: Wie soll das gehen? Du weißt vielleicht, was "Spacks Bolo" ist, aber bei Spaghetti Frutti di Mare musst Du doch schon Deinen Kumpel und Berater Kon Schramm fragen, wonach die Pasta schmeckt.

Nein, nein, nein, mein lieber Lukas. Bitte erlös uns jetzt endlich und erzähl nich sonnen Driss. Über allem schwebt doch Deine große Liebe, der FC. Dein Haus- und Hofclub, der Club, in dessen Bettwäsche Du Dich jede Nacht kuschelst, möchte Dich unbedingt und sofort zurückholen. Christoph Daum und Michael Meier würden alles tun, sie würden wahrscheinlich sogar Hennes den VIII. zum Schlachter bringen, damit Du wieder am Rhein kickst. Und Du willst es doch auch. Sag jetzt bitte nicht, die müssen sich wegen des Geldes erst noch einigen.

Zehn Millionen sind viel, aber die bist Du nun mal wert. Wenn die Kölner nur sieben zusammenkriegen, dann lieber Lukas bitte ich Dich, den Restbetrag aus Deiner eigenen Schatulle zu zahlen. Damit würdest Du Dich endgültig unsterblich bei mir machen - und bei allen anderen Fans in Deutschland auch. Jeden Abend singst Du vor dem Zubettgehen Deine Lieblings Heimweh-Hymne "Isch mööt zu Fooß nach Kölle jon, dat es de Sproch, die ich verstonn", ja aber dann mach jetzt auch mal endlich voran und verschon uns mit den ewigen Unklarheiten. Ich will doch Fan von Dir bleiben.

Dein Klaus

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