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Premier League: Auch in England gibt's ein Hoffenheim

Vor zehn Jahren war Hull City Tabellenletzter in Englands fünfter Liga. Vor dem zehnten Spieltag in der Premier League am Mittwoch rangiert der Underdog plötzlich auf Platz drei, punktgleich mit Ballacks Starensemble vom FC Chelsea. Im Gegensatz zu Hoffenheim wurde Hulls Höhenflug aber nicht generalstabsmäßig geplant.

Die "Tiger" sind los in Englands Premier League. Das kleine Hull City, diese Saison zum ersten Mal in der 104 Jahre alten Vereinsgeschichte erstklassig, galt als Abstiegskandidat Nummer Eins und Kanonenfutter für die Spitzenclubs. Doch jetzt mischt City, gewissermaßen Englands Hoffenheim, die reichste Liga der Welt auf.

Vor dem zehnten Spieltag rangiert der krasse Außenseiter punktgleich mit Michael Ballacks Millionentruppe FC Chelsea auf Rang drei. Nur dank des besseren Torverhältnisses halten die edlen "Blues" aus London die Provinzlinge im schwarz-gelb gestreiften Dress auf Distanz. Der Besuch von Chelsea, bei denen der DFB-Kapitän nach seiner Fuß-Operation noch mindestens bis Mitte nächster Woche fehlt, in Hulls "KC-Stadion" an diesem Mittwoch wird überraschend zur knisternden Angelegenheit.

Leidenschaftlicher Coach permanent in Bewegung

"Tigers"-Trainer Phil Brown hat nach dem "Traumstart" alle Mühe, seine Überraschungself auf dem Boden zu halten. "Nach dem nächsten Match haben wir in jedem Fall 20 Punkte aus zehn Spielen", rechnet der 49-jährige Coach vor, dessen Cheftrainer-Karriere vor seinem Amtsantritt bei Hull Ende 2006 lediglich aus sieben unglücklichen Monaten mit Derby County bestand, "das ist Champions-League-Form. Aber es ist nur Form, die kann vergehen."

Für Brown hat Hulls Höhenflug, der im Gegensatz zu Hoffenheim weder generalstabsmäßig geplant noch mit großem Geld bewerkstelligt wurde, vor allem mit dem "Stolz-Faktor" zu tun. "Wir haben bewiesen, dass wir in Stadien wie Newcastles St. James' Park oder Arsenals Emirates auftreten und uns nicht nur behaupten, sondern sogar gewinnen können", so der leidenschaftliche Coach, der am Spielfeldrand ebensoviel in Bewegung ist wie seine Spieler auf dem Platz.

Vielversprechende Transfers

Dabei ist Hulls Aufstieg nicht weniger atemberaubend als der von Hoffenheim. Vor zehn Jahren waren die "Tigers" "Schlusslicht" in Englands fünfter Fußballklasse. Noch vor acht Jahren klopfte der Gerichtsvollzieher mit einem Pfändungsbrief ans alte "Boothferry Park"-Stadion. Doch danach legte Hull den drittschnellsten Durchmarsch der englischen Fußballgeschichte hin.

Dabei halfen die für englische Verhältnisse eher bescheidenen Mittel neuer Eigentümer - seit Juni 2007 der frühere Medienmanager Paul Duffen - und glückliche Spielereinkäufe oder -ausleihen. Der frühere Barcelona- und Benfica-Lissabon-Star Geovanni schlug mit vier Treffern ebenso ein wie der von den Glasgow Rangers gewechselte Stürmer Daniel Cousins und der von den New Boys Bern ausgeliehene Verteidiger Kamil Zayatte mit jeweils einem Treffer.

Chelsea hofft auf Joe Cole

Ballacks Chelsea ist gewarnt. "In der Premier League gibt es keine leichten Gegner", betone "Blues"-Trainer Luiz Felipe Scolari, für dessen Elf am Sonntag mit einer schmerzlichen.0:1-Niederlage gegen den neuen Tabellenführer FC Liverpool die Rekord-Heimserie von 86 Partien ohne Niederlage endete. Chelsea, das auf die Rückkehr von Angreifer Joe Cole hofft, hat allen Grund, Hull nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die "Tigers" brachten bereits den übrigen Londoner Clubs FC Fulham, Tottenham Hotspur, Arsenal und West Ham United bittere Schlappen bei.

DPA/kbe

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