Premiere-Chef "Mich stört die Sportschau enorm"


Mit viel Tamtam hat sich der Bezahlsender Premiere auf der Fußball-Bühne zurückgemeldet und sich frühzeitig für die nächste Verhandlungsrunde um die Fernseh-Rechte in Position gebracht. Premiere-Chef Kofler heizte gleichzeitig die ewige Debatte um die "heilige Kuh" Sportschau an.

"Es wird interessant sein zu sehen, ob Deutschland die rückständige Struktur beibehält. Dann sind die Erlöschancen weiterhin beschränkt", sagte Premiere-Chef Georg Kofler am Donnerstag in München mit Blick auf den Spagat zwischen Bundesliga im Free- und im Pay-TV. Gleichzeitig kurbelte er für das von November an geplante Bieterverfahren für die Rechte ab der Spielzeit 2009/2010 die ewig heiße Diskussion um die "heilige Kuh" Sportschau an. "Mich stört die Sportschau enorm. Die Sportschau ist ein heftiger Bremsklotz", sagte Kofler eine Woche vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison.

Der Rückkauf der Bundesligarechte von arena, wofür Premiere pro Saison 100 Millionen Euro zahlt, machte sich für den Sender schnell deutlich bemerkbar. Seit dem Erwerb der Sublizenz für die Live-Rechte vor knapp zwei Wochen seien 45 000 Bundesliga-Abos verkauft worden. 10 bis 15 Millionen Euro legt Premiere für seine verstärkten Werbe- und Vertriebs-Aktivitäten auf den Tisch. Bis Ende August will Premiere 200 000 Bundesliga-Abos verkaufen. "Wir können heute schon feststellen, dass der Vermarktungsstart von Premiere in die neue Bundesliga-Saison geglückt ist", sagte Kofler, der die Abo-Prognosen aber nicht anheben mochte. Bis zum Ende des Jahres sollen es 3,75 Millionen eigene Kunden sein, ein Jahr später dann 4,75.

Kofler hofft auf 1 - 1,5 Millionen neue Abos

Premiere überträgt alle 612 Spiele der 1. und 2. Bundesliga live, im Zusatzpaket sind es dann mit internationalen Begegnungen über 1200. Als Experten engagierte der Sender unter anderem DFB- Sportdirektor Matthias Sammer sowie die Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus und Stefan Effenberg für die am 10. August mit der Partie des Meisters VfB Stuttgart gegen den Vorjahreszweiten Schalke 04 beginnende Spielzeit. "Ich freue mich auf die neue Saison und auf die neue Attraktion FC Bayern", sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, der für die nächste Verhandlungsrunde die Bedenken Koflers verstehen kann. "Knackpunkt ist immer die Sportschau. Fast ein politisches Thema", sagte Beckenbauer.

Koflers Kalkulation für den nächsten Verhandlungs-Poker: Durch eine Sportschau nicht vor 22.00 Uhr, was die ARD selbst ausschließt, hofft er auf 1 bis 1,5 Millionen neue Abos. Dann könnte man den Rückstand, den die Bundesliga bei den Pay-TV-Einnahmen im Vergleich zu anderen europäischen Spitzenligen hat, verringern. Ob der Südtiroler aber tatsächlich auf der Forderung des vergangenen Bieterverfahrens, als der Zuschlag an den Rivalen arena ging, beharren wird, ließ Kofler offen. "Wir werden uns differenziert auf die Angebote der Liga einstellen", erklärte der 50-Jährige.

Bundesliga-Einzelabo kostet knapp 20 Euro

Der Platzhirsch Premiere hatte die Bundesliga-Rechte vor anderthalb Jahren in einem spektakulären Wettbieten an den Neuling arena, der 220 Millionen Euro pro Saison zahlt, verloren. Allerdings musste arena nach nur einer Saison und hohen Anlaufverlusten die eigene Berichterstattung aufgeben. Der neue Sender, hinter dem der Kabelanbieter Unitymedia steht, reicht die Live-Rechte an Premiere weiter. Auch arena sendet weiter die Bundesliga-Spiele live, allerdings wird das Programm von Premiere übertragen.

Das Bundesliga-Einzelabo kostet in Kabel und Satellit knapp 20 Euro. Übertragen wird auf einem eigenen Premiere-Fußball-Kanal. Der Preis wird für die kommenden zwei Jahre nach Unternehmens-Angaben wahrscheinlich konstant bleiben.

DPA/kbe


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