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Premiere von "Die Mannschaft" Ein Denkmal für die Weltmeister


In Berlin feierte der Film "Die Mannschaft" im Beisein der Protagonisten Premiere. Die Dokumentation des WM-Triumphes besticht durch wenig Pathos und vor allem durch unvergessliche Bilder.
Von Mathias Schneider

Schon Stunden vor der eigentlichen Premiere sind die ersten Menschen in das Sony-Center geeilt, um einen Blick auf einen der Helden zu erhaschen. Sie sind ja schon jetzt so etwas wie, nun ja lebende Legenden - Lahm, Schweinsteiger, Neuer, Klose und natürlich Götze. Noch einmal eintauchen in jene Stimmung des Triumphes, wo doch der Alltag einen jeden bereits wieder fest in seinen Klauen hat - Fans wie Dortmunder. Wer sehnt sich da nicht nach Sonne und Sieg. Die Premiere von "die Mannschaft", jener Dokumentation über den magischen Brasilientrip dieser Nationalmannschaft (ab Donnerstag im Kino), kam da gerade zur rechten Zeit.

Alle schritten sie über den roten Teppich, von Löw bis Bierhoff, von Khedira bis Lahm. Mancher kam mit, andere ohne Partnerin (der Dortmunder Hummels musste gar auf seine Autogramme schreibende Freundin Cathy Fischer warten). Ein bisschen gekreischt wurde auch von einigen Teenies, wie sich das gehört.

DFB-Präsident Niersbach erinnert an Enke

Bevor es dann endlich losging mit dem rund 90-minütigen Werk, musste natürlich zunächst noch ein bisschen weitergeehrt werden. Schon am Nachmittag hatte die Elf ja im Schloss Bellevue das silberne Lorbeerblatt erhalten. Nun stand Fifa-Präsident Sepp Blatter auf der Bühne des Kinos und mochte es sich nicht nehmen lassen, ein sogenanntes Abzeichen zu überreichen, das die Elf nun bis zur nächsten WM wie einen Orden auf dem Trikot tragen darf. "Die attraktive und offensive Spielweise der Mannschaft steht symbolisch für ein weltoffenes, sympathisches Deutschland, dem die Menschen überall mit Anerkennung, Respekt und Zuneigung begegnen", sagte Blatter. Braver Beifall, dann steuerte der Abend auf seinen Höhepunkt hin.

Es war nicht die gleich beginnende Weltpremiere.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erinnerte vielmehr in die allgemeine Heiterkeit hinein, dass sich genau an jenem 10. November zum fünften Mal der Todestag Robert Enkes jährte. Es war ein wichtiger Moment an einem Abend der Sieger. Nur so bewahrte der Verband seine Glaubwürdigkeit bezüglich seines sozialen Engagements. Im Sieg.

Löw schlachtbereit vor dem Halbfinale

Dann ging es los, und um es vorweg zu nehmen: Ulrich Voigt, Martin Christ und Jens Gronheid haben die große Chance, ein bleibendes Werk über die Genese des vierten Sterns zu schaffen, mit routinierter Sicherheit verwandelt. Ein Blick durchs Schlüsselloch der Nationalmannschaft sollte es sein und tatsächlich bestach das über weite Strecken chronologisch und ohne eine Erzählstimme auskommende Stück immer wieder durch Intimität, vor allem aber spektakuläre Aufnahmen. 25 Stunden Bildmaterial hatte der DFB in den fünf Wochen von Südtirol und Brasilien zusammengetragen, die Kamera, sie fuhr immer mit.

Die Höhepunkte des 90-minütigen Destillats: Müller im Dirndl nach verlorener Wette; Löw, wie er in der Ansprache vor dem 7:1 gegen Brasilien seine Elf mit einem zischenden wie schneidenden Ton einschwor: "Wir machen alles zusammen, wir fighten so lange, bis wir in Rio sind. Wir treten auf wie Gewinner." Man hatte ihn nie so schlachtbereit erlebt. Davor hatte schon Lahm vor dem USA-Spiel durch die Kabine gedonnert: "Wir gehen raus und hauen die weg. Wenn wir das Tempo hochhalten, gibt es nur einen Sieger."

Wie Khedira Lahm nach hinten verdrängte

Selbst die heiklen Momente der Mission wurden mit sanftem Weichzeichner in das Werk gefügt. Der Autounfall in Südtirol, die taktische Umstellung vor dem Viertelfinale gegen Frankreich, als Sami Khedira Kapitän Lahm aus dem Zentrum auf die rechte Außenbahn zurück drängte. Und das leicht codiert in einem eingespielten O-Ton auch durchaus deutlich machte.

Am Ende fügt sich all das in einen eher ruhigen Film; manches fiel der Schere zum Opfer in einem Arbeitsprozess, in dem vom Kanzleramt bis zur Fifa ein jeder seine Mitsprache forderte. Schade ist das. Das Schlüsselloch wird dadurch kleiner, manche Einspielung vom Trainingsplatz oder aus dem Team-Camp ist beschaulich, wirklich überraschend ist sie nicht. Weniger Gänsehaut-Momente als erwartet sind die Folge, dafür kommt der Film angenehm unprätentiös und nicht mit Pathos überladen daher. Und passt damit zum Geist der Elf.

Ein Sommer zum Verlieben

"Die Mannschaft" wird nie mehr so sein wie zuvor. Ohne Klose, Lahm und Mertesacker. Schon deshalb lohnte es sich, ihr nach einem Sommer zum Verlieben ein Denkmal zu setzen.

Geschafft.


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