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Florian Fromlowitz über Robert Enke: "Nach Roberts Tod habe ich nicht mehr funktioniert"

Florian Fromlowitz war Ersatzkeeper von Robert Enke bei Hannover 96, als dieser sich vor fünf Jahren das Leben nahm. Für die "11 Freunde" hat er aufgeschrieben, was Enkes Tod für ihn bedeutete.

Besucher stehen in der Ausstellung "ROBERT gedENKEn - unser Freund und Torwart" im Landesmuseum in Hannover. Sie ist noch bis zum 11. November geöffnet.

Besucher stehen in der Ausstellung "ROBERT gedENKEn - unser Freund und Torwart" im Landesmuseum in Hannover. Sie ist noch bis zum 11. November geöffnet.

Vor fünf Jahren setzte Nationaltorwart Robert Enke seinem Leben ein Ende. Der Torwart von Hannover 96 warf sich bei Hannover vor einen Zug und hinterließ seine Frau Teresa und Tochter Leila. Der Suizid des 32-Jährigen versetzte dem deutschen Fußball einen Schock – die Anteilnahme damals war groß. 35.000 Menschen nahmen an einem Trauermarsch durch Hannover zum Stadion teil, wo eine große Trauerfeier stattfand.

Robert Enkes Ersatztorwart hieß damals Florian Fromlowitz. Der junge Keeper stand für ein Jahr als Nachfolger Enkes im Tor der Niedersachsen, bis ihn Trainer Mirko Slomka auf die Bank verbannte. In der Folge ging es mit der Karriere des ehemaligen U21-Nationalspielers bergab – nach Stationen in Duisburg und Dresden ist er heute Ersatzkeeper beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden.

In einem sehr persönlichen Beitrag für das Fußball-Magazin "11Freunde" hat Fromlowitz aufgeschrieben, wie er die Tragödie erlebte und welche Folgen sie für sein Leben und seine Karriere hatte. Er beschreibt Robert Enke als ruhigen, in sich gekehrten Menschen, mit dem er ein gutes Verhältnis hatte. Er, der junge Ersatzkeeper, will vom besten Torwart Deutschlands lernen. Sie trainieren zusammen, Enke ist freundlich und gibt gute Tipps.

Schock, Trauer und Karriereabstieg

Was folgt, ist der erste Schock über die Todesnachricht ("Alles war leer, ich fühlte mich wie in Trance"), der durch die tiefe Trauer abgelöst wird ("Ich weinte und weinte"). Fromlowitz beschreibt seine Schwierigkeiten, mit der Trauer umzugehen, er sucht Hilfe bei einem Psychologen. Der Mannschaft gelingt wie durch ein Wunder der Klassenerhalt. Die Spieler rücken zusammen, es entwickeln sich Freundschaften, die selten sind im Profi-Fußball.

Doch ein Jahr später beginnt für Fromlowitz der sportliche Abstieg. Ron-Robert Zieler löst ihn als Stammkeeper ab. Heute zieht Fromlowitz das Fazit: "Ich habe offenbar nicht mehr funktioniert. Jedenfalls aus Sicht meiner Trainer." Dennoch ist er heute mit sich im Reinen: "Früher dachte ich: Zeig niemals Schwäche, sei nie zufrieden. Heute denke ich, dass ich einen Beruf ausübe, von dem ich immer geträumt habe."

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

tis

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