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Rassismus-Vorwürfe: Jermaine Jones macht einen Rückzieher

Der Wechsel von Fußball-Profi Jermaine Jones von der deutschen in die US-Nationalmannschaft hat rein sportliche Gründe. In einem Interview der US-Zeitung "New York Times" war der Schalker Mittelfeldspieler mit Rassismus-Vorwürfen zitiert worden.

"Mit Rassismus hat das Ganze nichts zu tun. Ich glaube nicht, dass man blonde Haare und blaue Augen haben muss, um für Deutschland zu spielen", erklärte Jones am Montag auf der Internetseite des FC Schalke 04. Mit dieser Darstellung setzte sich der dunkelhäutige Fußball-Profi gegen einen Beitrag in der "New York Times" zur Wehr, in dem sein Wechsel mit rassistischen Hintergründen in Zusammenhang gebracht worden war. Jones teilte mit, dass er von der Zeitung falsch zitiert worden sei. "Rassismus-Vorwurf wäre Quatsch! Jones widerspricht Times-Interview", hieß es auf der Schalke-Homepage www.schalke04.de.

"Als wir über mögliche Gründe für meine anhaltende Nichtberücksichtigung durch den Deutschen Fußball-Bund gesprochen haben, kam der Journalist nach ein paar anderen Überlegungen auf das Thema Hautfarbe zu sprechen. Da habe ich genau das Gegenteil von dem gesagt, was im Artikel zu lesen ist", erläuterte der 27-Jährige, der drei Länderspiele für Deutschland bestritt. Durch eine falsche Wiedergabe seiner Aussagen sei der Eindruck entstanden, Jones' Nichtberücksichtigung durch den DFB sei rassistisch motiviert. "Das wäre völliger Quatsch", sagte der Spieler jetzt.

Sachliche Unkorrektheiten

Jones hatte mit seinem Interview-Partner eine Autorisierung seiner Zitate vereinbart, "weil ich sichergehen wollte, dass ich mich richtig ausgedrückt habe und meine Aussagen nicht missverstanden worden sind". Doch eine zugesicherte E-Mail sei ausgeblieben. Stattdessen habe die renommierte Zeitung einen Artikel "mit einigen sachlichen Unkorrektheiten" veröffentlicht, teilte Schalke mit.

In einen falschen Zusammenhang sei die Jones-Aussage "I don't have a good feeling about stuff in Germany" gestellt. Sie erwecke den Eindruck, der Schalker würde sich in Deutschland nicht mehr wohlfühlen. "Diese Aussage bezog sich einzig und allein auf meine Einschätzung auf meine Chancen in der Nationalmannschaft", sagte Jones. Es tue ihm sehr leid, "wenn durch den Artikel ein falscher Eindruck entstanden ist. Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl und hätte liebend gerne weiterhin für die Nationalmannschaft gespielt. Aber Bundestrainer Joachim Löw hat sehr deutlich gemacht, dass er nicht mit mir plant", ließ Jones wissen.

Kritik von Magath

Der Schalker hatte den DFB in der vergangenen Woche von seinen Wechselabsichten informiert. Jones hat die deutsche Staatsbürgerschaft und die der USA. Da er noch in keinem Pflichtspiel für die DFB-Auswahl eingesetzt wurde, hat er gemäß den neuen Statuten des Weltverbands Fifa die Möglichkeit, künftig für die USA zu spielen.

Unterdessen hat Felix Magath, der neue Trainer des Fußball- Bundesligisten FC Schalke 04, in der Tageszeitung "Welt" Jones für den Wechsel kritisiert. "Ich werde mit Jones ein Gespräch zu diesem Thema führen", sagte Magath. "Ich hätte mir gewünscht, dass er so eine weitreichende Entscheidung nicht im Urlaub trifft. Im Juli wäre auch noch Zeit dafür gewesen."

Magath wurde von Jones nicht über dessen Pläne informiert: "Mir ist ehrlich gesagt gar nicht klar gewesen, dass sich das Statut geändert hat und man nun für ein Land spielen kann, wenn man schon für eine andere Nationalmannschaft im Einsatz gewesen ist." Der Coach fürchtet wegen der langen Reise um die Fitness seines Akteurs: "Für den Spieler hat diese Wahl Nachteile. Er wird für seine Länderspiele um die halbe Welt reisen müssen. Das steckt man vielleicht zwei-, dreimal weg, aber auf Dauer bleibt davon etwas in den Kleidern hängen. Er wird mehr auf sich achten müssen, mehr Regeneration benötigen", glaubt Magath.

Rainer Kalb/SID / SID

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