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Schalke erkämpft Remis gegen Galatasaray: Ein Lebenszeichen in der Krise – mehr nicht

Schalke hat mit dem 1:1 gegen Galatasaray Istanbul die Chance gewahrt, ins Champions-League-Viertelfinale einzuziehen – mehr nicht. Die Krise ist noch längst nicht überwunden.

Von Tim Schulze

Zu früh gejubelt? Jermaine Jones erzielt gegen Galatasaray Istanbul den wichtigen Ausgleichstreffer und kassiert eine Gelbsperre für das Rückspiel.

Zu früh gejubelt? Jermaine Jones erzielt gegen Galatasaray Istanbul den wichtigen Ausgleichstreffer und kassiert eine Gelbsperre für das Rückspiel.

Das Stadion von Galatasaray Istanbul, die Türk Telekom Arena, ist bekanntermaßen eines der lautesten Stadien Europas. Die türkischen Fans gelten als gnadenlos leidenschaftlich. Messungen haben angeblich ergeben, dass die Dezibel aus den Kehlen der Anhänger die Werte eines startenden Düsenjets erreichen. Deshalb bediente sich Schalke-Trainer Jens Keller vor dem Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale eines Tricks, um sein Team auf die Partie vorzubereiten. Manager Horst Heldt verriet, dass der Coach die extreme Akustik mit Hilfe von Lautsprechern im Training simuliert habe. Die Spieler sollten wissen, was da auf sie zukommt – und es hat gewirkt, zumindest ein bisschen.

Während der 90 Minuten brach immer wieder ein gellendes Pfeifkonzert über die Königsblauen herein. Doch das krisengeschüttelte Team ließ sich nicht aus der Fassung bringen und zeigte eine kämpferische und spielerisch gute Leistung, die mit einem verdienten 1:1-Unentschieden belohnt wurde. Sogar ein Sieg wäre am Bosporus möglich gewesen, wenn die Königsblauen sich nicht durch eigene Fehler immer wieder in die Bredouille gebracht und die eigenen Torchancen besser genutzt hätten. Doch dafür ist das ganze Schalker Gebilde noch zu fragil, auch das wurde an diesem Abend in der Türk Telekom Arena mehr als deutlich.

Zum Glück für Schalke sind die Türken schwach

Beide Teams begannen mit viel Offensivdrang. Es entwickelte sich ein temporeiches Spiel mit Vorteilen für die Schalker, die sich vor allem in der ersten Halbzeit durch Huntelaar, Bastos, Farfan und den jungen Draxler auf der Spielmacherposition bessere und zahlreichere Torchancen herausspielten. "Wir waren sehr aggressiv, sehr engagiert. Das war eine Mannschaftsleistung, wir haben sehr kompakt gearbeitet und auch fußballerisch sehr viele Dinge richtig gemacht", stellte der zufriedene Trainer danach fest. Schließlich war es in den vergangenen Spielen nicht immer so, dass seine Mannschaft seine Anweisungen umsetzte.

Doch so stark sich Schalke in der Offensive präsentierte, so schwere und anfängerhafte Fehler beging das Team in der Abwehrarbeit. Ballverluste, Fehlpässe und Stellungsfehler – Schalke hatte Glück, dass der Gegner wenig daraus machte und gemessen am Champion-League-Maßstab höchstens durchschnittlich daherkommt - trotz so prominenter Neuverpflichtungen wie Didier Drogba oder Wesley Snejder. Schalke lud die nicht sehr kreativen Türken geradezu zum Toreschießen ein. Ein Fehlpass von Neustädter und ein technisches Kabinettstückchen durch Burak Yilmaz führten folgerichrichtig trotz Schalker Überlegenheit zum Rückstand in der 12. Minute.

Schalke fiel aber nicht auseinander, sondern spielte konsequent weiter. Jones schloss einen Konter über Farfan kurz vor dem Pausenpfiff mit dem Ausgleich erfolgreich ab. Es war hochverdient. Im zweiten Durchgang verflachte das Spiel, erst in der Schlussphase drehte Galatasaray noch einmal auf, war aber im Torabschluss zu harmlos. Die Aussichten der Schalker, ins Viertelfinale einzuziehen, sind jetzt gut.

Lehmann ledert gegen Jones

Wird jetzt also wieder alles gut im emotionalsten und hysterischsten Club Deutschlands? In dem Verein, der sich in den vergangenen Wochen, wie es Tradition auf Schalke ist, konsequent in die Krise manövrierte? Es bleiben Zweifel. Das erhellt eine Anekdote nach dem Spiel, die viel über die unterschiedlichen Sichtweisen aussagt, die man über diese Mannschaft und das Spiel gegen Galatasaray haben kann. Da stand Torschütze Jermaine Jones vor den Kameras und plauderte etwas selbstgefällig daher: Sie seien "sehr zufrieden" und hätten nur "kleine Fehler gemacht". Wegen der dummen Gelbsperre im Rückspiel mache er sich keine Sorgen: "Ich hoffe, dass die Jungs das zuhause biegen werden, dann kann man die Gelbe verschmerzen."

Die Aussage brachte einen ehemaligen Schalker schwer in Rage. Jens Lehmann, der bekanntermaßen früher mal zehn Jahre auf Schalke spielte und 1997 maßgeblich am Gewinn des Uefa-Pokals beteiligt war, saß in der Expertenrunde des TV-Senders "Sky" und lederte los: "Ich glaube an gar nichts mehr. So wie Jones redet, hat er das Rückspiel schon gewonnen. Man sollte irgendwann auch mal schlauer reden nach einem Spiel. Und wenn er jetzt schon meint, dass das Rückspiel schon gewonnen ist, dann geht das eh schief. Das ist einfach zu wenig. So ein Spiel muss man dann eigentlich gewinnen. "

Da hat Jens Lehmann recht.

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