HOME

Königliche in der Krise: "Ich schmeiße dich raus!" - "Perfekt, zahl mich aus!" - Sergio Ramos sucht mit Real Madrid den Neuanfang

Man stelle sich vor, der FC Bayern bliebe in diesem Jahr ohne Titel. Der Zoff, die Schuldzuweisungen, die Debatte - kaum auszudenken. Genau so ist es derzeit bei Real Madrid. Teamcaptain Sergio Ramos provozierte seinen Rausschmiss - und forciert jetzt den Neustart.

Sergio Ramos geht bei Real Madrid voran

Umstritten, streitbar, vorangehend: Sergio Ramos will nach einem Riesen-Zoff bei Real Madrid den Neustart initiieren.

Getty Images

Wenn Real Madrid an diesem Abend in der spanischen Liga bei Real Valladolid antritt, dann ist das so etwas wie ein erster zaghafter Schritt zu einer Erneuerung. Denn die Königlichen sind am Boden. Seit der 1:4-Heimpleite gegen Ajax Amsterdam in der Champions League am vergangenen Mittwoch ist klar, dass es in dieser Saison keinen Titel geben wird. Die Nerven liegen blank, es gab einen Riesenzoff, der umstrittene Teamcaptain Sergio Ramos soll sogar seinen Rausschmiss provoziert haben, um nun die lahmenden Fußballmillionäre auf darauf einzuschwören, wenigstens die Ehre zu retten.

Die Erschütterungen in den vergangenen Tagen aber waren heftig. Spanischen Medien zufolge soll Real-Präsident Florentino Pérez der Mannschaft vehement die Leviten gelesen haben, "beschämend" sei der Auftritt gegen Ajax gewesen, wird der 72-jährige zitiert. Das habe Ramos nicht hinnehmen wollen: "Was wirklich beschämend ist, war die sportliche Planung", entgegnete der 32-jährige Abwehrchef mit Blick auf den Fakt, dass im Sturm bislang kein passender Ersatz für den nach Turin gewechselten Superstar Cristiano Ronaldo verpflichtet wurde.

Real Madrid: Club-Boss wütet gegen Ramos

Pérez ist Widerworte nicht gewohnt. "Ich schmeiße Dich raus!", soll  er ungehalten gebrüllt haben. Ramos daraufhin: "Perfekt. Zahl mich aus und ich gehe." Selbstbewusst fügte er hinzu: "Ich habe alles für dieses Wappen gegeben, für diesen Club und auch für Dich." Das zeigte offenbar Wirkung: Bisher wurde ihm jedenfalls nicht gekündigt. 

Der stark tätowierte Verteidiger, der seit 2005 bei "Los Blancos" unter Vertrag steht, gilt als Enfant terrible des Starensembles und ist wegen seiner harten Spielweise berühmt-berüchtigt. Beim Rückspiel gegen Ajax war er gar nicht dabei, weil die Uefa ihn für zwei Partien gesperrt hatte. Grund: Im Hinspiel hatte sich Ramos absichtlich eine Gelbe Karte abgeholt, um unbelastet in ein mögliches Viertelfinale zu gehen - und dies auch offen zugegeben. Nun beweise er auch, was einen echten Leader ausmacht, so lobten spanische Kommentatoren am Samstag.

Stadion der "Königlichen": Real Madrid baut um: So galaktisch wird das neue "Santiago Bernabéu"

Ramos - "mehr als nur ein Kapitän"

"Er ist mehr als nur ein Kapitän", schrieb das Sportblatt "Marca". "Mitten in der Krise übernimmt er in allen Bereichen die Führung." So habe er am vergangenen Donnerstag in Abwesenheit von Trainer Santiago Solari die Mannschaft um sich versammelt und das Endziel für die verpatzte Saison ausgegeben - nämlich hinter Tabellenführer FC Barcelona in der Primera División zumindest den zweiten Platz zu belegen. "Wer dafür nicht alles gibt, der kann gleich gehen", warnte der Teamkollege von Toni Kroos einem Bericht von "AS" zufolge.

Trainer Solari erklärte am Samstag ungewohnt offen, die Mehrheit der Spieler habe dem Club-Emblem Ehre gemacht. "Und denen, die das nicht getan haben, habe ich das persönlich gesagt", betonte Solari, ohne Namen zu nennen. "Wir sind alle nur auf der Durchreise", fügte er hinzu. Aber das Wichtigste für Trainer und Spieler sei immer das nächste Spiel.

Ramos geht voran: Trotz Sperre in Valladolid

Ramos soll der Zeitung "Sport" zufolge den ersten Schritt zu einer Aussöhnung mit Pérez gemacht und diesem eine Nachricht geschickt haben. Am Donnerstag hätten der Präsident und sein Kapitän dann kurz am Telefon gesprochen und ein Treffen vereinbart, um den Konflikt zu lösen. "Ramos und Florentino starten den Friedensprozess", titelte das Blatt.

An diesem Sonntag wird Ramos mit dem Team zur Liga-Partie nach Valladolid fahren, obwohl er wegen einer Gelben Karte nicht spielen darf. Denn der Kapitän habe entschieden, dass es Zeit sei, nicht nur das Kommando, sondern auch Verantwortung zu übernehmen, lobten Medien. Dazu gehöre auch, die Teamkollegen von der Seitenlinie aus zu unterstützen. Auch Pérez wird zu der Partie erwartet.

Twitter-Reaktionen : Löw kickt drei Bayern-Spieler aus der Nationalelf: So reagiert Boateng auf Twitter
dho / DPA

Wissenscommunity