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2:5-Niederlage gegen Hoffenheim: Demütiger Gang in die Kurve offenbart das ganze Schalker Elend

Beim FC Schalke 04 ist der übliche Gang der Spieler zu den Fans in die Kurve zum hohlen Ritual verkommen. Die Demutsgeste offenbart nur die ganze Krise der Mannschaft. Ausgerechnet jetzt steht das Revierderby an.

Schalker Spieler stellen sich nach der Niederlage gegen Hoffenheim den Fans in der Nordkurve

Schalker Spieler stellen sich nach der Niederlage gegen Hoffenheim den Fans in der Nordkurve

DPA

Einen passenden Vergleich mit der schweren Krise des FC Schalke 04 fand TV-Experte Jan Åge Fjørtoft in der Sendung "Wontorra": "Schalke sieht aus wie Elvis auf seinem letzten Konzert: total fertig." Total fertig und demütig folgten die Schalker Profis nach der 2:5-Heimpleite gegen Hoffenheim auch einem Ritual, das im Fußball nun mal dazu gehört: Sie gingen zu den Fans in der Nordkurve und standen mit herabhängenden Schultern vor den Ultras, während die lauthals eine bessere Leistung am nächsten Samstag im Derby gegen Borussia Dortmund forderten.

Es war ein Bild des Elends, das die ganze Misere symbolisiert. Und das Elend ist mittlerweile zu einer Art "Selbstkasteiung" des kompletten Vereins geworden, wie die "Süddeutsche Zeitung" die brisante Lage beschreibt. Das betrifft zuallererst natürlich die Mannschaft, die wie besinnungslos durch die Spiele taumelt. Die spezielle Art der Schalker Selbstkasteiung zeigte sich schon vor Wochen, als in einer viel kritisierten Szene Ultras nach der 0:3-Niederlage gegen Mainz die Kapitänsbinde von Benjamin Stambouli zurückforderten - und sie auch bekamen. Diese Art von Unterwürfigkeit wurde in den sozialen Medien harsch kritisiert, während sie von den Schalker Verantwortlichen heruntergespielt wurde.

Stevens hält sich mit öffentlicher Kritik zurück

Wenn es um die Leistung auf dem Platz geht, hält sich auch Trainer Huub Stevens mit öffentlicher Schelte zurück - trotz der unübersehbaren Defensivschwächen seiner Elf. Er befürchtet wohl, dass Kritik das schwache Nervenkostüm der Gelsenkirchener Profis noch mehr schädigen könnte. "Wenn es zwischen den Ohren nicht gut sitzt, dann geht es auch in die Beine", sagte er.

Dennoch ist Stevens nicht ganz frei von der düsteren Stimmung. Andeutungsweise raunte er unter der Woche über die Fehler, die in der Vergangenheit auf Schalke gemacht worden, ohne aber Namen zu nennen. Seinen Vorgänger Tedesco verteidigte er gegen Kritik: "Er war nicht verantwortlich dafür, da waren andere Leute verantwortlich. Die haben das aber nicht eingesehen und haben es anders gedacht. Es sind Fehler gemacht worden, sodass der Trainer sich nicht dran festhalten kann“, sagte er leicht sibyllinisch über die Ursachen der Krise.

Schalke geht mit Angst ins Revierderby

Der "kicker" attestierte Schalke im Spiel gegen Hoffenheim immerhin, dass es sich nach dem 0:2 noch wehrte und erst nach dem 1:3 "völlig zusammenbrach". Zur Wahrheit gehört ja auch, dass Schalke in der Tabelle sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat und sich die Abstiegskonkurrenz aus Stuttgart, Nürnberg und Hannover noch desolater präsentiert.

Jetzt steht das Revierderby gegen den BVB an, für viele Fans beider Lager das wichtigste Spiel des Jahres. Stevens schwant schon Böses, zumal sich die Dortmunder nach der deftigen Pleite gegen die Bayern wieder erholt haben: "Wir müssen nach Dortmund, und wir müssen da auch spielen", sagte der 65-Jährige in schicksalhaftem Ton. Optimismus hört sich anders an. Es kann gut sein, dass das Derby zur endgültigen Demütigung für die Schalker in dieser Saison wird. 

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