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Schalke 04 verliert gegen Augsburg: Erkenntnisse zum S04-Auftritt

Robert Gumny, Marius Bulter, Elvis Rexhbecaj
Robert Gumny, Marius Bulter, Elvis Rexhbecaj
© Getty Images
Schalke 04 musste das Heimspiel gegen Augsburg mit 2:3 verloren geben. Die Erkenntnisse zum schwachen Heim-Auftritt des S04.

Mit der Niederlage in Überzahl gegen den FC Augsburg hat sich Schalke 04 eine gute Chance auf wichtige drei Punkte nehmen lassen. Im Fokus der hauptsächlich negativen Erkenntnisse: Ein schwacher Sebastian Polter und eine fragwürdige Prioritätensetzung von Trainer und Sportdirektor.

Das Spiel gegen den FC Augsburg mit 2:3 verloren zu haben tut aus gleich zwei Gründen doppelt weh: Zum einen gab es die Chance, im Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten dreifach zu punkten und sich so neben einem soliden Abstand nach ganz unten auch eine gute Stimmungslage nach der Länderspielpause zu sichern. Zum anderen spielte man fast eine halbe Stunde in Überzahl, was aber nie wirklich sichtbar wurde.

Insgesamt zeigte Königsblau einen spielerisch schwachen Auftritt, der abseits der zwei Tore nur sehr wenige Highlights hatte. Entsprechend negativ fallen auch die Erkenntnisse aus, die man anhand der Partie aus Sicht des S04 ziehen konnte.

Erkenntnisse zur Schalke-Niederlage gegen Augsburg

1. Statistiken zeigen: Schalke mit sehr schwachem Spiel

Als wäre das 2:3 als Endergebnis mitsamt der Niederlage nicht schon schwer genug zu verdauen, so mussten sich die Schalke-Anhänger einen erneut spielerisch schlechten Auftritt ihrer Mannschaft ansehen.

Die ersten 45 Minuten können wohl gut und gerne als die bislang schlechteste Halbzeit dieser Saison zählen. Nur lange Bälle, weil unbedingt die Doppelspitze gespielt werden musste, zahlreiche Ballverluste und - erneut - so gut wie keine Torchance.

Diesen Eindruck untermauern auch die Statistiken: Bis zu diesem Spiel am achten Spieltag erzielte der FCA gerade einmal fünf Tore - insgesamt! Gegen Schalke gelangen gleich drei Treffer.

Obwohl Königsblau fast eine halbe Stunde lang in Überzahl spielte, lag der "expected Goals"-Wert aus dem Spiel heraus bei lediglich 0,45. Dazu erreichte nur jede fünfte Flanke den Mitspieler, nur 40 Prozent der langen Bälle kamen an.

Ebenfalls erschreckend: Eine Passquote von 67 Prozent und ein einziges erfolgreiches Dribbling, das zudem Maya Yoshida zugerechnet wurde.

Eindrücke und Werte, die immer wieder zeigen: Bei Schalke hapert es nicht am Arbeiten und an der Einstellung. Es hapert am Spielen.

2. "Wucht", "griff sein" und Fokus auf Einsatz: Kramer und Schröder mit fragwürdigen Prioritäten

Müsste Frank Kramer für jedes Mal, wenn er die Wörter "Wucht" oder "griffig" benutzt fünf Euro zahlen, wäre Schalke - zynisch betrachtet - seine Schulden wohl längst los.

Sowohl vor dem Spiel, als auch danach war das erneut sein Fokus. Er möchte, dass insbesondere sein Sturm, aber auch die ganze Mannschaft mit eben jener "Wucht" agiert. Das war auch seine Begründung für die Doppelspitze aus Simon Terodde und Sebastian Polter.

Die beiden lobte er dann auch noch mit den gleichen Worten: "Ich finde, die zwei da vorne haben das gut und wuchtig gemacht." Zack, wieder fünf Euro.

Wenn der Trainer schon zufrieden ist, wenn zwei Stürmer einfach nur in Zweikämpfe gehen, selbst wenn es immer und immer wieder an Torchancen mangelt, läuft etwas falsch. Man könnte auch eine spielerische Wucht entwickeln, mit einem mutigen Offensivspiel und ohne die ständigen langen Bälle. Aber inzwischen ist klar, dass Kramer diese Wucht gewiss nicht meint.

Dass sich Rouven Schröder nach dem Spiel am DAZN-Mikrofon, abseits des Resultates, zufrieden mit dem Auftritt der Mannschaft zeigte, verwirrte ebenfalls. Die erste Halbzeit war wohl die bislang schlechteste Hälfte dieser Saison. Es wurden nur lange Pässe gespielt, zahlreiche Ballverluste gab es und viel zu einfache Gegentore.

Statt diese Punkte anzusprechen betonte er lieber, dass man "voll im Spiel" gewesen sei und es auch zu den eigenen Gunsten hätte kippen können. Natürlich lobte auch er den Einsatz und die Wucht.

3. Matriciani muss ersetzt werden - Aydin-Einwechslung als Beweis

Kramer setzt lieber auf Henning Matriciani als auf Mehmet Aydin, weil ihm Letzterer defensiv zu anfällig ist. Das war immer wieder seine Erklärung. Durch den weiteren Ausfall von Brunner stand sie auch am Sonntagabend wieder im Fokus.

Und erneut wurde deutlich: Matriciani, so sehr er sich auch bemüht und so gut der Eindruck im Training auch sein mag, hat kein Bundesliga-Niveau.

Zu viele Fehler, kaum Präsenz im Zweikampf oder mit dem Ball und ein gegnerischer Fokus auf seine Seite. Bei den ersten zwei Gegentoren stand er im Mittelpunkt.

Die Einwechslung von Aydin hat dann frischen Wind gebracht. Während er defensiv sicher nicht anfälliger ist, bringt er offensiv viel mehr mit. Das hat er deutlich machen können.

Sollte Brunner auch am nächsten Wochenende ausfallen, muss Aydin in die Startelf rücken. Daran führt alleine schon aufgrund des Leistungsprinzips kein Weg vorbei.

4. Kramer will Polter unbedingt durchsetzen - Doppelspitze als Experiment

Ginge es nach der Leistung, wäre Sebastian Polter entweder auf der Bank und weit weg von Einsätzen, oder gar nicht mehr im Kader. Er mag bemüht sein und genauso sehr wie alle anderen S04-Angreifer am chronischen Torchancen-Mangel leiden. Doch das, was er in den Spielen anbietet, ist einfach viel zu wenig.

Eigentlich wurde das auch im Testspiel gegen Gütersloh vor einer Woche deutlich. Auch dort hing er in der Luft. Selbst das Festmachen von Zuspielen gelingt ihm nicht einmal annähernd so sehr, wie es bei Terodde der Fall ist.

Längst hätte er von Jordan Larsson oder auch Kenan Karaman (noch ohne richtige Chance) überholt werden müssen. Dadurch wird es umso deutlicher: Kramer möchte Polter unbedingt durchsetzen.

Offenbar befürchtet er interne Unruhe, sollte er den teuersten Sommer-Einkauf nicht mehr spielen lassen. Anders sind die regelmäßigen Einsätze eigentlich nicht mehr zu erklären.

Auch das Experiment der Doppelspitze kann getrost als gescheitert angesehen werden. Mit einer anderen Besetzung kann sie durchaus funktionieren. Aber nicht mit Terodde und Polter als Duo - auch wenn dem Trainer dann die so beliebte Wucht fehlen dürfte.

5. Die Mannschaft will und sie lebt - sie braucht aber einen spielerischen Leidfaden

Es ist sehr ähnlich zum Vorjahr, als Dimitrios Grammozis noch an der Seitenlinie stand: Man kann dem Team definitiv nicht vorwerfen, nicht gewinnen zu wollen. Der Einsatz stimmt und die Spiele werden nicht abgeschenkt.

Doch das große Problem bleibt: Spielerisch, abseits vom "griffig sein" und von Zweikämpfen, kann Schalke kaum etwas aufbieten.

Eigentlich müssten die zwei Tore gezeigt haben, dass es mit einem flachen und schnellen Zusammenspiel funktioniert. So sind beide Tore entstanden. Und dennoch bleibt Kramer seit Tag eins beim Fokus auf die hohen Bälle, weil er wiederum am körperlich starken Sturm festhält.

Auch ein personeller Fokus auf Spieler wie Rodrigo Zalazar, Jordan Larsson, Tom Krauß, und Co. könnte helfen. Eine Ausrichtung, die weniger auf das Verhindern und Zerstören, sondern mehr auf das Kreieren und Herausspielen fußt, wäre definitiv möglich. Dafür ist der Kader stark genug.

Und dass man das als Aufsteiger nicht angehen und erreichen kann, wie es hier und da bei Kramer und Schröder durchklingt, ist Quatsch. Werder Bremen ist dafür das beste Beispiel.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf 90min.com/de als Schalke 04 verliert gegen Augsburg: Erkenntnisse zum S04-Auftritt veröffentlicht.

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