Schalke 04 Zur Not auch ohne Asamoah


Bei Schalke 04 kocht eine dubiose Erpressungsgeschichte hoch, die Nationalstürmer Gerald Asamoah sogar seinen Job kosten könnte. Angeblich hat der 27-Jährige Trainer Mirko Slomka erpresst.
Von Felix Meininghaus, Gelsenkirchen

In der Bundesliga ist Gerald Asamoah nicht nur durch seine Flankenläufe, sondern vor allem auch als Spieler mit dem breitesten Grinsen bekannt geworden. Die Nummer als Gute-Laune-Bär hat der 27-Jährige in diesem Sommer im Kreise der Nationalmannschaft perfektioniert, als er bei der WM zwar nicht zum Einsatz kam, sich jedoch als DJ Bestnoten verdiente.

Glaubt man den Gerüchten, die seit dem Wochenende vom FC Schalke 04 verbreitet werden, ist das nur die eine Seite des gebürtigen Ghanaers. Die andere, das ist der Machtmensch und Intrigant, der nicht vor miesen Machenschaften zurückschreckt, um sich seinen Platz in der Schalker Stammformation zu erkämpfen. Zwei Tage vor dem sonntäglichen Spiel bei Hertha BSC wurde Asamoah aus dem Kader der Knappen gestrichen. Es heißt, der Stürmer habe im Mannschaftskreis eine Drohung fallen lassen: Er werde Trainer Slomka Probleme bereiten, falls der ihn nicht von Beginn an spielen lasse, wenn er fit sei. Darüber, wie diese Aussagen zu Slomka und Manager Andreas Müller gelangt sind, gibt es zwei Versionen. Die eine beschreibt die Kette über Halil Altintop zu Spielmacher Lincoln, der den Inhalt an Kapitän Marcelo Bordon weiterleitete, der wiederum beim Trainer vorstellig wurde. Ein anderer Ansatz zieht die Linie von Halil Altintop zu dessen Berater Roger Wittmann, der den Manager informierte. Stimmt die zweite Version, würde das ein Besorgnis erregendes Bild vom Machtgefüge auf Schalke ergeben. Wittmann, der mit seiner Berateragentur Rogon wichtige Schalker Akteure wie die Halil Altintop, Kevin Kuranyi, Lincoln, Marcelo Bordon und Fabian Ernst zu seinen Klienten zählt, hatte einst in Kaiserslautern Politik gemacht - was dem heutigen Zweitligisten nicht gut bekommen war.

"Vertrauensbruch von Asamoah"

Wie immer die Informationen aus der Schalker Mannschaft hinausgelangt sind, der Nachrichtenfluss hatte mit Asamoahs Demission für das Spiel in Berlin erste Folgen. Die Sanktionen könnten wesentlich gravierender ausfallen, wenn keine Schlichtung gelingt. Am Dienstag setzen sich Müller, Slomka, Asamoah und dessen Berater Jürgen Milewski zusammen. "Das wird eine knallharte Runde", sagte der Manager dem "Kicker" und fügte hinzu: "Der Ausgang ist offen." Es erscheint also möglich, dass die Tage des dienstältesten Schalker Profis, der im achten Jahr in Königsblau spielt, gezählt sind.

Asamoah habe bereits vor der Saison in einem Gespräch mit Slomka "in ähnlicher Weise gedroht", sagt Müller. Der Trainer selbst spricht von einem "Vertrauensbruch" und verweist hilflos darauf, er habe Asamoah "schon bei der B-Jugend von Hannover 96 gefördert".

Erstaunliche Entwicklung

Dass sich die Lage für Asamoah, der auf Schalke nie als Stinkstiefel auffällig geworden war, nun so dramatisch entwickelt, erstaunt. Schließlich ist es hier normal, über Dritte Forderungen zu formulieren. So hatte sich Sören Larsen vor Wochen in einer dänischen Zeitung über sein Reservistendasein beklagt, gleiches tat Altintop in türkischen Medien. Beide kamen ohne Sanktionen davon.

Derweil erhält Asamoah Rückendeckung vom Kapitän: "Es wäre falsch, ihn irgendwo hinzuhängen und zu sagen, er war es", sagt Torwart Frank Rost, "für mich bleibt er ein Topkollege." Rost wundert sich, "dass Dinge, die intern in die Mannschaft gehören, nach draußen getragen werden", und legt damit den Finger auf eine Wunde, die auf Schalke schon lange schmerzt. Denn eigentlich gilt der vertrauliche Umgang mit Inhalten der so genannten Kabinengespräche unter Fußballern als Selbstverständlichkeit. Dass mitten im Revier immer wieder gegen diesen Ehrenkodex verstoßen wird, ist eines der Schalker Grundübel der letzten Jahre.

Entsprechend deutlich ist Asamoahs Reaktion: "Ich bin der dienstälteste Spieler hier und habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen", sagte der Stürmer dem "Kicker".


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