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Ex-Fußball-Nationalspieler: Was macht eigentlich ... Gerald Asamoah?

Der gebürtige Ghanaer Gerald Asamoah stürmte für Schalke 04 und die deutsche Fußballnationalmannschaft.

Gerald Asamoah: Was macht der Ex-Fußball-Nationalspieler heute?

Der 40-jährige Gerald Asamoah lebt mit seiner Familie in Marl

Vermissen Sie es, täglich auf dem Fußballplatz zu stehen?

Ich dachte, es würde mir schwerer fallen. Am Anfang habe ich es richtig genossen, nicht mehr täglich zu trainieren. Jetzt kicke ich noch manchmal in der Traditionsmannschaft von Schalke 04 mit. Das schaffe ich aber seltener, als ich möchte. Dafür spiele ich jetzt Tennis. Und Fußball ist immer noch täglicher Bestandteil meines Lebens. Ich manage jetzt die U23-Mannschaft von Schalke.

Was machen Sie da?

Verträge, mich mit dem Trainer beraten, aber vor allem spreche ich viel mit den Spielern. Das sind junge Menschen, die den Traum verfolgen, den ich leben durfte. Wer es nicht direkt in die erste Mannschaft schafft, muss oft motiviert werden. Das ist Teil meines Jobs.

Als Kabinen-DJ motivierten Sie die Nationalmannschaft bei der WM 2006. "Dieser Weg" von Xavier Naidoo wurde zum Sommermärchen-Song. Was hören Sie heute?

Ich bin jetzt 40 Jahre alt, inzwischen höre ich gerne Schlager. Vielleicht mal ein Bierchen dazu, perfekt (lacht). Die Musik hat damals perfekt gepasst. Es lief viel Hip-Hop und eben Xavier. Was die Jungs heute in der Kabine hören, kenne ich alles nicht mehr so genau: Bausa zum Beispiel. Da schaue ich mir jetzt was ab.

Sie haben kürzlich den Karl Kübel Preis für Ihr soziales Engagement verliehen bekommen.

Seit 2007 habe ich eine Stiftung für herzkranke Kinder. Mit 19 wurde bei mir ein Herzfehler diagnostiziert, der mich fast meine Karriere gekostet hätte, mich aber letztlich zum Glück nie eingeschränkt hat. Ich will etwas zurückgeben. Meinem Herzen geht es gut, das soll auch bei anderen so sein. Außerdem engagiere ich mich stark gegen Rassismus.

Diese Weltmeisterschaft war geprägt von der Debatte um Mesut Özil. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Darauf möchte ich jetzt gar nicht mehr näher eingehen. Was interessant ist: dass das Thema Rassismus nach Mesuts Rücktritt so groß wurde. Als ich mich 2006 zu Rassismus geäußert habe, ist kaum etwas passiert. Ich hatte mehr Unterstützung erwartet. Stattdessen hat es fast niemanden interessiert, was ich zu sagen hatte.

Warum ist das Echo plötzlich so laut?

Vielleicht liegt es daran, dass es Mesut Özil ist, der etwas gesagt hat. Immerhin ist er Teil der Weltmeistermannschaft. Trotzdem hätte viel früher viel mehr darüber gesprochen werden müssen. Es ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt. Es ist 2018, und wir reden immer noch über Rassismus, das ist extrem schade und ein großes Problem.

Was kann der Fußball da leisten?

Wir Spieler sind Vorbild für viele junge Leute. Die Alten kann man häufig eh nicht mehr ändern, die Jungen aber schon. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir offen damit umgehen, dass wir darüber reden. Wir sind alle gleich, es ist egal, welche Hautfarbe jemand hat, was er glaubt oder ob ein Mann einen Mann liebt. Diese Botschaft müssen wir transportieren.

Ihre aktive Karriere ist vorbei. Gibt es den einen besten Moment?

Nein, es waren so viele. Die Pokalsiege mit Schalke sind natürlich unvergesslich. An einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, im eigenen Land – das war schon großartig.

Fängt sich die Nationalmannschaft wieder?

Ich glaube, Jogi Löw hat geändert, was zu ändern war. Wir wissen, dass wir Qualität haben. Wir müssen sie nur wieder zeigen.

Gerald Asamoah zu Jerome Boateng
Interview: Julia Kopatzki
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