Sebastian Deisler "Ich freue mich einfach"


Die größte deutsche Fußballhoffnung steht wieder auf dem grünen Rasen: Demonstrativ gut gelaunt absolvierte Sebastian Deisler die erste Trainingseinheit nach seiner Krankheit.

Eine Woche nach seiner Entlassung aus der Klinik hat Sebastian Deisler beim FC Bayern München wieder im Lichte der Öffentlichkeit das Training aufgenommen - und sogar Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr in die Bundesliga genährt. Der 24-Jährige präsentierte sich am Montag auf dem Vereinsgelände des deutschen Rekordmeisters nach seinem individuellen Übungsprogramm entspannt und gab den Journalisten ungewohnt bereitwillig Auskunft zu seinen sportlichen Plänen in der näheren Zukunft. An seinen Comeback- Absichten ließ der Nationalspieler keine Zweifel. "Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Monaten noch viel Spaß haben werden. Die Lust auf Fußball ist wieder hundertprozentig da - und sie war eigentlich nie weg", sagte Deisler.

Kein Termin für Comeback

Weder er noch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wollten am Montag einen konkreten Zeitpunkt für ein Comeback festlegen. Erst einmal müssen nach wochenlanger Trainingspause die körperlichen Grundlagen gelegt werden. Dafür stehen Deisler beim FC Bayern in Trainer Björn Andersson und Physiotherapeut Oliver Schmidtlein persönliche Betreuer zur Verfügung. Außerdem soll "kein Druck" auf den sensiblen Profi ausgeübt werden, wie Hitzfeld ausdrücklich hervorhob.

Stufenplan für Deisler

"Es ist enorm wichtig für seine Entwicklung, dass der Alltag für ihn wieder angefangen hat", sagte der Trainer. Ihn freute auch, dass Deisler am Montag bereitwillig mit den Journalisten sprach. Es ist ein Stufenplan entwickelt worden, Deisler stehe auf der "vorletzten Stufe", so Hitzfeld. Allerdings glaubt der 55-Jährige fest daran, dass der Mittelfeldspieler schon in ein paar Wochen wieder mit der Mannschaft trainieren wird. "Wir werden ihn langsam heranführen."

"Ich habe es vermisst"

Einige Lauf- und Koordinationsübungen absolvierte Deisler schon am Montag wieder mit seinen Kollegen, nachdem er in der vergangenen Woche bereits abseits der Team-Übungszeiten auf dem Vereinsgelände erste individuelle Gehversuche unternommen hatte. Er sprach auch kurz mit Hitzfeld auf dem Übungsplatz. Die Lust auf Fußball scheint wieder geweckt. "Ich freue mich einfach. Ich bin Sportler. Ich habe gemerkt, dass es mein Spiel ist. Ich habe es vermisst", verriet Deisler.

In Zukunft scheint wieder viel möglich

Nach der Geburt seines Sohnes Raphael und der Entlassung aus der Klinik ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz ein weiterer Schritt zurück in ein normales Leben. Die professionelle Fußball-Karriere des einst größten deutschen Talents könnte damit wieder eine Zukunft haben, auf die auch DFB-Teamchef Rudi Völler im Hinblick auf die diesjährige Europameisterschaft in Portugal und die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hofft. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Am Montag zählte vor allem dieser Deisler-Satz: "Ich fühle mich sehr gut."

"Es ist eine lange Zeit gewesen", bemerkte er rückblickend auf die insgesamt neun Wochen im Münchner Max-Planck-Institut, in dem Deisler wegen Depressionen behandelt worden war. Sein letztes Spiel hatte er am 8. November 2003 beim 4:1-Heimsieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund gemacht. Deisler spielte überragend - und begab sich anschließend vollkommen überraschend in Behandlung.


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