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Sieg in der Champions League: Die Bayern haben Blut geleckt

Der Sieg gegen Manchester United hat eines gezeigt: Bayern München befindet sich sportlich wieder auf Augenhöhe mit den großen Clubs Europas. Der Rekordmeister kann jetzt selbstbewusst zum Rückspiel nach Manchester reisen – und dürfte auch einen Schub im Kampf um die deutsche Meisterschaft bekommen.

Ivica Olic hatte gerade das Tor seines Lebens geschossen, da fegte er wie ein wild gewordener Derwisch über den Rasen der Allianz Arena. Als hätte es ihn während des ganzen Spiels schon die Luft genommen, riss er sich das rote Trikot vom Leib, warf es kurz von sich und wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Den Siegtreffer gegen Manchester United geschossen, und das in der Nachspielzeit, als sich alle schon mit einem Unentschieden abgefunden hatten – was für ein Erfolg für die Bayern und für Olic.

Der kroatische Nationalspieler hatte am Samstag nach einer Halbzeit gegen Stuttgart noch Arjen Robben weichen müssen, obwohl er gegen den VfB sein Tor gemacht hatte. Nachdem den Bayern zuvor kaum eine Chance eingeräumt worden war, genoss nicht nur Olic ein wenig Genugtuung. Auch Trainer Louis van Gaal und die Bayern-Bosse auf der Tribüne waren sehr zufrieden: Das große Manchester United bezwungen, endlich auch sportlich wieder auf Augenhöhe mit den Großen Europas.

"Man kann der Mannschaft nur ein großes Kompliment machen, dass sie das Spiel noch gedreht hat", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Und Sportdirektor Christian Nerlinger schwärmte gar von einer "großen Nacht". Durch den Sieg im Viertelfinal-Hinspiel haben die Bayern große Chancen, auch in einer Woche im Rückspiel in Old Trafford zu bestehen. Das Erreichen des Halbfinales der Champions League ist kein unrealistisches Szenario mehr. Das erste Mal nach neun Jahren würden die Bayern wieder zu den vier besten Teams Europas gehören. Damals stand am Ende bekanntermaßen der Gewinn der Champions League.

Schock nach 60 Sekunden


Dabei hatte die Partie vor 66.000 Zuschauern denkbar ungünstig für den Gastgeber begonnen. Nach nur 63 Sekunden traf Wayne Rooney zum 1:0 für die Gäste, alles schien früh gelaufen. "Das war ein Schock. Wir haben dann zehn Minuten gebraucht, um wieder mental zurückzukommen", analysierte Fußball-Lehrer Louis van Gaal nach dem Schlusspfiff. Bis etwas Zählbares heraussprang, benötigten seine Spieler einiges länger. Erst nach 77 Minuten, als der am Ende am Sprunggelenk verletzte Rooney einen Freistoß von Franck Ribéry ins eigene Tor ablenkte, durften die Münchner wieder ein bisschen von der Runde der letzten Vier träumen. Und als Ivica Olic in der Nachspielzeit dann noch das 2:1 erzielte, war der Abend praktisch perfekt.

"In einer Woche müssen wir noch mal so ein Spiel machen, wenn wir das Halbfinale erreichen wollen", blickte Torschütze Olic bereits auf das Rückspiel im Stadion Old Trafford. Zunächst aber zählte nur der Erfolg gegen den Vorjahresfinalisten, bei dem Trainer-Legende Sir Alex Ferguson das Unheil kommen sah. Immer wieder warnte er vom Seitenrand seine Mannschaft eindringlich, trotzdem konnte er die Last-Second-Niederlage nicht verhindern. "Wir haben nicht gut gespielt. Es war für mich eine große Enttäuschung. Wir haben die Bälle zu schnell verloren", kritisierte Ferguson.

Zusätzlicher Schub


In München ziehen sie ihre Schlüsse daraus: Wenn das Team von Louis van Gaal konzentriert und engagiert auftritt, kann es auf allerhöchstem europäischen Niveau mithalten. Diese Erkenntnis dürfte der Mannschaft einen zusätzlichen Schub geben - sowohl in der Bundesliga, wo es am Wochenende zum Showdown mit Spitzenreiter Schalke kommt, als auch für das Rückspiel gegen Manchester. Dies zumal die Münchner mit Robben und Schweinsteiger, die in beiden Spielen wieder auflaufen können, als noch stärker einzuschätzen sind. Hinzu kommt, dass Superstar Wayne Rooney verletzungsbedingt fehlen wird, Darüber herrscht jetzt Gewissheit. Ronney zog sich eine Knöchelstauchung zu und wird mindestenes zwei Wochen nicht spielen können. Die Bayern haben Blut geleckt.

Im Old Trafford reicht den Bayern jetzt ein Remis. "Ich glaube, wir haben die besseren Karten", sagte der eingewechselte Mario Gomez selbstbewusst, der mit viel Eifer maßgeblich am 2:1 unmittelbar vor dem Schlusspiff beteiligt war. Erinnerungen wurden wach an das legendäre Champions-League-Finale von 1999, als ManU in den letzten Minuten ein 0:1 noch zu einem 2:1 drehte - wenn es auch diesmal kein Endspiel war. "Wir haben sehr gut gespielt. Das ist für meinen Verein mein größtes Spiel", befand Olic, der nun wie seine Teamkollegen wieder jenes großes Ziel vor Augen hat, das schon unerreichbar schien: Das Champions-League-Finale am 22. Mai in Madrid.

DPA/tis / DPA

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