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Hertha BSC: Aus dem Teamtraining verbannt: Sinan Kurt, das verschwendete Talent

Es ist ein beispielloser Niedergang, der ein warnendes Beispiel sein sollte: Sinan Kurt war eine der größten deutschen Fußball-Hoffnungen. Nun darf er nicht einmal mehr am Teamtraining von Hertha BSC teilnehmen.

Sinan Kurt ernst im Trainingsdress von Hertha BSC - Club verbannt ihn aus dem Teamtraining

Sinan Kurt, einst als eines der größten Talente des deutschen Fußballs gefeiert, ist vom Teamtraining von Hertha BSC ausgeschlossen worden

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"Wir erhoffen uns, dass er außerhalb seines gewohnten Umfeldes in Sachen Eigenständigkeit und Eigenverantwortung weiterkommt." Es klingt wie ein Zitat aus einer Bewertung für schwer erziehbare Jugendliche. Doch der Satz stammt von Michael Preetz, Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Er betrifft einen jungen Profi aus dem Kader der Berliner: Sinan Kurt. Der heute 21-Jährige galt noch vor wenigen Jahren als das vielleicht größte Talent im deutschen Fußball. Dann brach er aus seiner Geburtsstadt Mönchengladbach in die große weite Fußballwelt auf, um die ganz große Karriere zu machen: FC Bayern, Nationalmannschaft, dann vielleicht ManCity, Barcelona oder Real. Daraus wurde nichts. Stattdessen darf Sinan Kurt bei Hertha nun nicht einmal mehr mit den Teamkollegen zusammen tranieren.

Es ist ein neuer Tiefpunkt in der im Grunde gar nicht mehr existenten Karriere des Stürmers. "Wir möchten weiter mit Sinan arbeiten und ihn entwickeln, da wir unverändert Potenzial bei ihm erkennen", beteuert Preetz, sagt aber auch: "Er ist zwar in einem verbesserten Zustand aus dem Winterurlaub zurückgekehrt, aber noch nicht auf dem Level, welches wir uns von ihm wünschen." Was sich die Herthaner von Kurt wünschen, besser: erwarten, ist klar: Der begnadete Fußballer, der dem FC Bayern laut transfermarkt.de vor dreieinhalb Jahren noch etwa 3 Millionen Euro wert war, obwohl er damals noch keine Minute in der Bundesliga gespielt hatte, soll endlich eine professionelle Einstellung bekommen, seine Klasse zeigen und sein großes Talent nicht weiter verschwenden. Es ist womöglich Sinan Kurts letzte Chance auf eine Karriere als Fußballer.

2014 war Sinan Kurt noch nicht so weit

Max Eberl hat geahnt, dass es so kommen würde. Als die Bayern im Sommer 2014 dreist und offensiv nach dem Gladbacher Top-Talent griffen und sein Spielerberater - wohl die Euro-Zeichen in den Augen - dem Jung-Fohlen Flausen in den Kopf setzte, wusste der Manager der Borussia: Der Schritt kommt für den Jungen zu früh. Wohl auch deshalb machte Eberl - ganz gegen seine sonstige Art - öffentlich Stunk. Der Wechsel-Zoff um den damals 18-jährigen Kurt wurde auch zur Grundsatzfrage: Dürfen die großen Bayern den anderen Clubs jetzt schon die jüngsten Talente mit Millionensummen abluchsen?

Die für einen so jungen Spieler ungeheure Ablöse dürfte eine viel zu hohe Last für das Talent gewesen sein. Eine Last, mit der er nicht fertig werden konnte. Eberl, jahrelang Chef der Gladbacher Jugendarbeit, wusste das. 31 Tore und 26 Assists in der A-Jugend-Bundesliga waren top, die Auftritte in den Junioren-Nationalteams ein großes Versprechen für die Zukunft, aber Kurt fehlte genau das, was ihm die Borussia - sicherlich auch zum eigenen Nutzen - hätte bieten können: erste Schritte in der Bundesliga, etablieren als Profi auf hohem Niveau, das Reinwachsen ins Fußballer-Dasein, Feinarbeit mit einem erstklassigen Trainer - und dann erst der Wechsel zu einem großen Club - so wie es beispielsweise Fohlen-Kollege Mo Dahoud gemacht hat. Sinan Kurt wollte lieber zwei Schritte auf einmal nehmen, und ist, auf gut Deutsch gesagt, aufs Maul gefallen.

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Von Lahm und Schweinsteiger nicht profitiert

In München brachte er es auf magere 45 Minuten Bundesliga-Fußball. Die Chance, von den Weltmeistern Lahm, Müller und Schweinsteiger zu lernen, hat er verdaddelt; Weggefährten wie Joshua Kimmich dienten ihm nicht als Vorbild. Kurts Instagram-Account zeugt mehr vom großen Leben als vom großen Fußball; der Hashtag #supersinan findet sich oft. Doch sportlich war kein #supersinan zu sehen. So blieb nur, eine Etage tiefer einen neuen Anlauf zu nehmen. Doch Hertha-Trainer Pal Dardai merkte schnell, dass es seinem Supertalent an der Einstellung, am Charakter mangelt. Selbst, dass die Bayern sich ein Rückkaufrecht ausgehandelt hatten, offenbar darauf hofften, dass Kurt an der Spree durchstarten würde, war für den Jung-Profi kein Ansporn. Zwei Kurzeinsätze für die Hertha in der 1. Liga und 10 Spiele fürs Regionalteam - mehr war bisher nicht. Bayern hat die Rückkaufoption verstreichen lassen.

Sinan Kurts Vertrag bei Hertha BSC läuft noch bis Juni 2019. Dass der Hauptstadt-Club den Kontrakt verlängert, ist Stand heute sehr unwahrscheinlich. Und was dann? Versucht es überhaupt noch ein Club aus den drei deutschen Profi-Ligen mit einem ewigen Talent, das in vier Profi-Jahren kaum mehr als die Nettospielzeit eines einzigen Matches aufweisen kann? Eher nicht. Sinan Kurt steht kurz davor, endgültig zu scheitern. Ein verschwendetes Talent.

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