HOME

Sinan Kurt vom FC Bayern: Wie dieser Jung-Star in den Shitstorm schlidderte

Er wechselte als Nachwuchshoffnung zum großen FC Bayern. Auf Facebook wird er seitdem beschimpft und bepöbelt. Dabei hat Sinan Kurt noch nie ein Bundesliga-Spiel absolviert.

Von Felix Haas

Sein großes Ziel verkündet Sinan Kurt am Neujahrstag. Er ist zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt, Jugend-Nationalspieler, hat in der A-Jugend-Bundesliga für seinen Verein Borussia Mönchengladbach 31 Tore geschossen und 26 weitere Treffer vorbereitet. Auf Facebook schreibt er: "Dieses Jahr wird mein Jahr das kann ich euch versprechen! Ein Traum, ein Ziel BUNDESLIGA!!!!"

Auf den Post erhält Kurt 34 Antworten. "Gönn ich dir vom ganzen Herzen:)", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer meint: "Viel Glück dabei! Du wirst es schaffen! Ganz bestimmt". Neun Monate später hat sich Kurts Traum nicht verändert. Noch hat er kein Bundesliga-Spiel absolviert. Der Ton auf seiner Facebook-Seite aber, der hat sich radikal geändert. Denn Kurt, das Talent, hat es gewagt, den Verein zu wechseln. "HAU AB DU AFFE" gehört seitdem zu den netteren Botschaften auf seiner Seite.

Wettrennen um die besten Talente

Bislang kannte man Anfeindungen in den sozialen Medien eher von prominenten Transfers. Mario Götze etwa wurde nach seinem Wechsel von Dortmund zum FC Bayern angepöbelt. Götze war zu dem Zeitpunkt allerdings bereits ein internationaler Star. Das rechtfertig natürlich keine Beleidigungen, aber die Fallhöhe ist für jeden erkennbar. Kurt dagegen hat verglichen mit Götze noch nicht viel erreicht. Seine Geschichte verdeutlicht, dass im Jahr 2014 bereits ein (guter) Nachwuchsspieler Emotionen bei den Fans weckt. Sie hoffen auf den nächsten Götze, auf den nächsten Superstar.

"Ich will zum FC Bayern"

Erst am vergangenen Montag, dem letzten Tag der Transferperiode, hat der FC Bayern den Wechsel von Kurt perfekt gemacht. Er kam für 2,5 Millionen Euro. Sportchef Matthias Sammer verkündete: "Sinan Kurt haben wir fertig gemacht - also vertraglich. Fertig gemacht haben ihn andere." Es war eine dieser bayrischen Spitzen gegenüber der Konkurrenz. Monatelang hatten zuvor Kurts Ex-Verein Borussia Mönchengladbach und die Münchner um das Talent gebuhlt.

Dabei gingen Vorwürfe hin und her: Gladbachs Sportdirektor Max Eberl warf den Bayern schlechten Stil vor, einen so jungen Spieler zu kontaktieren und nicht mit dem Verein zu sprechen. Die Bayern warfen der Gladbacher Führung vor, die Wünsche des Jungen zu missachten. Kurt hatte sich deutlich positioniert. Er verkündete: "Ich will zum FC Bayern." Wenig später lehnte er die Einladung von Gladbachs Trainer Lucien Favre ins Trainingslager mit den Profis der Borussia ab.

Sportliche Gründe

Bei den Fans in Mönchengladbach stießen die Aussage und das Verhalten des Youngsters auf Unverständnis. Es war der Moment, an dem die Stimmung kippte. Seitdem fragen sie sich am Niederrhein: Warum will dieser talentierte Junge zum FC Bayern, wo er doch ohnehin erstmal auf der Bank sitzen wird? Seit der Wechsel offiziell verkündet wurde, machen sie ihrem Ärger auf der Facebook-Seite Luft.

Kurt sagt, sein Wechsel habe nur sportliche Gründe. "Ich bin kein Abzocker, wie es immer wieder dargestellt wird. Mir ging es nicht ums Geld. Ich habe die sportlichen Perspektiven in Gladbach und in München verglichen. Und mich erst danach für Bayern entschieden." Unter den Anfeindungen leidet Kurt offenbar dennoch. Sein Berater Michael Decker sagte der "Welt": "Sinan hat das alles schwer erschüttert und richtig mitgenommen. Natürlich hat er das laufend verfolgt. Und er hat darunter gelitten." Decker sagt, es sei "ungeheuerlich, was da einige Leute von sich geben."

Es gibt auch Unterstützung auf Facebook

Doch es gibt auch immer noch diejenigen, die Kurt unterstützen. Wie damals am Neujahrstag. Sie wünschen ihm eine erfolgreiche Karriere. "Einen 18-Jährigen beleidigen?", schreibt ein Nutzer, "ganz großes Kino und sehr respektvoll von "erwachsenen" Menschen. Hammer wie ihr drauf seid. Lasst den Jungen doch in Ruhe". Am Ende fügt er hinzu: "PS kein Bayern Fan".

Sinan Kurt pflegt sein Facebook-Profil weiter. Zuletzt postete er ein Bild von sich im Bayern-Trikot. Er stemmt darauf die Hände in die Hüften und schaut mit konzentriertem Blick in die Kamera. Es wirkt, als wolle er allen Kritikern den optischen Beweis für seinen Wunsch zum Neujahrsanfang liefern: "Ein Traum, ein Ziel. BUNDESLIGA."

Wissenscommunity